Taufe mit dem Heiligen Geist VI

Einer meiner Kommentatoren (windhauch) hat mit seiner letzten Frage bereits eine Vorgabe für das weitere Vorgehen gemacht. Seine Frage ist nämlich:

War Pfingsten ein einmaliges Ereignis, dass den Beginn der neuen Wirksamkeit des Heiligen Geistes markiert, oder muss jeder sein eigenes kleines Pfingsten erleben?

Ich werde heute bei meinen Ausführungen konsequent induktiv vorgehen und nicht deduktiv – also vom Einzelfall zu allgemeingültigen Schlussfolgerungen und nicht umgekehrt. Ich meine, dass das Thema TmdHG deshalb so schwierig ist, weil jedes Lager immer wieder deduktiv an das Thema herangeht. Der große Unterschied zwischen Induktion und Deduktion findet sich darin:

Während eine Deduktion, so die klassische Auffassung, aus gegebenen Voraussetzungen schließt, üblicherweise aus allgemeineren Voraussetzungen auf einen spezielleren Fall, meint Induktion einen umgekehrten Weg.

Zunächst möchte ich euch die Begriffsfamilie zum Thema TmdHG vorstellen. Was verstehe ich hier unter Begriffsfamilie? Die TmdHG wird sowohl im AT als auch im NT mit verschiedenen Metaphern und Begriffen umschrieben. Einige Ausleger lassen sich dadurch irritieren und vermuten bei neuer Begrifflichkeit auch immer eine neue Aktion des HG. So gibt es z. B. sehr viel Konfusion darüber, wo in der APG von der TmdHG und wo von der Erfüllug mit dem HG die Rede ist… Und diese veschiedenen Begriffe und Formulierungen, die das Thema TmdHG beleuchten, nenne ich die Begriffsfamilie. Hier ein Beispiel für die eine andersatrige Terminologie, die aber ein und dasselbe Ereignis beschreibt:

APG 2:2-6 Und plötzlich geschah aus dem Himmel ein Brausen, als führe ein gewaltiger Wind daher, und erfüllte das ganze Haus, wo sie saßen. 3 Und es erschienen ihnen zerteilte Zungen wie von Feuer, und sie setzten sich auf jeden einzelnen von ihnen. 4 Und sie wurden alle mit Heiligem Geist erfüllt und fingen an, in anderen Sprachen zu reden, wie der Geist ihnen gab auszusprechen. 5 Es wohnten aber in Jerusalem Juden, gottesfürchtige Männer, von jeder Nation unter dem Himmel. 6 Als aber dieses Geräusch entstand, kam die Menge zusammen und wurde bestürzt, weil jeder einzelne sie in seiner eigenen Mundart reden hörte.

Dasselbe Ereignis wird im AT als Verheißung folgendermaßen beschrieben:

APG 2:17-21 «Und es wird geschehen in den letzten Tagen, spricht Gott, daß ich von meinem Geist ausgießen werde auf alles Fleisch, und eure Söhne und eure Töchter werden weissagen, und eure jungen Männer werden Gesichte sehen, und eure Ältesten werden Traumgesichte haben; 18 und sogar auf meine Knechte und auf meine Mägde werde ich in jenen Tagen von meinem Geist ausgießen, und sie werden weissagen. 19 Und ich werde Wunder tun oben am Himmel und Zeichen unten auf der Erde: Blut und Feuer und Rauchdampf; 20 die Sonne wird verwandelt werden in Finsternis und der Mond in Blut, ehe der große und herrliche Tag des Herrn kommt. 21 Und es wird geschehen: jeder, der den Namen des Herrn anrufen wird, wird errettet werden.»

