Geistlicher Missbrauch in christlichen Gemeinden und Werken III

An dieser Stelle will ich etwas sagen, was jedem Missbrauchsopfer Hoffnung und Mut geben sollte. Die Erfahrung des gM selbst ist sehr schmerzhaft und traumatisch, ohne Frage. Aber wenn die Opfer diese Erfahrung gut und richtig verarbeiten, dann verwandelt Gott Wunden in Wunder, Ohnmacht in Vollmacht und Furcht in Frucht. Derjenige, der durch die Hölle gegangen ist, hat jede Angst verloren. Warum? Weil er selbst in dieser Hölle Gott begegnet ist:

Psalm 139:7-12  Wohin sollte ich gehen vor deinem Geist, wohin fliehen vor deinem Angesicht ?  Stiege ich zum Himmel hinauf, so bist du da. Bettete ich mich in dem Scheol, siehe, du bist da.  Erhöbe ich die Flügel der Morgenröte, ließe ich mich nieder am äußersten Ende des Meeres, auch dort würde deine Hand mich leiten und deine Rechte mich fassen. Und spräche ich: Nur Finsternis möge mich verbergen und Nacht sei das Licht um mich her : Auch Finsternis würde vor dir nicht verfinstern, und die Nacht würde leuchten wie der Tag, die Finsternis wäre wie das Licht.

Gott ist mir in dieser Zeit in einer Art und Weise begegnet, wie ich Ihn nie zuvor kannte. Aber dazu noch einmal später.

Nun zu meiner 2. Phase: Hilflosigkeit

Nachdem ich gesehen und erfahren habe, dass die anderen Ältesten nicht wirklich etwas unternahmen, um diesen Konflikt zu lösen und die Vorwürfe mir gegenüber auszuräumen, habe ich mich an andere „weisen Brüder“ aus der Gemeinde gewandt. Es waren Brüder, die auch zugleich Lehrer, bzw. wichtige leitende Persönlichkeiten einer bekannten deutschen Bibelschule waren. Sie hörten mich geduldig an, aber unternahmen rein gar nichts in der Gemeinde. Der eine von ihnen sagte, er wolle „sich nicht die Hände schmutzig machen“, da es ein rein zwischenmenschlicher Konflikt zwischen mir und einem der anderen Ältesten sei. Aber es war schon lange kein „rein zwischenmenschlicher Konflikt“.

Inzwischen kursierten in ganz Deutschland die Gerüchte über meine „Häresie“ und mein übergemeindlicher Dienst (ich predigte und unterrichtete zu der Zeit regelmäßig in sehr vielen Gemeiden deutschlandweit) kam total zum erliegen. Einer meiner Freunde wurde sogar aus seiner Gemeinde ausgeschlossen, nur deswegen, weil er mir seine Freundschaft nicht gekündigt hat. So sprach ich darüber mit einem sorgsam ausgewählten Kreis in meiner Gemeinde, aber ich hatte den Eindruck, je mehr ich darüber mit ihnen redete, desto mehr wurde ich in einen Wassertrichter hineingezogen, der mir die Luft zu Atmen nahm…

In meinen Augen war die Angelegenheit doch so einfach zu lösen – jemand von den vielen Bibelschullehrern oder noch verbliebenen Ältesten in der Gemeinde sollte allen Mut zusammennehmen und Stellung zu den Vorwürfen mir gegenüber beziehen. Mir war inzwischen auch schon egal, was dabei herauskommen würde – Irrlehrer oder nicht… Aber es passierte nichts! Hilflosigkeit – das ist das einzige Wort, das meinen damaligen Gemütszustand beschreibt – totale Hilflosigkeit.

Die Ältesten bemühten sich zwar, Versöhnung zwischen mir und dem anderen Ältesten zu stiften, aber jedes mal wurden von ihn und inzwischen auch von seiner Frau die Vorwürfe der Häresie immer heftiger erhoben. Es wurde immer schlimmer und es gab keinen aus dem Kreis der Eingeweihten, die Stellung dazu bezogen.  Währenddessen wurde auch mein Dienst in der Gemeinde zunehmend eingeschränkt bis zum völligen Predigt- und Lehrverbot. An dieser Stelle musste ich auch davon ausgehen, dass auch Gott mich im Stich gelassen hat. Wie konnte Er dass alles zulassen? Warum änderte Er nichts an dieser Situation? Warum ließ die „geistliche Elite“ in der Gemeinde diese Ungerechtigkeit zu? Sie machten weiter, wie gewohnt – Gott musste auf deren Seite sein… Ich wurde immer verzweifelter und das Gefühl der Hilflosigkeit nahm damit die Ausmaße eines interstellaren Schwarzen Lochs an.

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2 Antworten zu “Geistlicher Missbrauch in christlichen Gemeinden und Werken III

  1. Ich glaube ein wesentliches Schlüsselwort zu gM ist „geistliche Elite“. Diese ermöglicht erst gM im großen Stil, denn sie fühlt sich befugt zu bestimmen: „es wäre gut, ein Mensch stürbe für das ganze Volk“
    Ich glaub auch, das die „burnout-Quote“ unter Leitern und Mitarbeitern in deutliches Indiz für gM ist.

    .. ich hab das damals nie wirklich verstehen können was dir passiert ist, aber meine Frau war immer fest von deiner Unschuld überzeugt, und davon, dass du in den geistlichen Dienst zurückkehrst. (Sie ist prophetisch begabt.)
    Außerdem, 🙂 als du und dein Dienst lichterloh abgebrannt seid, hast du einen tollen Orientierungspunkt abgegeben. Und auch an den „rauchenden Trümmern“ konnte ich mich noch gut orientieren. Als ich dann selber unter Beschuss gekommen und abgebrannt bin, dann war das Wissen „ich bin nicht der einzige“ ein echter Trost.
    Danke für dein Vorbild.

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