Wa(h)re Weihnacht – eine kleine Entmythologisierung.

Letztens bekam ich eine Mail, in der mich jemand aus der Gemeinde fragte, ob Jesus nun im Stall oder im Haus geboren sei. Ich musste zunächst etwas schmunzeln… – das ist die typische Weihnachtsgeschichte, die jeder von uns immer wieder gehört und „gesehen“ hat. Kaum ein Ereignis der Bibel ist seit Jahrhunderten so vielen Mythen unterworfen, wie die sog. „Weihnachtsgeschichte“.  Aber wenn wir den Staub des „Christentums“  von den Geburtsgeschichten der Evangelisten etwas wegpusten, dann müssen wir feststellen:

  1. Es gab keine „drei Weisen“ aus dem Morgenland
  2. Keinen „Engelsgesang“ bei den Hirten
  3. Es gab keine Geburt im „Stall von Bethlehem“
  4. Damit natürlich auch weder „Esel noch Ochs“
  5. und schon gar nicht annähernd den 24. Dezember als Geburtsdatum von Jesus.

Fakt ist allerdings, dass „das Wort Fleisch wurde und unter uns“ seine Zelte aufschlug. Und das ist ein Grund, dankbar zu sein und zu feiern (und das nicht nur gegen Ende des Jahres!).

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9 Antworten zu “Wa(h)re Weihnacht – eine kleine Entmythologisierung.

  1. Sorry, hab vor Monaten übersehen, dass du hier ne Frage gestellt hast. Bin dir noch ne Antwort schuldig:

    Eze 28:13 du warst in Eden, dem Garten Gottes; allerlei Edelgestein war deine Decke: Sardis, Topas und Diamant, Chrysolith, Onyx und Jaspis, Saphir, Karfunkel und Smaragd und Gold. Das Kunstwerk deiner Tamburine und deiner Pfeifen war bei dir (wörtlich: in dir); an dem Tage, da du geschaffen wurdest, wurden sie bereitet. Du warst ein schirmender, gesalbter Cherub … (ELB)

    Es ist nicht ein Hinweis auf Gesang, aber auf Musik, die „in“ einem Cherub (dem Engel des Lichts) war. Die deutschen Übersetzungen übersetzen alle „bei dir“ aber es muss heißen „in dir“. Irgendwie war Musik im Teufel. ist meines Erachtens der einzige Vers, sonst heißt es immer „die Engel SPRACHEN“

  2. Der Eintrag ist jetzt zwar fast schon ein Jahr alt, aber die Adventszeit kommt näher, und da ich gerade bei einer Wortrecherche in anderem Zusammenhang darauf gestoßen bin, möchte ich es auch nicht unerwähnt lassen:

    jaasch hatte gefragt, ob es einen (expliziten) biblischen Hinweis darauf gebe, dass Engel singen. Antwort: Ja, mehrere sogar: Johannesoffenbarung 14,3 und 15,3. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit: vielleicht finden sich ja auch noch mehrere Hinweise auf diese – zugegeben: eher nebensächliche … – Fragestellung.

    • Hallo Tobias,

      ich möchte Dir ungern widersprechen, aber die beiden Bibelstellen sagen NICHT aus, dass Engel gesungen haben – in beiden Fällen handelt es sich explizit um Menschen, die hier den Gesang führen und nicht Engel… Also, weiter suchen…

      Gruß
      Jacob

  3. Ergänzung: als Repräsentanten der Wirklichkeit Gottes sind Engel reine „Medien“ – da tritt das „Wie“ der Botschaft hinter dem „Was“ ohnehin in den Hintergrund, was sich ja an den meisten Engelserscheinungen sowohl im AT wie im NT sehr gut zeigen läßt. Insofern denke ich schon, daß die Frage danach, ob Engel nun reden oder singen (oder beides) letztlich gar nicht beantwortet werden kann. Von daher ist die Vorstellung eines „englischen“ Lobgesanges dann vielleicht ein Anthropomorphismus, aber keiner, der am Thema vorbeiginge.

  4. Da bin ich nicht so sicher: aineo ist ein funktionales Verb und hat mit dem Modus einer Aussage zunächst einmal gar nichts zu tun, und lego ist so vielschichtig, daß es nicht nur als wörtliche Rede verstanden werden muß. Von daher läßt der Wortlaut offen, ob Lukas sich das Loben der Engel nun als Gesang oder Sprechakt vorstellt. Wie auch immer: ob gesprochen oder gesungen – recht haben die Engel! 😉

  5. Zu erstens: immerhin berichtet das Matthäusevangelium von „Weisen aus dem Morgenland“, nur die Anzahl wird nicht erwähnt. Eher aufräumen müßte man mit den „Heiligen drei Königen“, wenn es nur nach dem Wortlaut der Geburtsberichte ginge.

    Zu zweitens: Lukas erwähnt das Gotteslob der Engel, das durchaus die Struktur eines Lobliedes hat – der „Engelsgesang“ bei den Hirten ist somit nicht abwegig.

    Der Rest ist natürlich „sekundär“. 🙂

    • Engelsgesang ist tatsächlich grundsätzlich nicht abwegig, allerdings heißt es im Text bei genauerem Hinsehen (Luk. 2:13-14):

      „Und plötzlich war bei dem Engel eine Menge der himmlischen Heerscharen, die Gott lobten und sprachen: Herrlichkeit Gott in der Höhe, und Friede auf Erden in den Menschen des Wohlgefallens!“

      Die Engel „lobten und sprachen“ (gr., ainounton … kai legonton). Das gr. aineo bedeutet: jemanden empfehlen, jemandes exzellente Vorzüge anpreisen, im NT nur in Bezug auf Gott gebraucht. Dabei spielt Gesang gar keine Rolle!

      Darüber hinaus: Gibt es überhaupt irgend einen Bibelhinweis darauf, dass Engel singen?

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