… diese Frage begegnet mir letzte Zeit immer und immer wieder. Und ich weiß, dass das eines der wichtigsten Fragen im Bezug auf Jüngerschaft ist. Oder anders ausgedrückt: Wenn ich nicht lerne, Gottes Stimme zu hören und ihr gehorsam zu sein, werde ich nie zur wirklichen geistlichen Reife kommen. Menschen, die nicht gelernt (oder wieder verlernt) haben auf die Stimme ihres Meisters zu hören, werden immer in Anhängigkeit von Menschen, Institutionen oder geistlichen Ämtern verharren. Verstehe mich nicht falsch – andere Menschen, Institutionen und geistliche Ämter haben nicht nur ihre Berechtigung allgemein, sondern sind zum Nutzen für uns alle gegeben worden. Es ist allerdings so, dass wir im Reich Gottes nicht zu Jüngern/Nachfolgern von XY, einer Denomination, oder eines der hochbegnadeten geistlichen “Gurus” werden sollen, sondern zu Jüngern von Jesus Christus.

Der Missionsbefehl in Matth. 28 lautet nicht: gehet hin; auch nicht: tauft sie; auch nicht: lehrt sie – all diese Dinge werden mit Partizipien  (eine infinite Verbform, die z. B. an einem anderen Verb Anteil hat (lat. particeps)) ausgedrückt, die den einzigen Befehl in diesem Text unterstreichen und dessen Ausführung näher bestimmen sollen.

MATHETEUSATE (macht zu Jüngern, oder jüngert alle Nationen) ist der einzige Befehl in diesem Text:

Matth. 28:19-20  19 Hingehend nun, macht alle Nationen zu Jüngern, sie tauftend auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes,  20 und sie lehrend alles zu bewahren, was ich euch geboten habe!

Kursiv stehen nun die Hilfverben und in Fettschrift der Befehl.

Das Drama der heutigen Gemeinde besteht darin, dass sie entweder missionarisch (hingehend), christianisierend (taufend), dogmatisierend (lehrend) (oder als eine Mischung daraus) unterwegs ist, aber dass sie leider keine Jünger hervorbringt.

Nun wird natürlich jeder sagen, dass ich übertreibe. OK, wie könnten wir es prüfen, ob ich übertreibe oder nicht? Hier mein Vorschlag (wenn Du einen besseren hast, lass mich den mal im Kommentar hören): wir schauen uns einige Definitionen von Jüngerschaft an und vergleichen diese mit der Ist-Situation (Ziele, Arbeitsethos und Frucht) in unseren Gemeinden. Einverstanden?

1. Definition von Jüngerfschaft:

Mark. 3:14-15   14 und er (Jesus) berief zwölf, damit sie bei ihm seien und damit er sie aussende, zu predigen  15 und Vollmacht zu haben, die Dämonen auszutreiben.

Hier beruft Jesus seine 12 Jünger. Wer sollen sie sein und was sollen sie tun?

  1. Berufen sein. Bestimmen (gr. poieo): schaffen, machen, hinstellen. Jüngerschaft beginnt nicht mit uns, sondern mit Jesus, der uns zu einem neuen Leben bestimmt und einsetzt. Eine völlige Neuorientierung des Seins (Denken, Wollen, Fühlen, Tun) steht am Anfang der Jüngerschaft. Und dieser Vorgang ist sehr persönlich: Er benennt und bestimmt die 12 NAMENTLICH – jeden persönlich!
  2. Mit ihm sein (gr. eimi). Beinhaltet: den Platz neben Jesus einnehmen, mit ihm leben, ihm zur Seite stehen (wie ein Azubi einem Meister), zu ihm gehören, mit und bei ihm sein. Das ist die erste Phase der Jüngerschaft, sie hat etwas mit unserem neuen SEIN, unserem WESEN zu tun.
  3. Beauftragt sein. Die zweite Phase der Jüngerschaft hat etwas mit unserer PRAXIS zu tun. Aussenden (gr. apostello), bedeutet in diesem Zusammenhang: Ein Azubi, der bei dem Meister ist, auf seine Hände geschaut und von ihm gelernt hat, wird nun beauftragt, dasselbe zu TUN wie der Meister (was tat Jesus? Er predigte das Reich Gottes und trieb Dämonen aus).

OK, nun meine Fragen:

1. Was hat das mit “Gottes Stimme hören” zu tun?

2. Wird in unseren Gemeinden in dieser Weise Jüngeschaft praktiziert?