Gedanken aus der Unterwelt.

Ich lese derzeit (zum wiederholten mal) mal wieder C.S. Lewis´Buch „Dienstanweisung für einen Unterteufel“. Ein geniales Stück Literatur! Onkel Screwtape (ein Dämon) schreibt hier in 31 Briefen Anweisungen für seinen Neffen Wormwood (ebenfalls ein Dämon unteren Ranges), wie er seinen „Patienten“ auf die schiefe Bahn bringen soll. Ich werde in den nächsten Tagen einfach mal einige Abschnitte für sich sprechen lassen. Manchmal sind sie amüsant, manchmal treffen sie den Nagel auf den Kopf, manchmal regen sie einfach nur die grauen Zellen an.

Einer unserer besten Bundesgenossen ist gegenwärtig die Kirche selbst. Aber bitte, verstehe mich richtig! Ich meine natürlich nicht die Kirche, wie wir sie sehen: sich über Raum und Zeit erstreckend und verwurzelt in der
Ewigkeit, schrecklich wie ein Kriegsheer im Aufmarsch. Ich gestehe, vor diesem Schauspiel wird es auch unsern kühnsten Versuchern unbehaglich. Glücklicherweise aber ist es den Menschen verborgen. Alles, was Dein Patient sehen kann, ist ein halb vollendetes Gebäude in falscher Gotik auf einem Neubaugrundstück Wenn er da eintritt, so begegnet ihm als erster der Metzger aus dem Eckladen seiner Nachbarschaft, der ihm mit salbungsvoller, geschäftiger Miene ein kleines, abgegriffenes Büchlein mit der Liturgie anbietet, die keiner von beiden versteht. Dazu noch ein kleines, schäbiges Bändlein mit verderbten Texten meist schlechter religiöser Verse in kleinstern Druck. Wenn er dann seinen Platz in der Kirchenbank einnimmt und sich ein wenig umsieht, so entdeckt er gerade jene Auswahl seiner Nachbarn, denen er bis dahin geflissentlich aus dem Wege gegangen ist. Du mußt Dich in Deinen Unternehmungen sehr stark auf diese Nachbarn stützen. Lasse seine Gedanken Vergleiche ziehen zwischen dem Ausdruck „ihr seid der Leib Christi“ und den Gesichtern, wie er sie in der nächsten Kirchenbank sieht. Es spielt natürlich keine Rolle, welcher Art die Leute in jener nächsten Kirchenbank in Wirklichkeit sind. Vielleicht kennst Du sogar einen unter ihnen als großen Kämpfer in den Reihen des Feindes. Es macht gar nichts aus. Dank Unserm- Vater-in-der- Tiefe ist Dein Patient ein Narr. Es braucht nur einer dieser Nachbarn ein bißchen falsch singen oder Schuhe tragen, die bei jeder Bewegung quieken, ein Doppelkinn haben oder sich auf wunderliche Weise kleiden, so wird Dein Patient ganz leicht glauben, daß es auch mit der Religion dieses Menschen irgendwie komisch bestellt sein müsse. In der Verfassung, in der er sich zur Zeit befindet, hat er eine Vorstellung von „Christen“, die er für spirituell hält, die aber in Wirklichkeit weitgehend von bildlichen Eindrücken bestimmt ist. Seine Vorstellung ist erfüllt von Togen und Sandalen, Rüstungen und bloßen Beinen, so daß ihm allein schon die moderne Kleidung der Kirchgänger zu einem wirklichen, wenn auch unbewußten Hindernis wird. Sorge dafür, daß ihm diese Tatsache nie bewußt werde. Unter keinen Umständen darf er sich überlegen, wie ein Christ eigentlich aussehen sollte. Sieh zu, daß alle seine Vorstellungen verschwommen bleiben, so wirst Du Dich für alle Ewigkeit damit belustigen und unterhalten können, in ihm jene besondere Klarheit hervorzurufen, die die Hölle gewährt.

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2 Antworten zu “Gedanken aus der Unterwelt.

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