Trinitarische Theologie und Praxis? II

Bekenntnisse der Kirche.

Unter „trinitarischer Theologie und Praxis“ verstehe ich in erster Linie einen ganzheitlichen Glauben und kein System, das alles zu „harmonisieren“ und zu „klären“ versucht, was für uns „neutestamentliche Christen“ fremdartig am Wesen Gottes erscheint. Selbst der Begriff der „Trinität“ ist ein ausserbiblischer und entstammt aus dem theologischen Ringen der ersten Christen, „einen einzigen dreifaltigen Gott“, dieses unendliche und unbegreifbare Wesen, in endliche und begreifbare Formulierungen zu stecken. Der Versuch wird nie ganz gelingen, das muss uns bewusst werden. Eine endliche Sprache kann nie zutreffend eine unendliche Wirklichkeit beschreiben, genauso wie ein zweidimensionales Wesen nie vollständig und zutreffend einen Apfel beschreiben und malen kann. Obwohl das Wort Trinität selbst in der Bibel so nicht auftaucht, handelt es sich doch um ein biblisches Verständnis, welches damit zum Ausdruck gebracht werden soll. Die meisten kennen die sog. „trinitarischen Formeln“ aus dem NT, z. B. im Missionsbefehl (Mtth, 28,18-20): „… und tauft sie im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes„. So entstanden schon früh Glaubensbekenntnisse, die diesem dreieinigen Gott Rechnung trugen.


Als eines des frühesten Bekenntnisse gilt das Altrömische Glaubensbekenntnis (Romanum, ca. 125 n. Chr.)

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen;

und an Jesus Christus, seinen einziggeborenen Sohn, unseren Herrn,
der geboren ist aus dem Heiligen Geist und der Jungfrau Maria,
der unter Pontius Pilatus gekreuzigt und begraben wurde,
am dritten Tag auferstand von den Toten,
auffuhr in den Himmel, sitzt zur Rechten des Vaters,
von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten,

und an den Heiligen Geist,
die heilige Gemeinde,
die Vergebung der Sünden,
Auferstehung des Fleisches.

Danach entstand das bekannte Apostolische Glaubensbekenntnis.

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde,

und an Jesus Christus,
seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel;
er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen,
zu richten die Lebenden und die Toten.

Ich glaube an den Heiligen Geist,
die heilige christliche, katholische Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung des Fleisches
und das ewige Leben. Amen.

Beim ersten Konzil von Nicäa (325 n. Chr.) ging es um den sog. „arianische Streit“ zwischen Arianern und Trinitariern, wobei sich die letzteren durchgesetzt hatten. Hier entstand das Nicäische Glaubensbekenntnis, das auf allen folgenden Konzilen so bestätigt wurde.

Wir glauben an einen Gott, den Vater, den Allmächtigen,
den Schöpfer alles Sichtbaren und Unsichtbaren.

Und an den einen Herrn Jesus Christus, den Sohn Gottes,
der als Einziggeborener aus dem Vater gezeugt ist, das heißt: aus dem Wesen des Vaters (homoousios tou patri),
Gott aus Gott, Licht aus Licht, wahrer Gott aus wahrem Gott,
gezeugt, nicht geschaffen,
eines Wesens mit dem Vater;
durch den alles geworden ist, was im Himmel und was auf Erden ist;
der für uns Menschen und wegen unseres Heils herabgestiegen und Fleisch geworden ist,
Mensch geworden ist,
gelitten hat und am dritten Tage auferstanden ist,
aufgestiegen ist zum Himmel,
kommen wird um die Lebenden und die Toten zu richten;

Und an den Heiligen Geist.

Diejenigen aber, die da sagen „es gab eine Zeit, da er nicht war“ und „er war nicht, bevor er gezeugt wurde“, und er sei aus dem Nichtseienden geworden, oder die sagen, der Sohn Gottes stamme aus einer anderen Hypostase oder Wesenheit, oder er sei geschaffen oder wandelbar oder veränderbar, die verdammt die katholische Kirche. [richtig: die belegt die katholische Kirche mit dem Anathema]

Besonders der letzte Abschnitt des Bekenntnisses richtet sich in seiner ganzen Schärfe gegen die Arianer.

Die christliche Gemeinde aller Zeiten sah die Trinität als wesentlichen und zentralen Bestandteil des Glaubens und war bereit bis aufs Äußerste dafür zu kämpfen.

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