In der APG werden Begriffe wie diese benutzt um die TmdHG zu beschreiben: BRAUSEN, WIND, FEUER, SETZEN, MIT DEM HG ERFÜLLT, SPRACHEN…

Beim Propheten JOEL klingt dasselber Ereignis aber so: MEINEN GEIST AUSGIESSEN, WEISSAGEN, TRAUMGESICHTE, WUNDER TUN, BLUT – FEUER – RAUCHDAMPF…

Obwohl an beiden Stellen verschiedene Bilder und Begriffe benutzt werden, meinen sie aber eindeutig ein und dasselbe Ereignis, was aus dem Bezug von Petrus deutlich hervorgehen sollte:

APG 2:15-16 Denn diese sind nicht betrunken, wie ihr meint, denn es ist die dritte Stunde des Tages; 16 sondern dies ist es, was durch den Propheten Joel gesagt ist…

Was ist nun die Begriffsfamilie der TmdHG? Hier eine (nicht vollständige) Auswahl (die meisten Stellen beziehen sich auf die APG):

  • Ihr werdet mit dem Heiligen Geist getauft werden (1,5)
  • Heiliger Geist wird auf euch kommen (1,8; 19,6);
  • Vom Heiligen Geist erfüllt werden (2,4);
  • Den Heiligen Geist ausgießen (2,17-18; 8,45);
  • Den Heiligen Geist empfangen (2,38; 8,47);
  • Den Heiligen Geist geben (5,32; 15,8);
  • Der Heilige Geist fällt auf (8,16; 10,44; 11,15-17);
  • Im Geist getauft werden, von einem Geist trinken (1Kor. 12,13)

Nun können wir uns der Frage von oben (von windhauch) zuweden: War Pfingsten ein einmaliges Ereignis, dass den Beginn der neuen Wirksamkeit des Heiligen Geistes markiert, oder muss jeder sein eigenes kleines Pfingsten erleben?

Dazu will ich eine zweiteilige Antwort geben:

  1. JA, Pfingsten ist ein historisches Ereignis, verheißen durch die Propheten des AT und das sich 7 Wochen nach dem jüdischen Peschachfest (Kreuzigung Jesu) ereignet hat – also vor rund 2000 Jahren. Tän hämeran tän pentäkostas – an dem 50sten Tag (nach dem Peschachfest) (APG 2,1): Das ist Pfingsten, daher auch der engl. Begr. für die Pfingstler „Pentecostals“.
  2. Obwohl das damalige Pfingstfest ein einmaliges historisches Ereignis ist, ist aber das, was damals geschah (die TmdHG) MEHR als nur ein einziges historisches Ereignis! Seitdem erlebt die Kirche diese TmdHG immer und immer wieder in allen Teilen unserer Welt.

In den Zeiten der Apostel war es nicht anders. Samarien erlebte eine (eigene) Ausgießung des HG, genauso wie Paulus als Individuum, der Hauptmann in Cäsarea samt Sippe, die ersten 12 Jünger in Ephesus, die Galater, Korinther, Römer…

Dabei ist die Frage nach der logischen Sequenz der Erfahrung selbst (ob es sich nun um eine erste, zweite, dritte… Erfahrung handelt) kein Thema in der Bibel. Wichtig ist allerdings, dass JEDER auf eine solche Erfahrung zurückblicken konnte. Für Paulus dient eine solche Geisterfahrung in zwei Fällen als DAS Argument:

  1. Bei den Galatern: … für die Freie Gnade Gottes, die nicht aufgrund der Gesetzlichkeit, sondern durch Glauben allein zugänglich wird. Galater 3:3-5 Seid ihr so unverständig? Nachdem ihr im Geist angefangen habt, wollt ihr jetzt im Fleisch vollenden ? 4 So Großes habt ihr vergeblich erfahren? Wenn es wirklich vergeblich ist! 5 Der euch nun den Geist darreicht und Wunderwerke unter euch wirkt, tut er es aus Gesetzeswerken oder aus der Kunde des Glaubens ?
  2. Bei den Korinthern: … für die Einheit des Leibes, die selbst in der Unterschiedlichkeit seiner Glieder und Funkrionen, durch EINEN GEIST, in den die Korither bei der Geistestaufe hineingetaucht wurden, gegeben ist. 1 Korinther 12:11-13 11 Dies alles aber wirkt ein und derselbe Geist und teilt jedem besonders aus, wie er will. 12 Denn wie der Leib einer ist und viele Glieder hat, alle Glieder des Leibes aber, obwohl viele, ein Leib sind: so auch der Christus. 13 Denn in einem Geist sind wir alle zu einem Leib getauft worden, es seien Juden oder Griechen, es seien Sklaven oder Freie, und sind alle mit einem Geist getränkt worden.

