Was ist eine missionale Gemeinde? III

Heute bringe ich ein längeres Zitat aus einem sehr lesenswerten Buch von Jack Deere: Überrascht von der Kraft des Heiligen Geistes. Die Überschrift des Abschnitts ist: „Gebetstreffen können gefährlich sein.“ Zunächst hat dieses Buch nichts mit missionaler Gemeinde zu tun, oder vielleicht doch? Hat der Heilige Geist vielleicht doch was mit unserer Sendung zu tun? Der Kontext des Abschnitts ist der, dass sie die Gemeinde, in der Jack, mit zwei anderen Vollamtlichen, zu der Zeit als Pastor arbeitete, einige Probleme hatte. Es gab Streit, die Vision war nicht klar, genauso wenig wie die Mission – kommt Dir das soweit bekannt vor? Die Pastoren und die Ältesten gehen darauf hin in die Klausur, um über die Zukunft der Gemeinde zu beten und zu reden. Wenn wir wirklich anfangen zu beten und auf den Heiligen Geist zu hören, wird es spannend. Die meisten Pastoren gehen in Klausur mit bereits „protokollierten Antworten“ – nicht so hier…

Nachdem wir eine Weile diskutiert hatten, beschlossen wir, dass wir drei Pastoren für einen Tag in Klausur gehen würden, um zu beten. Die Ältesten sollten später dazukommen, damit wir an dem darauf folgenden Tag gemeinsam beten konnten. Es sollte ein Gebetstreffen werden, an das ich mich für den Rest meines Lebens erinnern werde.

Am ersten Morgen saßen wir unter einem Baum an einem Bach, der durch eine wunderschöne Ranch floss. Nachdem wir etwa eine Stunde lang gebetet hatten, bat einer der Pastoren: »Oh, Gott, lass diesen Konflikt nicht solche Ausmaße annehmen, dass unsere Kirche von der Bildfläche verschwindet.« Als er dieses Gebet sprach, ließ sich eine Stimme in meinem Kopf hören, die sagte: »Was wäre schon so schlimm daran?«
Wie konnte man eine so schreckliche Frage stellen? Ich wusste, dass die Frage von Gott stammt und ärgerte mich. Ich hielt sie für unhöflich. Dann fiel mir ein, dass ein Allwissender nicht Fragen stellt, um Informationen einzuholen. Als Gott im Garten zu Adam sagte: »Wo bist du?« hat er nicht nach dem Weg zu ihm gefragt. Diese Frage war für mich bestimmt. Was wäre daran so schlimm, wenn unsere Kirche von der Bildfläche verschwände? Ich konnte kaum erwarten. dass die anderen beiden Pastoren ihr Gebet beendeten, damit ich sie fragen konnte.

Ich fragte: »Was wäre so schlimm daran, wenn unsere Kirche von der Bildfläche verschwindet?« Sie starrten mich an. Wie konnte ich nur so kurzsichtig und so herzlos sein?
»Na, es würde für viele Leute schmerzlich sein«, antwortete einer der Pastoren. »Davon bin ich überzeugt«. erwiderte ich. »Aber schließlich würden sie eine andere Kirche finden, zu der sie gehen können und ihr Schmerz würde sich legen. Was ich wirklich wissen will ist, was würde dem Reich Gottes in unserer Stadt verloren gehen, wenn unsere Kirche nicht mehr existiert?«
Wir dachten darüber nach. Was war im Reich Gottes wichtig? Was ereignete sich im Neuen Testament, als das Reich Gottes kam?

Wir waren uns darüber einig. dass die Evangelisation ein wichtiger Aspekt der Arbeit im Reich Gottes war. Damals besuchten an den Sonntagen vier- bis fünfhundert Menschen unsere Kirche. Wir fragten uns, wie viele davon durch den Dienst unserer Kirche in den letzten achtzehn Monaten zu Christus gefunden hatten. Uns fielen nur vier Namen ein, und keiner davon war durch eine der führenden Personen zu Christus gebracht worden. Es war fast, als waren sie durch Zufall in das Reich Gottes und in unsere Kirche geraten. Wir kamen zu dem Schluss, dass es keinen großen Verlust für die Evangelisation unserer Stadt bedeuten würde, wenn unsere Kirche nicht mehr existierte.

