Neuerdings geistern wieder unliebsame Horrormeldungen in den News  – und wieder geht es um Verführung im Raum der Kirche. Diesmal Freikirche! Es geht zwar nicht um die Art der Verführung, wie wir sie erst aktuell aus den verschwiegenen, verschlossenen Mauern der katholischen Klöster vernommen haben, aber nicht minder subtil und missbräuchlich. Es geht um die TXL Business Academy, die es seit über einem Jahr (trotz angeblich sehr lukrativer Geschäfte) nicht schafft, eine Homepage aufzubauen… Hier wurde im Namen einer “guten Sache” (sog. im Namen Gottes!) ein Finanzkonzept von den Kanzeln vieler Freikirchen und mittels Pastoren und Gemeindeältester verkauft. Aus Primärquellen weiß ich zufällig, dass das stimmt, was ein deutscher Finanz-Nachrichtendienst neulich publiziert hat:

Sein Geschäftsmodell erklärt er (Paul Traxel, eingefügt von context21) seinen Jüngern so: Von dem Gewinn würden 51 Prozent an die TXL-Stiftung gehen, für gemeinnützige, gottesfürchtige Projekte, wie den Bau von Gemeindehäusern in Russland. Im Kreis der Gemeindemitglieder verspricht er, ein neues Ausbildungszentrum errichten zu wollen. Weiterhin 100 Seniorenresidenzen, finanziert von Senioren, die ihm jeweils 35.000 Euro leihen und nach drei Jahren ein Appartement in einer Residenz bekämen, für 500 Euro im Monat, Beerdigungskosten inklusive, so Traxel. Das Interesse sei groß, sagt er und lächelt. Seine TXL habe 13 Devisenhändler. Natürlich bestehe das Risiko des Totalverlusts, warnt Traxel und will diese Gefahr innerhalb eines Jahres mit Rücklagen vollständig absichern.

Hört sich ja alles gut und nobel an, oder? Aber es geht hier nicht um das o.g. Unternehmen allein, sondern um die Art und Weise, wie an das Geld unkundiger und gutgläubiger Christen herangekommen wird. Und das tragische ist, dass Pastoren und Gemeindeälteste nicht nur selber in diese hoch riskante Anlageform investiert haben, sondern auch ihre “Schäfchen” dazu geworben haben, es ihnen gleich zu tun. Eine Schlagzeile aus den Medien macht das ganze Ausmaß der Verführung deutlich:

Traxel macht die Pastoren zu angestellten Börsen-Profis und die Kirchenmitglieder zu freien Händlern mit Gewinnauszahlung statt Gehalt

Warum grenzt das an Missbrauch? Auch hier kann man das nicht besser ausdrücken, als in dem bereits zitierten Onlinemagazin:

Die einfachen Freikirchenmitglieder (Azubis, Arbeiter, Rentner) vertrauen den Gemeindechefs blind.

Ich habe bereits einige Erfahrung mit Christen und Gemeinden, in denen die Beziehungen durch “ertragreiche Finanzkonzepte”, “verlockende Tradingangebote”, “begeisternde Schneeballsysteme” und derartiges mehr  kommerzialisiert wurden und keine von ihnen hatte einen positiven Ausgang. Ich habe grundsätzlich nichts dagegen, wenn jemand für sich selber die Entscheidung trifft (das nötige “Spielgeld” besitzt) und an solchen Angeboten herum experimentiert. Aber die Philosophie solcher Dienstleistungen setzt naturgemäß auf das Akquirieren des gesamten sozialen Netzwerkes seiner Kunden. Christliche Gemeinschaften, meist geschlossene soziale (Sub)Kulturen, sind für solche Trader das, was für einen Hai ein reichhaltiges Fischbecken ist. Gefährlich wird es allerdings, um im Bilde zu bleiben, wenn Pastoren zu Haien und Kanzeln zu Kommerz-Portalen mutieren. Und genau das ist hier wieder einmal passiert… Das Ergebnis: zerbrochene Beziehungen, missbrauchtes Vertrauen, kaputte Gemeinden (in diesem Fall noch zwei Missionswerke: ICW und BSB), betrogene Gläubige (auch die Unterhaie, die dem Oberhai vertrauten!), … ein schier irreparabler Schaden für das Reich Gottes.

Ironie kennt keine Grenzen…, und so heißt der ermittelnde Staatsanwalt in der Sache TXL Business Academy Apostel (siehe Bericht von WDR Lokalzeit) und man kann ihm nur vollen Erfolg wünschen!


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