Nun zurück zu den Anfängen der Kirche. Die Jerusalemer Kirche erlebt ihre TmdHG, wie schon bereits einige male gasagt, am Tag des Päntekostas:

APG 2:1-4 Und als der Tag des Pfingstfestes erfüllt war, waren sie alle an einem Ort beisammen. 2 Und plötzlich geschah aus dem Himmel ein Brausen, als führe ein gewaltiger Wind daher, und erfüllte das ganze Haus, wo sie saßen. 3 Und es erschienen ihnen zerteilte Zungen wie von Feuer, und sie setzten sich auf jeden einzelnen von ihnen. 4 Und sie wurden alle mit Heiligem Geist erfüllt und fingen an, in anderen Sprachen zu reden, wie der Geist ihnen gab auszusprechen.

Danach ging das Evangelium bei der ersten Verfolgung zum ersten mal über die Grenzen von Judäa nach Samarien. Auch hier lesen wir von denselben Ereignissen wie in Jerusalem.

APG 8:14-17 Als die Apostel in Jerusalem gehört hatten, daß Samaria das Wort Gottes angenommen habe, sandten sie Petrus und Johannes zu ihnen. 15 Als diese hinabgekommen waren, beteten sie für sie, damit sie den Heiligen Geist empfangen möchten; 16 denn er war noch auf keinen von ihnen gefallen, sondern sie waren allein getauft auf den Namen des Herrn Jesus. 17 Dann legten sie ihnen die Hände auf, und sie empfingen den Heiligen Geist!

Die Geschichte des HG ging nun weiter… Ein bekannter Verfolger der Kirche, Saulus, bekehrt sich und erfährt danach die TmdHG:

APG 9:17-18 Hananias aber ging hin und kam in das Haus; und er legte ihm die Hände auf und sprach: Bruder Saul, der Herr hat mich gesandt, Jesus – der dir erschienen ist auf dem Weg, den du kamst – damit du wieder sehend und mit Heiligem Geist erfüllt werdest. 18 Und sogleich fiel es wie Schuppen von seinen Augen, und er wurde sehend und stand auf und ließ sich taufen.

Zum ersten mal ging dann das Evangelium zu den Heiden. Es war ein großer Akt für Gott, einen jüdischen Apostel, Petrus, davon zu überzeugen, dass das nun wirklich OK war und mit Gottes Heilsplan übereinstimmte. Und dann ereigneten sich in Cäsarea dieselben Dinge, wie auch zu Pfingsten bei den Aposteln:

APG 10:44-48 Während Petrus noch diese Worte redete, fiel der Heilige Geist auf alle, die das Wort hörten. 45 Und die Gläubigen aus der Beschneidung, so viele ihrer mit Petrus gekommen waren, gerieten außer sich, daß auch auf die Nationen die Gabe des Heiligen Geistes ausgegossen worden war; 46 denn sie hörten sie in Sprachen reden und Gott erheben. Dann antwortete Petrus: 47 Könnte wohl jemand das Wasser verwehren, daß diese nicht getauft würden, die den Heiligen Geist empfangen haben wie auch wir? 48 Und er befahl, daß sie getauft würden im Namen Jesu Christi. Dann baten sie ihn, einige Tage zu bleiben.

Und die Geschichte des HG geht weiter …

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