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Was mich die letzten Tage nachdenklich macht, ist die Tatsache der totalen moralischen Orientierungslosigkeit in unserem Land. Und das betrifft die Regierenden, Journalisten, Medien und Kirchen.

Da ist gerade Christian Wulff als Bundespräsident aus “moralischen Gründen” aus seinem Amt gemobbt worden, obwohl man ihm “juristisch” bis jetzt keine Schuld nachweisen konnte. Die “moralische Entrüstung” vieler Journalisten, Politiker und auch der breiten Öffentlichkeit ist jedem von uns noch gegenwärtig… Die Kirchen allerdings stellten und stellen sich zu Wulff.

Nun haben wir einen neuen Präsidentschaftskandidaten – mit großer Harmonie und Mehrheit vorgeschlagen… Wahrscheinlich eine gute Wahl! Joachim Gauck lebt allerdings seit über 20 Jahren von seiner Ehefrau getrennt und gleichzeitig in einer “wilden Ehe” – bald bekleidet er das höchste Amt unseres Landes. Ein Amt, das auch eine “moralische Integrität und Instanz” darstellt – so haben es zumindest bis jetzt die Medien im Fall von Wulff geschrieen… Und heute werden diejenigen “kurz und kleingeschrieen”, die, wie Norbert Geis, darauf sanft hinweisen, dass Gauck (in Bezug auf seine Ehe/wilde Ehe) doch bitte “seine persönlichen Verhältnisse so schnell als möglich ordnen…” möge.

In der Bild konnte man gestern von empörten Politikern und Kirchenvertretern etwa folgendes lesen:

“Unterdessen reagierten Politiker aller Parteien mit scharfer Kritik auf den Vorstoß von Geis.

SPD-Innenexperte Dieter Wiefelspütz: „Ich kann meinem Freund Norbert Geis nur zurufen: Halt den Mund.“ Der Grünen-Politiker Volker Beck: „Wie Herr Gauck sein Privatleben lebt, geht niemanden etwas an.“

Sogar Außenminister Guido Westerwelle schaltete sich in die Diskussion ein.

Westerwelle zur „Rheinischen Post“: „Die Kritik an den persönlichen Lebensverhältnissen des nominierten Bundespräsidenten ist stillos.“ Auch Kirchenvertreter verteidigten den Präsidentschaftskandidaten.

„Das ist Gaucks Privatangelegenheit. Da haben wir uns nicht einzumischen“, sagt die Berliner Generalsuperintendentin der evangelischen Kirche, Ulrike Trautwein.”

Ich frage mich nun: an welcher “moralischen Instanz” orientiert man sich nun?
Was ist besser oder schlimmer: ein Präsident, der lügt, oder ein Präsident der die Ehe bricht?
Ist es verwerflicher von Freunden “privat einen Kredit” zu leihen und weniger verwerflich “privat die Ehe zu brechen”?