Postmoderner Grönemeyer.

Wer sich mit postmoderner Kultur beschäftigt, wird um Herbert Grönemeyers neuen Hit „Stück vom Himmel“ nicht mehr herumkommen. Es lohnt sich mal, in den Text und in den Spirit des Songs tiefer hineinzuhören. Ich höre da die Seele und das Herz eines postmodernen Menschen schwingen, der auf der Suche nach der Wahrheit ist, der eine sehr treffende Christentums-Kritik hat, der hier ein zu Hause sucht, der empfänglich ist für „Nöte, Legenden, Schicksale, Leben und Tod, glückliche Enden, Lust und Trost“.

Aber hört selbst!

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5 Antworten zu “Postmoderner Grönemeyer.

  1. Ich bin ganz und gar mit dir.

    Die Antwort suche ich auch. Muss aber etwas mit Jesus und der praktischen Liebe gegen jedermann (in und außerhalb der Gemeinde) zu tun haben. Was meinst du?

  2. Nein, Robert, ich rede nicht immer in diesen Begriffen, die aus der Missiologie kommen. Ich finde es aber wichtig, dass jeder, der heute in D Gemeinden baut, sich vergegenwärtigt, dass wir ein klasisches Missionsland geworden sind (wie ehemals der afrikanische oder asiatische (Sub)Kontinent) und dass wir uns auf die klassischen Missiologischen Prinzipien und Instrumentarien besinnen müssen, wenn wir einigermaßen erfolgreich in unserem kulturellen Kontext arbeiten wollen.
    Es freut mich sehr, dass Du ein Ohr & Herz für diese Thematik hast.
    Nun zu Grönemeyer: Seine Spiritualität ist gewiß nicht mit der biblischen Deckungsgleich, aber er wirft die hier und da die richtigen Fragen auf. Er spiegelt exakt die Sehnsucht des post-postmodernen Menschen wieder (denn da sind wir gesellschaftlich mit der Generation Y und der iGeneration angekommen, während die meisten Gemeinden immer noch in der Moderne verharren (oder gar stolz sind, da gerade angekommen zu sein!) Und ein weiterer Aspekt ist hier wichtig: Es ist der Abschied vom Christentum (oder eines Mythos vom “Christlichen Abendland”) und ein Willkommensgruß in ein globales Dorf (was die Welt durch das Internet und andere Medien geworden ist) mit einer multiplen Spiritualität, deren wichtigstes Ethos es ist, keinen Absolutheitsanspruch zu besitzen. Oder in den Worten von Gröne: “Wer nichts beweist, der beweist schon verdammt viel”
    Haben wir dem heute eine andere, kraftvollere, hoffnungsvollere und vor allem authentische Spiritualität entgegenzusetzen? Wie stehen wir “in touch” mit unserer Kultur? Sind wir als Gemeinde eine Zuflucht vor der Welt oder eine Zuflucht für die Welt? Besitzen wir so viel Masse (um im Bilde des kosmologischen “Schwarzen Lochs” zu reden), dass wir wie ein Magnet andere Objekte, deren Masse nicht so dicht ist, anziehen? Oder ist das “Süppchen, das wir in unseren frommen Kreisen schlürfen”, genau so dünn und wenig nahrhaft, wie die gepunchten Mittelchen unserer Umwelt?
    Ich weiß, dass diese Fragen in unseren frommen Kreisen nicht gerne gehört werden, weil sie uns hinterfragen und daher unbequem sind. In einer Welt, die sich rasant ändert, wollen wir wenigstens in unseren Kirchen eine unwandelbare Konstante erleben. Aber ich bin mehr als überzeugt, dass der lang beschworene “harte Boden” nicht in erster Linie charakteristisch für die Gesellschaft, sondern viel mehr für die Kirche (und damit meine nicht nur die traditionellen Landeskirchen) ist.
    OK, wo liegt die Antwort?

  3. Amen. Das beschäftigt mich zur Zeit auch. Und ich denke wir werden neue Wege gehen und unsere Schwerpunkte verschieben müssen. Ich gebe Dir recht, dass man in diesem Lied sehr viel über die Sehnsüchte und das Denken des postmodernen Menschen lernen kann. Diese Gedanken finden ja auch in meinem Herzen Resonanz und Zustimmung.
    Trotzdem habe ich bei Grönemeier ein ungutes Gefühl was seine Antwort auf die Herausforderungen unserer Zeit ist. Es kommt mir ein bischen wie eine rosarote Brille vor. „Die Erde ist freundlich, warum wir eigentlich nicht?“ Als ob es damit getan wäre. Und ob die Erde wirklich freundlich ist, da kann man auch geteilter Meinung sein.

    Sprichst du eigentlich immer in solchen Fachbegriffen „kulturelle Kontextualisierung“ oder „Inkarnation der Ekklesiologie“ 😉

    Es freut mich mit dir zusammen das Reich Gottes zu bauen.

  4. OK, Du stellst schon die nächste Frage! Ich will aber ein Schritt zurück gehen. Die Fragen, mit denen ich mich derzeit auseinandersetze sind: In welcher Zeit leben wir eigentlich? Wohin entwickelt sich unsere Gesellschaft? Was kennzeichnet derzeit unsere Kultur? Wo gibt es Brücken für das Evangelium, usw.? Es geht mir um kulturelle Kontextualisierung des Evangeliums und um einen neuen Ansatz der Inkarnation der Ekklesiologie. Es ist quasi das, was Paulus immer wieder gemacht hat, als er den Griechen ein Grieche, den Juden ein Jude und den Athenern ein Athener wurde (s. Apg. 17).
    Sind wir als Kirche heute noch relevant? Geben wir Antworten auf die Fragen, die die Menschen um uns herum haben, oder geben wir immer noch Antworten auf Fragen, die so gar nicht gestellt werden? Und mit gesellschaftlicher Relevanz meine ich nicht, ob wir heute noch „attraktiv“ genug sind, sondern ob wir „inkarnativ“ (Inkarnation ist eigentlich ein christologischer Begriff = incarnatio, lat. bedeutet Fleischwerdung Gottes in Jesus, s. Joh. 1, 14 Vulgata: „et Verbum caro factum est et habitavit“) genug sind.

  5. Der Song bringt wirkliches vieles unserer Zeit auf den Punkt.

    Bleibt die Frage wer Grönemeyer erklärt, dass es doch nur einen Gott gibt und dass es doch enorme Unterschiede zwischen den Gedanken der einzelnen Göttern gibt („… kein Gott hat klüger gedacht…“).

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