Das „westliche“ Evangelium

Seit geraumer Zeit beschäftige ich mich mit der Thematik: Kultur und Evangelium. Nicht nur deswegen, weil die Emerging Church Bewegung diese Fragen wieder massiv und neu aufwirft, sondern auch aus einer selbstkritischen Hinterfragung eigener Sichtweisen des Evangeliums. Da ich ursprünglich aus einem sehr konservativen Gemeindehintergrund komme und dazu noch eine stark Dispensationalismus-Lastige theologische Ausbildung hinter mir habe, muss ich nun entdecken, wieviele „Brillen“ ich ablegen muss, um die Bibel richtig zu verstehen. Aber nicht nur Kirchen und theologische Seminare setzen uns „Brillen“ auf, durch die wir die Welt um uns herum sehen und interpretieren (somit auch die Bibel), sondern auch unsere Familien, Schulen und Kulturen. Daher ist eine der wichtigsten Einsichten vor jedweder Interpretation (sei es Bibelexegese oder Kulturexegese): Ich habe eine Brille auf! Oder wie die sog. philosophische Formel der Inkompetenz-Kompetenz von Sokrates lautet: Ich weiß, dass ich nichts weiß!

Aber weg von der Philosophie. Ich lese derzeit sehr gerne alle Schriften von Lesslie Newbigin, einem britischen Missionstheologen. In einer seiner unveröffentlichten Schriften erzählt er, wie er als junger (Theologieabsolvent und) Missionar nach Indien kam. Bei einer Gelegenheit hat er vor indischen Laienpastoren das Markusevangelium ausgelegt. Hören wir mal auf den Originalton:

My Tamil wasn’t very good, but I was fairly confident about my theology, fresh as I was from theological college. All went well till we reached the first exorcism. Now Westminster College had not taught me as much about how to cast out demons. My exposition was not very impressive. These village teachers looked at me with growing perplexity, and then one of them said: ‘Why are you making such heavy weather of a perfectly simple matter?’ and then proceeded to rattle off half a dozen cases of exorcism in his own congregation during the past few months. Of course I could have said: ‘My dear brother, if you will kindly let me arrange for you to come to Cambridge and take a proper training in modern science and then a post-graduate qualification in psychology, you will be able to understand that Freud and Jung and Co have explained everything’. In other words, ‘If you will permit me to induct you into my culture, you will see things as they really are’. But this was a bible study, and Mark’s Gospel was sitting there, saying what it does. Inwardly I had to admit that he was much nearer to Mark than I was. Outwardly I kept quiet and went on to the next passage.

Seine ehrliche Schlussfolgerung dazu ist:

It was only slowly that I began to see that my own Christianity had this syncretistic character, that I too had – in a measure – co-opted Jesus into the worldview of my culture.

Ein guter Anfang, wie ich finde…

Den ganzen Artikel von L. Newbigin gibt es hier zum download: england-as-a-foreign-mission-field_86eafm.pdf

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