AUTORITÄT und gehorsam 02

In einer seiner berühmten Fabeln erzählt uns Äsop die Geschichte von den Fröschen im Teich. Unbedingt wollten die Frösche einen König haben.

Ihr Anliegen brachten sie immer und immer wieder vor Jupiter, bis dieser ihnen schließlich einen ansehnlichen Balken in den Teich warf. Die Frösche waren zunächst begeistert von ihrem Anführer: majestätisch und ruhig schwamm er auf dem Teich umher. Aber nach einiger Zeit kamen ihnen doch bedenken. Was war das für ein Führer, auf dem man ohne Gegenwehr herum springen konnte, der sich immer nur an der Oberfläche treiben ließ und nichts von sich gab! So gingen sie wieder zu Jupiter: „Wir wollen einen starken Führer“ , sagten sie, „einen, der Macht ausübt und Initiative ergreift!“ „Gut“ , sagte Jupiter nach einigem Zögern, „ ihr sollt Euren starken Führer bekommen!“ Und so schickte er ihnen den Storch an den Teich. Wieder waren die Frösche begeistert. Ihr Storch war von imponierender Größe, und er stakte majestätisch im Teich herum. Er machte Lärm und viel Wind und zog alle Aufmerksamkeit auf sich. Von ihm ging Initiative aus! Aber dann entdeckten sie zu ihrem entsetzen, dass dieser König eine sehr problematische Seite hatte: er begann seine Untertanen einen nach dem anderen aufzufressen…

Diese Fabel zeigt uns ein Dilemma, das wir Menschen immer wieder mit Macht und Führerschaft gehabt haben. Auf der einen Seite gehen Führung und Autorität weithin verloren – und dann fällt man in das andere Extrem und wählt die Tyrannei.

Auch die christliche Gemeinde stand immer wieder in der Gefahr, sich dem jeweiligen Zeitgeist anzupassen und den Führungsstil der politischen Umwelt zu übernehmen. In den Zeiten absoluter Monarchie prunkte die Kirche mit fürstlichen Bischöfen. In den Jahren des „Dritten Reiches“ wollten manche Freikirchen das „Ein- Mann-Führerprinzip“ einführen. Und heute geben sich unsere Gemeinden gerne „demokratisch“ – ganz so, als ob das demokratische Prinzip von der Bibel für den Gemeindebau erfunden worden wäre.
Und man weiß dann auch, Argumente für Gemeindedemokratie zu nennen: Nur wenn die ganze Gemeinde demokratisch über alle Fragen der Gemeindeführung entscheidet, so sagt man, wird das „Priestertum aller Gläubigen“ ernst genommen. Jedes Gemeindeglied habe schließlich den Heiligen Geist und müsse deshalb mitbestimmen. Und im übrigen: Je weniger Menschen an einem Entscheidungsprozeß beteiligt seien, desto geringer werde auch die Chance der Korrektur…

Im Verlauf der Kirchengeschichte haben sich im Wesentlichen drei Modelle von Gemeindeführung gezeigt, die sich auch heute noch finden. Ich nenne sie einmal mit ihren Fachbezeichnungen:

A.    Da ist zum einen das EPISKOPALE MODELL, d. h. das bischöfliche Modell.
Manche der Großkirchen etwa meinen, es sei biblisch, dass ein Bischof mit seinem hierarchischen Apparat eine aus vielen Einzelgemeinden bestehende Kirche leitet. Man nennt dies auch: das „monarchische Epi- skopat“. Ich bin allerdings der Meinung, dass sich im Neuen Testament eine solche Ordnung noch nicht findet. Das Wort „Bischof“ oder „Aufseher“ ist im Neuen Testament austauschbar mit dem Begriff „Ältester“ und bezeichnet einen von mehreren Leitern einer örtlichen Gemeinde.

B.    Zum anderen gibt es das KONGREGATIONALISTISCHE MODELL.
Dieses demokratische Modell geht davon aus, dass in allen Fragen, die Leben Lehre und Weg der Gemeinde betreffen, die „congregatio“, d.h. die (versammelte) Gemeinde, durch Mehrheitsbeschluss zu entscheiden habe. Älteste und Diakone der Gemeinde sind dann lediglich Vollzugsorgane für die Beschlüsse der Gemeindeversammlung. Oberster Souverän ist die Gemeinde, die mehrheitliche Beschlüsse herbeiführt und sich im Grunde selber führt – natürlich (im besten Fall) im Hören auf das, was Gott will. In einer früheren Ausgabe der Baptistenzeitschrift „DIE GEMEINDE“ teilt der Schriftsteller folgendes mit: „In der Stellungnahme unseres Bundes zu den so genannten „Lima–Texten“ (d.h. gewissen ökumenischen Verlautbarungen) haben wir eine Empfehlung für den „Kongregationalismus“ ausgesprochen, vor allem in Abgrenzung zu einem überhöhten Amtsverständnis“. Man kann gewiss sagen, dass das demokratisch–pluralistische Kongregationalismusmodell heute in vielen Baptistengemeinden (und auch den meisten anderen Freikirchen!) als attraktive Lösung umgesetzt wird.

C.    Das PRESBYTERIALE MODELL.
Dieses presbyteriale Modell meint, dass die Leitung der Gemeinde durch ein Kollegium geistlich qualifizierter „Presbyter“, d. h. „ Ältester“, erfolgen soll. Diese „Ältesten“ kommen in der neutestamentlichen örtlichen Gemeinde immer nur in der Mehrzahl vor. Eine One-Man-Show der Gemeinde gibt es im Neuen Testament nicht. Diesem Ältestenkollegium wird in der neutestamentlichen Offenbarung eine Reihe von Verantwortungen übertragen. Nach Apostelgeschichte 20, 28 ff sollen sie auf die Gemeinde achten, sie vor Irrlehren schützen und sich der Schwachen annehmen. Nach 1Thess 5,12 stehen sie der Gemeinde vor im Herrn und treiben Seelsorge. Nach Titus 1,19 „überführen sie die Widersprechenden mit gesunder Lehre“ (usw.). Und umgekehrt gilt ihnen Anerkennung (1Thess 5, 12), ein besonderer Schutz gegenüber voreiligen Anschuldigungen und Vorwürfen (1Tim 5,17ff), und eben – nach Hebr 13,17 – Gehorsam und Unterordnung. Angesichts dieser gewichtigen Stellung der Ältesten in der Gemeinde verwundert es nicht, dass das Neue Testament (etwa in 1Tim 3 oder Titus 1) lange Listen von geistlichen, persönlichen und lehrmäßigen Eignungskriterien aufstellt, die unumstößliche Maßstäbe für jeden sind, der in diese verantwortungsvolle Ältestenaufgabe gewählt werden soll.

Wir leben in einer Welt, in der scheinbar Diktatoren oder Demokraten das Sagen haben. Durch willkürliche und eigenmächtige Alleinherrschaft, oder mit Hilfe demokratischer Mehrheitsentscheidungen, bestimmen sie entscheidend über das Schicksal vieler Menschen. Nun ist auch die Gemeinde während der gesamten Kirchengeschichte von den Führungs- und Machtstrukturen ihrer Umwelt nicht frei geblieben. Mal wurde sie streng monokratisch, mal streng demokratisch regiert. Es gab aber während der ganzen Kirchengeschichte auch Gemeinden, die gemäß dem biblischen Vorbild christokratisch regiert wurden.

Was bedeutet das praktisch in Bezug auf AUTORITÄT und gehorsam?

Advertisements

Eine Antwort zu “AUTORITÄT und gehorsam 02

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s