Ich lese derzeit ein sehr spannendes und wichtiges Buch von Scot McKnight „The King Jesus Gospel“, das sich mit der Frage beschäftigt: Was ist das Evangelium (das Jesus und die Apostel gepredigt haben)? Ich will in den nächsten Tagen etwas über die Inhalte und Diskussionen aus diesem Buch posten, weil ich diese Frage für eine der wichtigsten Fragen halte, die sich jeder Lehrer, Verkündiger, Pastor heute stellen sollte.

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Gospel Culture or Salvation Culture?

Zunächst, um alle unnötigen Missverständnisse und Diskussionen abzuwehren, stellt Scot fest, dass es beim Evangelium um Errettung geht. Er sagt: “Der persönliche Glaube (bei Jesus und den Aposteln – Anmerkung von jaasch) ist beides: notwendig und unverhandelbar.” Babytaufe und die anschließende Katechese führen nicht dazu, dass Menschen wirklich “evangelisiert” werden, sondern lediglich dazu (und hier benutzt Scot eine Wortkreation des orthodoxen Theologen Brad Nassif), dass sie “sakramentalisiert” werden und das ist kein persönlicher Glaube, von dem die Bibel spricht.

Die Evangelikalen sind weltweit vor allem für zwei Begriffe bekannt: Evangelium und (persönliche) Errettung. Hinter dem Wort Evangelium steht das gr. euangelion und hinter dem Wort Errettung das gr. Wort soteria. Das große Dilemma der Evangelikalen ist es nun, dass sie im Grunde genommen folgende Gleichung aufgestellt haben: euangelion = soteria – und das ist biblisch und theologisch nicht haltbar. Das Evangelium und die Rettung sind zwei völlig unterschiedliche Konzepte auch wenn das erste das zweite mit einschließt. Daher herrscht seit Jahrzehnten bei allen Evangelikalen zwar eine “Kultur der Errettung”, aber keine “Kultur des Evangeliums”! Was ist der gravierende Unterschied beider Kulturen?

1. Kultur der Rettung

Das evangelikale Bemühen um den persönlichen Glauben hat diese Kultur hervorgebracht. Sie will vor allem die wichtige persönliche Frage beantworten: “Bist Du DRINNEN oder DRAUSSEN?” Diese “Kultur der Rettung” zielt hauptsächlich auf Mitgliedschaft einer Kirche (hier speziell auch die liturgischen Traditionen) und die persönliche Entscheidung (hier speziell in evangelikaler Tradition). In einigen liturgischen Traditionen wird sich (nachdem alle durch die Babytaufe im sicheren Schoß der Mutterkirche sind) bemüht, die Mitglieder zur Entscheidung zu führen. Das größte Bemühen der evangelikalen (westlichen) Welt ist es allerdings heute, die Entschiedenen zu Mitliedern zu machen und sie auch als solche zu behalten.

2. Kultur des Evangeliums

Auch in der Kultur des Evangeliums geht es um Mitgliedschaft und Entscheidung, aber sie sind nicht das Entscheidende! Diese Kultur will authentische Jünger hervorbringen. Die katholische und protestantische Tradition hat den Prozess der Mitgliedschaft durch die Babytaufe “automatisiert” – mit desaströsen Folgen für einen lebendigen Glauben und eine vitale Kirche. Der Evangelikalismus hat dann sehr stark und zu Recht die “persönliche Entscheidung” in die Waagschale geworfen. Aber beide Traditionen, die liturgische und die evangelikale, haben immer wieder damit zu kämpfen und werden es weiterhin tun – Menschen zu Jüngern zu machen!

Gründe

Warum ist es so? Wie Scot schon vorher sagte, ist es ein Problem des Systems: wir verkündigen das falsche Evangelium und dieses Evangelium kann nur das tun, was es tut: Entschiedene und Mitglieder hervorbringen. Mit anderen Worten:

A salvation culture does not require The Members or The Decided to become The Descipled for salvation. Why not? Because its gospel is shaped etirely with the “in and out” issue of salvation. Because it´s about making a decision.

ÜS: In der Kultur der Rettung ist es nicht erforderlich, dass Mitglieder oder Entschiedene zu Jüngern heranwachsen, die andere retten. Warum nicht? Weil dieses Evangelium hauptsächlich davon geprägt ist, zu bestimmen, “wer In und wer Out” ist. Weil es sich alles nur darum dreht, eine Entscheidung zu treffen.

Kannst Du dieser Analyse von Scot folgen oder sie bestätigen, verneinen?