Taufe mit dem Heiligen Geist II

Das Thema TmdHG hat schon seit je her die Evangelikalen gespalten und ist daher neben der ohne hin schon verwirrenden Terminologie auch noch sehr emotionsgeladen. In bestimmten Kreisen wird die TmdHG als DAS Kennzeichen eines reifen, vollmächtigen Christen gesehen und die Gemeinde in die „Geistgetauften“ und eben „nicht Geistgetauften“ katalogisiert. Hier ist es nicht selten so, dass die Sprachenrede als DAS Zeichen der Geistestaufe gilt und daher versucht wird mit allen Mitteln (teilweise sogar mit Sprachkursen – ohne Witz!) jedermann diese wunderbare Gabe „beizubringen“. Die andere Richtung verteufelt die TmdHG (und die dazugehörende Sprachenrede), sie schreiben Erklärungen dagegen, gründen gewisse Verlage und verscherbeln (teilweise kostenlos) die Bücher nur zu einem „edlen“ Zweck – Warnung vor Irrlehren! Einige Gruppierungen stehen irgendwo dazwischen oder haben sich innerhalb der „charismatischen Erneuerungsbewegung“ dem HG, den Charismata (Gaben des Geistes) und dem neuen Erleben des HG geöfnet.

Wir müssen also davon ausgehen, dass das vor uns liegende Thema schon daher schwierig ist, weil die Emotio die Ratio überlagert und wir oft gar nicht fähig sind, die Dinge richtig zu sehen und zu erkennen. Es gab in den letzten Jahrzehnten so viele „heilige Kriege“ unter uns Evangelikalen, so viele „Leichen“ und „Totengräber“, so dass wir zunächst einmal alle das Gebet des Nehemia beten sollten:

Und ich sprach: Ach, HERR, Gott des Himmels, du großer und furchtbarer Gott, der den Bund und die Gnade denen bewahrt, die ihn lieben und seine Gebote bewahren! Lass doch dein Ohr aufmerksam und deine Augen offen sein, dass du auf das Gebet deines Knechtes hörst, das ich heute, Tag und Nacht, für die Söhne Israel, deine Knechte, vor dir bete und mit dem ich die Sünden der Söhne Israel bekenne, die wir gegen dich begangen haben! Auch ich und meines Vaters Haus, wir haben gesündigt. Sehr böse haben wir gegen dich gehandelt… (Neh. 1,5-7)

Ist es nicht eine beißende Ironie: Der Geist, der uns trösten, versöhnen und lehren soll, wird selbst zum „Zankapfel“? Ich will jetzt nicht groß von der „Strategie des Feindes“ reden, sondern jeden Einzelnen von uns in die Verantwortung nehmen und zur Versöhnung aufrufen.

Die Zeit des Krieges gegen eigene Geschwister ist vorbei! Wir sind in Deutschland schon geschwächt genug… Lasst uns gemeinsam gegen DEN Feind (den Satan) aufstehen und diese Welt mit der Liebe Gottes erobern. Ich bin überzeugt, dass wir für diesen Liebeszug die besondere Kraftausrüstung Gottes brauchen, aber wir brauchen auch so viel Liebe zueinander als Geschwister, dass wir aufhören einander „zu beißen und zu fressen“ (Gal. 5,15) und damit anfangen die Einheit des Geistes miteinander zu suchen und zu leben.

Zum Schluss für heute noch ein Wort, das Augustinus zugeschrieben wird:

In necessariis unitas,
in dubiis libertas,
in omnibus caritas

In Wichtigem Einheit, in Zweifelhaftem Freiheit, in allem aber Liebe

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4 Antworten zu “Taufe mit dem Heiligen Geist II

  1. @Waldy: Witzig, ich lese derzeit u. a. auch Gordon Fee, und zwar: God’s Empowering Presence: The Holy Spirit in the Letters of Paul. Deine Beobachtung ist richtig und wäre noch einer weiteren Reihe wert. Meistens glauben wir noch nicht einmal so richtig an die Trinität. Und wenn ja, dann ist das in unserem Gottesdienstvollzug nicht mehr sichtbar. Viele können selten was mit dem Vater (Gott der Vater) anfangen, mit dem HG (Gott der Geist) noch weniger (wie soll man denn auch mit einer „Wolke“ kommunizieren), dann bleibt nur noch Jesus (Gott der Sohn) übrig… Wir sind im Grunde keine Trinitarier mehr sondern Jesuisten…

  2. Hi jaasch nur als kleiner Zusatz 😉
    Habe heute erfahren, dass das auch ein Grund war für die Trennung der Ostkriche. Sie glaubten, dass der Hl. Geist von dem Vater durch Jesus gesandt worden ist, die andere Seite glaubte, dass der Hl. Geist durch den Vater und Jesus gesandt ist.

    Gordon Fee drückt es in seinem Buch „Der Geist Gottes und die Gemeinde“ gut aus (in eigenen Worten): Wir glauben an Gott den Vater seinen Sohn Jesus Christus und an den Heiligen Geist – aber was es so wirklich mit diesem auf sich hat, dass weiß keiner so genau…“

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