Trinitarische Theologie und Praxis? I

Ich bin schon seit längerem einer Hypothese auf der Spur, die lautet: Wir Christen haben zwar ein formal-theologisches trinitarisches Glaubensbekenntnis, aber uns fehlt die adäquate trinitarische Praxis. Was bedeutet das?

  1. Wir bekennen in unseren Gebeten und/oder (je nach kirchlicher Tradition)  Glaubensbekenntnissen: „Ich glauben an den dreieinigen (das ist der theol. Begriff der Trinität) Gott: Gott, der Vater, Sohn und Heiliger Geist.“ Bei uns Baptisten kommt die „Trinitätsformel“ meistens nur noch in Gebeten vor, wenn wir etwas ganz stark „im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes“ erbitten oder segnen wollen.
  2. Wir sind im allgemeinen von der Richtigkeit und Wichtigkeit der Trinitätslehre überzeugt (wenn wir sie auch nicht ganz verstehen 😉 )
  3. In der Praxis allerdings haben wir es dann oft mit einer (ich möchte hier mal eine Begriffsneuschöpfung versuchen) „reduzierten trinitarischen Singularität“ zu tun. D. h.  wir: „leben mit Jesus, folgen Jesus nach, beten zu Jesus, nehmen Jesu Opfer für uns in Anspruch, usw.“. Alles zentrale Dinge und Ereignisse im Heilsplan Gottes – ohne Frage!
  4. Doch die alltägliche Beziehung zum Vater und zum Heiligen Geist, werden z. T. ausgeblendet, oder schön den „anderen Denominationen“ überlassen.
  5. Ich höre sehr oft selbst „reife Christen“ sagen: Ja, mit Jesus kann ich was anfangen, aber mit dem Gott des Alten Testaments (dem Krieger, YACHWE, Adonai, dem Vater, usw…) kann ich nicht so viel anfangen… Da sind nicht selten viel Vorbehalte, Unsicherheiten und Ablehnungen (nehmen wir allein die sog. Rachepsalmen im AT).
  6. Ein ähnliches Bild (und z. T. noch krasser in der Unsicherheit und Ablehnung)  ergibt sich im Umgang mit dem Heiligen Geist…

OK, einige Frage an Dich:

  1. Kennst Du das Phänomen der fehlenden „trinitarischen Erfahrung und Praxis“?
  2. Was können die Hintergründe, Ursachen und Folgen dieser „praktischen Singularität“ in unserem Glauben sein?
  3. Welchen Raum hat der „Dreieinige Gott“ tatsächlich in Deinem Alltag?
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3 Antworten zu “Trinitarische Theologie und Praxis? I

  1. 1. Das Phänomen ist offensichtlich und gut beschrieben. Christian A. Schwarz adressiert es in seinen neuen Gabentest auf wie ich finde etwas schematische, aber treffende Weise. Drei Farben symbolisieren drei Schwerpunkte bzw. Schlagseiten – Ziel: mehr Ausgewogenheit, aber nicht im Sinne von langweiligem Einheitsbrei.
    2. Das Menschsein. Schlicht und einfach. Prägung. Kultur. Denkwelt. Folgen? Trennungen und Kämpfe zwischen verschiedenen Schwerpunkte, die es natürlich alle drauf haben und die einzig Wahren sind…;-)
    3. Puh. Jesus ist mir sehr nah! Ihn habe ich immer vor Augen. Bin ja auch Evangelikal. Gott Vater ist in meinem Gottesbild immer noch etwas krumm – hier ringe ich damit, Gott durch Jesus hindurch wahrzunehmen und – ja, auch manches AT-Gottesbild nicht mehr an erste Stelle zu setzen. Heiliger Geist – wird intensiver. Ich möchte mit ihm rechnen und bitte um seine Fülle. Dennoch wird wohl Jesus immer mein Hauptanlaufpunkt sein und das ist im Augenblick wowi-mäßig gut so…

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