Has(s)t Du auch Feinde?

Ich schon! Sie bereiten mir zuweilen viel Mühe und oft schlaflose Nächte. Ich bin selber sehr hin und her gerissen in Bezug auf meine Feinde.

Manchmal bin ich sarkastisch:

Mittelmäßige Geister verurteilen gewöhnlich alles, was über ihren Horizont geht. (Francois Duc de La Rochefoucauld, frz. Schriftst., 1613-1680)

Manchmal bin ich stolz, welche zu haben, denn:

Die Anzahl unserer Neider bestätigen unsere Fähigkeiten. (Oskar Wilde, engl. Schriftsteller, 1854-1900)

Manchmal bin ich selbstkritisch:

Wer sich über Kritik ärgert, gibt zu, dass sie verdient war. (Tacitus, röm. Schriftsteller, 55-? n.Chr.)

Manchmal bin ich humorvoll:

Ein Kritiker ist eine Henne, die gackert, wenn andere legen. (Giovanni Guareschi, ital. Schriftsteller, 1908-1968)

Und manchmal auch aggressiv, depressiv, verbittert, hasserfüllt:

Kritiker sind blutrünstige Leute, die es nicht bis zum Henker geschafft haben. (George Bernard Shaw, irischer Dramatiker, 1856-1950)

Heute habe ich einen Vortrag von Brian McLaren über „Umgang mit Feinden“ gehört, der mich sehr tief getroffen und bewegt hat. Ich muss hier wohl noch viel dazulernen. Das Gebet von Bischof Nikolai Velimirovic (Serbischer Bischof), der gegen den Nationalsozialismus predigte und deswegen ins Konzentrationslager nach Dachau kam, hat mich sehr getroffen:

Segne meine Feinde, oh Herr. Denn auch ich segne und verfluche sie nicht. Feinde haben mich mehr als meine Freunde in Deine Arme getrieben. Freunde haben mich an diese Welt gefesselt; Feinde befreiten mich von dieser Welt und zerstörten alle meine Sehnsüchte in dieser Welt. Feinde haben mich zu einem Fremden im Diesseits und zu einem Fremdkörper in der Welt gemacht. Genauso, wie ein gejagtes Tier ein viel sichereres Versteck findet als ein ungejagtes Tier, ebenso habe ich, verfolgt von meinen Feinden, das sicherste Heiligtum gefunden, als ich mich in Deinem Zelt versteckte, wo weder Freunde noch Feinde meine Seele töten können. Segne meine Feinde, oh Herr. Denn auch ich segne und verfluche sie nicht. Sie haben, noch bevor ich es selber tat, alle meine Sünden vor der ganzen Welt bekannt. Sie bestraften mich dort, wo ich zögerte, mich selbst zu bestrafen. Sie folterten mich dort, wo ich versucht habe, jeder Folter zu entkommen. Sie beschimpften mich dort, wo ich mir selber schmeichelte. Sie bespuckten mich dort, wo immer ich voller Stolz war. Segne meine Feinde, oh Herr. Denn auch ich segne und verfluche sie nicht. Wo auch immer ich mich für weise ausgab, nannten sie mich töricht. Wo auch immer ich mich mächtig machte, höhnten sie über mich als wäre ich eine lästige Fliege. Wo auch immer ich Menschen führen wollte, schubsten sie mich in den Hintergrund. Wo auch immer ich mich beeilte, mich selbst darzustellen, verhinderten sie es mit eiserner Hand. Wo auch immer ich dachte friedlich zu schlafen, weckten sie mich aus dem Schlaf. Wo auch immer ich mir eine Heimat für ein langes und ruhiges Leben einrichten wollte, zerstörten sie alles und trieben mich hinaus. Es ist wirklich wahr – Feinde haben mich von dieser Welt abgeschnitten und haben mich meine Hände zum Saum Deines Gewandes erheben lassen. Segne meine Feinde, oh Herr. Denn auch ich segne und verfluche sie nicht. Segne und vermehre sie; vermehre sie und mache sie noch verbitterter gegen mich: So, dass es für meine Gefühle kein Zurück mehr gibt; So. dass alle meine Hoffnung in Menschen wie Spinngewebe zerrissen wird; So, dass absolute Gelassenheit meine Seele zu regieren beginnt; So, dass mein Herz zu einem Grab meiner bösartigen Zwillinge wird: Stolz und Zorn; So, dass ich alle meine Schätze im Himmel anhäufen kann; So, dass ich befreit werde von der Selbsttäuschung, die mich in das grässliche Gespinst einer Lebensillusion verstrickt hat. Feinde haben mich gelehrt, was kaum jemand weiß: dass ein Mensch eigentlich keine Feinde hat, außer sich selbst. Jemand hasst seine Feinde nur, wenn es ihm nicht bewusst wird, dass sie eigentlich keine Feinde, sondern nur grausame Freunde sind. Es ist für mich wirklich schwer zu sagen, wer mir in meinem Leben wirklich am meisten Gutes oder Böses erwiesen hat: Freunde oder Feinde. Daher, segne oh Herr, sowohl meine Freunde als auch meine Feinde. Ein Sklave verflucht die Feinde, weil er es nicht anders versteht. Aber ein Sohn segnet sie, denn er versteht alles. Denn ein Sohn weiß, dass seine Feinde sein Leben nicht anrühren können. Daher geht er freiwillig in ihre Mitte und betet Gott für sie an. Segne meine Feinde, oh Herr. Denn auch ich segne und verfluche sie nicht.

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2 Antworten zu “Has(s)t Du auch Feinde?

  1. Pingback: ELIA - quer gedacht » Blog Archiv » Frieden (4): Liebt Eure Feinde·

  2. Ich würde mir auch gerne den Vortrag anhören.
    Kann auch dazu das Buch von Jean Edwards „Die Stoffe aus denen die Könige gemacht sind“ empfehlen.
    Hast du die Biographie von dem Bischof?
    Dieses Gebet soll auch mein Gebet sein, dass ich aus der Tiefe meines inneren bete! Es ist so einfach anstatt sein Kreuz zu tragen nur im Rechten sein zu wollen.
    Dort wo ich meine etwas verstanden zu haben stehe ich oft in der Herausforderung den anderen, die es angeblich nicht verstanden haben die Füsse zu waschen und genau hier wird mir bewusst das es mir nur um Rechthaberei geht aber nicht um die Erfahrung des Kreuzes, die mich in die Fürbitte hineinführt. Dank sei Gott das er unsere Herzen durchforscht und offenbar macht. Durch Selbstanalyse würde ich mir meiner eigenen Natur nicht bewusst sein.
    Dein Beitrag hat mich stark ermtigt. Christus zu leben heißt auch seine Feinde zu Segen.

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