Dann fragten wir uns, wie viele Menschen in den letzten achtzehn Monaten durch den Dienst unserer Kirche körperlich geheilt worden waren. Schließlich war das Heilen im Neuen Testament wichtig und ganz sicher war es ein Zeichen des kommenden Reiches. Der Herr befahl den Ältesten der Gemeinde für die Kranken zu beten, damit er sie heilen kann (vgl. Jak 5,14-16). Wir hatten zwar begonnen, für die Kranken zu beten, aber zu diesem Zeitpunkt konnten wir nicht viele Leute aufzahlen, die durch unsere Gebete geheilt worden waren. Wir kamen zu dem Schluss, dass die Heilung von Kranken durch den Heiligen Geist keinen großen Verlust in unserer Stadt erleiden würde, wenn unsere Kirche nicht mehr existierte.

Dann fragten wir uns, wie viele Menschen aufgrund unserer Seelsorge keine Medikamente gegen Depression mehr nehmen oder nicht mehr regelmäßig ihren Psychiater aufsuchen mussten. Es fiel uns nicht ein einziger ein. Dagegen konnten wir einige nennen, die begonnen hatten, Medikamente gegen Depression zu nehmen.
Wir konnten keine zerrütteten Ehen nennen, die wir gerettet hatten, aber es gab einige, die auseinander gegangen waren.

Als nächstes wurde Abhängigkeit von Drogen, Alkohol und Sex genannt. Jeder von uns kannte durch seine privaten Beratungsstunden Personen in unserer Kirche, die mit diesen Sünden kämpften, aber keiner von uns konnte auch nur eine Person nennen, die endgültig davon befreit worden ist.

Uns wurde auch Folgendes klar: Wenn unsere Kirche aufhörte zu existieren, würde es weder einen Missionar geben, der gezwungen wäre, vom Missionsfeld nach Haus zu kommen, noch würden die Hilfsdienste für die Armen unserer Stadt bedeutende Verluste erleiden.

Wir mussten zugeben, dass das Reich Gottes in unserer Stadt ohne die Existenz unserer Kirche keine bemerkenswerten Einbußen auf den Gebieten der Evangelisation, des Heilens von Körper, Geist und Gefühlen, der Erhaltung von Ehen, der Hilfe für die Armen oder der Unterstützung von Missionaren in anderen Ländern erleiden würde.

Wir sahen uns gegenseitig an und fragten: »Was tun wir denn überhaupt?« Einer von uns sagte: »Wir sind die besten Bibellehrer in der Stadt.« Zu der Zeit glaubten wir, dass es stimmte. Uns war nicht bewusst, wie arrogant diese Ansieht war oder wie dumm es war, derartiges für sich in Anspruch zu nehmen. Wir kannten nicht einmal alle Bibellehrer in der Stadt. Wie konnten wir behaupten, wir seien von allen die Besten? Obwohl wir glaubten, die Besten zu sein, wurde uns doch klar, dass etwas an unserem Dienst schrecklich falsch lief. Was lehrten wir die Menschen eigentlich? Wir brachten ihnen nicht bei, wie man evangelisiert. Wir unterrichteten sie nicht darin, wie man die Körper der Menschen, ihre Seelen oder ihren Geist heilt. Wir lehrten sie nicht, wie man sieh von Abhängigkeiten befreit oder wie man den Armen hilft. Ebenso wenig unterwiesen wir sie darin, wie man effektiv die Arbeit ausländischer Missionen unterstützt. Obwohl wir uns verschiedentlich auf einigen dieser Gebiete beteiligten, war unser Beitrag so geringfügig, dass er praktisch keinen Einfluss auf das Reich Gottes hatte. Weshalb lehrten wir also aus der Bibel?

Ich sah die anderen Pastoren an. »Wisst ihr, ich würde nicht in diese Kirche gehen, wenn sie mich nicht dafür bezahlen würde. « Die anderen Pastoren sagten: »Da du es schon einmal gesagt hast, für uns gilt dasselbe. Wir mögen die Kirche auch nicht.« Es war die reinste Ironie des Schicksals, dass ich der Hauptakteur bei der Entstehung dieser Kirche gewesen bin. Ich hatte die Kirche zu dem gemacht, was mir damals vorschwebte – eine BibellehranstaIt – und nun gefiel sie mir nicht und ebenso wenig gefiel sie den anderen Pastoren!
Unsere Kirchenältesten kamen später an dem Abend. »Hat der Herr zu euch gesprochen? «, fragten sie.
»Ja, das hat er«, sagten wir.
»Was hat er gesagt?«
»Er hat uns gezeigt, dass wir nicht in diese Kirche gehen würden,
wenn ihr uns nicht dafür bezahlen würdet.«
»Was?! Was habt ihr drei Burschen getrieben?«, fragten die Ältesten. »Gebetet.«

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Eine Antwort zu “Was ist eine missionale Gemeinde? III

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