Trinitarische Theologie und Praxis? IV

Heute will ich eine Seite Gottes aufzeigen, mit der ich lange Zeit so meine Schwierigkeit hatte, um nicht zu sagen: „große Schwierigkeiten“. Diese Eigenschaft Gottes begegnet uns z. B. in den sog. „Rachepsalmen“. Es ist die „befremdliche Seite“ eines Gottes, der sich hier als HERR der Heerscharen offenbart. Hier nur einige weinige Beispiele:

„Gott, zerbrich ihnen die Zähne im Maul … HERR, du Gott der Vergeltung, du Gott der Vergeltung, erscheine! … Wohl dem, der deine jungen Kinder nimmt und sie am Felsen zerschmettert!” (Psalm 58:7; 94:1; 137:9)

Zunächst muss hier hermeneutische Arbeit geleistet werden.

  1. Im Alten Testament bedeutet die Vergeltung eine schon in der Schöpfung gegründete Bewahrung der Lebensordnung: „Wer Menschenblut vergießt, dessen Blut soll auch durch Menschen vergossen werden; denn Gott hat den Menschen zu seinem Bilde gemacht.” 1. Mose 9:6. Die Vergeltung hat hier einen positiven Klang.
  2. Andererseits wollen die Psalmisten keine „Theologie“ entwickeln, sie öffnen ihr Herz und ihre Gefühle „ungefiltert“ Gott. Sie wollen ohne Scheinfrömmigkeit aussprechen, was sie denken und wie sie sich im Moment die Hilfe Gottes vorstellen. Außerdem anerkennen sie damit Gottes Herrschaft an, der sowohl über die Guten als auch über die Bösen Sein gerechtes Urteil vollstrecken soll.
  3. Bei den Rachepsalmen muss man betonen, dass sie aus der Perspektive des Opfers geschrieben und keine sadistischen Fantasien der Gewalttätigen sind. Sie fordern uns direkt heraus, über unsere Feinde und Feindbilder zu sprechen, und konfrontieren uns mit der Frage, ob wir an der Seite des Opfers oder der des Übeltäters stehen!
  4. Somit ist auch hier jeder zu der Entscheidung aufgefordert, sich auf die Seite Gottes und Seiner Gerechtigkeit zu schlagen. Dazu gehört auch, Ungerechtigkeit wahrzunehmen, auszusprechen und zu verurteilen. Gott kämpft in dieser Welt für das Gute und Gerechte, und das ist der Fokus in diesen Psalmen, die meistens in der Anbetung des Königs münden.
  5. Der jüdische Friedensnobelpreisträger (1986) Eli Wiesel hat gesagt: „Der Gegensatz der Liebe ist nicht Hass, sondern Gleichgültigkeit!“ und gegen diese Gleichgültigkeit kämpfen die Feindworte der Psalmen.

Meine Erfahrung sagt und zeigt mir, dass viele Christen (und ich kann mich aus der Menge leider nicht herausnehmen) keine Stimme zum Thema Gerechtigkeit haben. Warum auch? Wir haben uns doch in unsere subkulturellen Schutzbunker verkrochen, was geht uns schon die „böse Welt da draußen“ an! Andererseits gibt es viel Hass und Lieblosigkeit inmitten dieser Schutzbunker. Kann es daran liegen, dass wir den Herrn der Heerscharen aus unserem Denken, Fühlen und Alltag ausgeklammert haben? Sollten wir nicht viel mehr die Stimmen gegen Ungerechtigkeit erheben, vielmehr noch – sollten wir uns nicht viel mehr um die Armen, Benachteiligten, Verletzten und Verwundeten in unserer Gesellschaft kümmern? Sollten wir nicht unsere Kleinkriege an den Herrn der Heerscharen abgeben und damit aufhören; uns zu rechtfertigen, uns zu verteidigen, um uns zu schlagen und uns zu rächen?

Daher hier die Erweiterung meines Glaubensbekenntnisses:

Ich glaube an den Herrn der Heerscharen, der es wirklich schafft, Seine Gerechtigkeit in mein Leben, mein Umfeld und zu meinen Feinden zu bringen.

Römer 12, 17-21: Vergeltet niemand Böses mit Bösem; seid bedacht auf das, was ehrbar ist vor allen Menschen! Wenn möglich, soviel an euch ist, lebt mit allen Menschen in Frieden! Rächt euch nicht selbst, Geliebte, sondern gebt Raum dem Zorn Gottes! Denn es steht geschrieben: „Mein ist die Rache; ich will vergelten, spricht der Herr.“ „Wenn nun deinen Feind hungert, so speise ihn; wenn ihn dürstet, so gib ihm zu trinken! Denn wenn du das tust, wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln.“ Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit dem Guten!

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