Darf man bei Anbetung jumpen?

Nach unserem letzten HOMEZONE gab es bei einigen Besuchern anscheinend Unsicherheiten zum Thema: Anbetung und Körperlichkeit – in diesem Fall speziell „jumpen“. Zur Körperlichkeit habe ich hier schon was geschrieben… Es geht jetzt also nur um das „jumpen“. Dazu will ich hier einige wenige Anmerkungen machen:

  1. Christen sind hier im Westen vom klassisch-griechischen Dualismus geprägt. Klingt kompliziert, ist aber relativ einfach zu verstehen. Geist ist gut, Körper schlecht und der wird immer schlechter, je tiefer man unter die Gürtellinie geht. Körper gehört nach Plato und Aristoteles der materiellen Welt an und Materie ist schlecht. Das philosophische Ideal ist aber reiner Geist und das geht nur über Abwendung von der Materie. Diese Haltung hat die Kirche im Mittelalter so ziemlich 1 zu 1 übernommen und es ist heute (auch in Freikirchen!) immer noch tief verwurzeltes und „einkonserviertes“ Gedankengut.
  2. Daher lesen wir auch die Bibel mit dieser „Dualismusbrille“. Gerade das Thema Anbetung ist da ein Paradebeispiel. Die Juden kennen diesen Dualismus nicht. Gott, der uns „körperhaft“ geschaffen hat, sprach: „Es ist sehr gut!“… und das hat sich auch nach dem Sündenfall nicht geändert… Daher ist Anbetung im AT und NT auch immer zutiefst „körperhaft“. David tanzt, es wird zum Jubeln aufgerufen (heißt: bei heftiger Körperbewegung laute Schreie der Freude und Extase von sich geben), alle verfügbaren Instrumente werden gespielt und fröhlich im Reigen getanzt – das ist Anbetung in der Bibel. Öffne einfach die Augen und lies die Bibel ohne Deine „Dualismusbrille“ – eine solche Studie traue ich jedem zu…
  3. Der Dualismus bei uns Christen wird ja mindestens in unseren Gottesdiensten (zum Glück nicht bei allen – es tut sich auch hier was!) sichtbar. Wenn wir UNS, ANDERE, den FUSSBALLGOTT oder ein ROCKEVENT feiern, lachen, springen, schreien und rufen wir aus Freude, zeigen ungeschminkt unsere Emotionen (auch Trauer ist dabei, besonders bei dem jetzigen Tabellenstand in der 1ten Bundesliga) und „erleben körperhaft“ diese Ereignisse. Geht es zum Gottesdienst, überfällt uns plötzlich die „fromme Leichenstarre“. Und bitte, sag mir keiner: „Wir Deutsche sind nicht emotional…“ Wir sind Dualisten und haben die Welt in einen „frommen“ und „weltlichen“ Bereich aufgeteilt. Das Dumme ist nur, dass das weder geistlich ist, noch steht dahinter ein biblisches Konzept. Die Philosophen der Vorzeit bestimmen hier unser Denken und Handeln und nicht der Gott des AT und NT.
  4. Eine andere Schwierigkeit ergibt sich aber auch schlichtweg dadurch, dass unsere Bibelübersetzungen schon in sich Interpretationen sind und wir uns an „fromme Begriffe“ gewöhnt haben, ohne deren wirkliche Bedeutung zu kennen. So ist es z. B. mit dem Wort „Jubel“. In Apg. 2, 46f. heißt es in einem Nebensatz: „Täglich verharrten sie einmütig im Tempel und brachen zu Hause das Brot, nahmen Speise mit Jubel und Schlichtheit des Herzens, lobten Gott und hatten Gunst beim ganzen Volk.“ Darüber lesen wir so einfach hinweg und sind überzeugt, dass das hier Beschriebene mit unseren üblichen Gottesdiensten deckungsgleich ist. Das Wort „jubeln“ heißt wortwörtlich übersetzt: „vor extremer Freude springen, tanzen und in Bewegung geraten“ – kannst Du Dir jetzt in etwa vorstellen, was bei den ersten Christen wirklich abging? Eine Parallele dazu (mit demselben Wortgebrauch!) finden wir in der Geschichte der schwangeren Maria und Elisabeth. Lukas berichtet das in Kapitel 1,41: „Und es geschah, als Elisabeth den Gruß der Maria hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib; und Elisabeth wurde mit Heiligem Geist erfüllt“. Das gr. Wort, was hier plötzlich (und richtig!) mit „hüpfte“ übersetzt wird, ist dasselbe Wort, was in Apg. 2,46f mit „jubeln“ übersetzt wurde. Geht Dir was auf? Mir ja! Erstaunlich ist aber hier auch der Zusammenhang zwischen „hüpfen“ und „wurde mit dem Heiligen Geist erfüllt“… denkt mal darüber nach…
  5. Nun will ich damit nicht sagen, dass alle, die „jumpen“, es zur Ehre Gottes oder aus der Fülle des Heiligen Geistes tun! Aber wir sollten es wirklich wieder neu lernen, so vom Geist bewegt und von Gott begeistert zu sein, dass es uns „aus den Socken haut“. Amen?
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6 Antworten zu “Darf man bei Anbetung jumpen?

  1. Hast du noch mehr davon? Vieleicht eine Ausarbeitung zu den hebräischen Lobpreisbegriffen? Hatte mir letztens was dazu angehört und erfahren das es keine Abstrakte im Hebr. gibt. Begriffe wie Gegenwart Gottes und Herrlichkeit waren anscheinend für alle Juden verständlich, da diese in direkt i Verbindung mit dem Körper standen. Weis nicht ob das ein Gerücht ist, aber jemand sagte es gäbe viele verschiedene Begriffe zu jauchzen und jubeln in den Psalmen, die im deutschen nur in einem Begriff widergegeben werden. Würd mich freuen wenn du noch zusätzliches Materiall hast über körperlichen Ausdruck von Lobpreis.

  2. YES!!!! AMEN!!! Gott gab uns Beine, Hände, Augen, Ohren, Nase, einen Kopf…. und vieles mehr!!! Warum benutzen wir ihn nicht um Gott zu Anbeten!? Also lasst uns ANBETEN mit dem was Gott uns gegeben hat…. mit allem was wir sind und haben…..!!!!!!!!!!!!! AMEN!!!!

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