Wie ich die Einheit des Leibes sehe.

Bei dem Q & A Abend der mosaikchurch wurde mir die Frage gestellt, wie ich zur Zusammenarbeit mit anderen Gemeinden in unserer Stadt stehe. Darauf kann es nur eine Antwort geben: Gott sieht in Detmold nur EINE Gemeinde, die Er SEINE Gemeinde nennt. Diese Gemeinde mag sich an verschiedenen Orten und unter unterschiedlichsten Namen, Fahnen, Organisationen und Denominationen treffen…, aber sie ist, bei aller Buntheit und Unterschiedlichkeit doch SEINE EINE Gemeinde. Gottes Wort legt auf eine geistliche Einheit der Kinder Gottes einen sehr großen Wert. Ich will hier darstellen wie wir als mosaikchurch diese Einheit verstehen, nach ihr streben und sie leben wollen.

Uns sollte die Einheit unter den Kindern Gottes immer ein großes Anliegen sein – weil es Jesus ein großes Anliegen ist. Und uns sollte das nicht billig sein, was Ihm teuer ist! Aber wir kennen auch einen Feind, der diese Einheit fürchtet, weil er weiß, dass diese Einheit seine Niederlage bedeutet. Dieser Feind will uns voneinander isolieren, er will uns trennen und er will uns vernichten. Das muss uns bewusst werden. Und jeder, der sich an dem Geschäft der Zersplitterung und Spaltung unter den Christen beteiligt, beteiligt sich am Werk des Gegenspielers Gottes – das ist der Satan.

Satans Kerngeschäft ist die Spaltung, die Trennung, das Ausschließen, das Distanzieren, die Verweigerung des Gesprächs, das Verurteilen und Belasten von Beziehungen. Gleich nach dem Sündenfall trennte er den Menschen von Gott. Und Gott war derjenige, der an dieser Trennung am meisten litt. Er lief Adam und Eva hinterher, suchte sie und rief: „Adam, wo bist Du?“

Aber die Trennung des Menschen von Gott war dem Satan noch nicht genug. Er trennte dann auch die Menschen voneinander. Kain und Abel waren zwei Brüder, die von ihren Eltern geliebt waren und denen die ganze Welt offen stand. Aber das gefiel dem Satan nicht – er mag es nicht, wenn sich Geschwister in einer Familie lieben und  vertragen. Er streute Neid und Eifersucht unter sie und das macht er bis heute unter uns Christen. Eines Tages eskalierte der Neid von Kain (während eines Gottesdienstes übrigens!) und er erschlug seinen Bruder Abel. Und wieder lief Gott dem Menschen hinterher und fragte: „Wo ist denn dein Bruder?“

Seitdem trennt und spaltet der Satan Ehen, Familien, Stämme, Rassen, Nationen und Länder und macht seinem anderen Namen „Teufel“ alle Ehre (gr. Diabolos = der Durcheinanderbringer). Und am liebsten spaltet er auch Christen und Gemeinden.

Aber Gott ruft immer noch zuerst nach Dir und dann auch nach Deinem Bruder! Denn die Einheit unter Christen hat eine starke Botschaft für uns und diese Welt.

  • Die Einheit unter uns Christen soll ein Spiegelbild des drei-einigen Gottes sein. Die Bibel sagt: Gott ist Liebe! Und die Bibel sprich auch von einem drei-einigen Gott als Vater, Sohn und Heiliger Geist. Die drei Personen haben eine perfekte Einheit und Liebe unter sich. Und Gott will, dass sich Sein ganzes Wesen und auch diese innertrinitarische Einheit in liebe auch zu seinen Kindern ausdehnt.
  • Die Einheit unter uns Christen soll die Macht des Kreuzes in der Vergebung und Versöhnung unter allen Generationen, Geschlechtern, Rassen und Nationen zeigen. 

Was ist ein größeres Zeugnis der Liebe: Wenn sich nur eine Rasse, eine Familie, ein Geschlecht und eine Kultur innerhalb einer Gemeinschaft vertragen, oder wenn sich mehrere Rassen, viele Familien, beide Geschlechter und unterschiedliche Kulturen innerhalb einer Gemeinschaft vertragen? Ich glaube es ist das zweite. Und genau so hat sich Jesus seine Gemeinde vorgestellt.
  • Und die Einheit unter Christen zeigt, dass sie durch denselben Geist geboren, durchdrungen und geleitet werden. Dieser Geist Gottes schafft wirkliche geistliche Einheit und es ist eine Tragik des Christentums, dass gerade und angeblich im Namen dieses Geistes so viele Spaltungen hervorgebracht werden. Dieser Geist Gottes fügt uns alle in den einen Leib Jesu hinein, welche Seine Gemeinde ist.

Das Wort Gottes fordert uns an vielen Stellen auf, die Einheit des Geistes zu suchen und für diese auch zu kämpfen. Zunächst möchte ich einige Sätze darüber verlieren, was wir unter geistlicher Einheit verstehen wollen und was nicht.

  1. Geistliche Einheit meint nicht Einheitlichkeit. Der Gott der Bibel ist der Schöpfer der Vielfalt. Schaut euch nur die verschiedenen Gesichter an. Es gibt auf der ganzen Welt keine zwei gleichen Augen, zwei gleiche Sonnenuntergänge oder zwei völlig identische Blumen. Viele verwechseln Einheit mit Einheitlichkeit. Für diese Menschen ist Einheit nur dann möglich, wenn man sich gleich kleidet, wenn man gleiche Gemeindestrukturen hat, dieselben Lieder singt und immer derselben Meinung ist. 

Das ist die Einheitlichkeit eines totalitären Regimes, aber keine biblische Einheit. Hitler, Stalin und Mao haben alle gleich gekleidet, alle dieselben Parolen singen lassen und das Denken aller gleichgeschaltet. Einheitlichkeit kommt aus der Phantasielosigkeit, Langeweile und der fehlenden Kreativität des Satans und ist nicht ein Werk Gottes. 

Gott gibt uns in sich selbst 3 verschiedene göttliche Persönlichkeiten, er gibt uns 4 Evangelien, eine ganze Reihe von biblischen Autoren mit ihren 66 Büchern und er gibt uns verschiedene Gnadengaben. Einheitlichkeit ist nicht Sein Stil aber Einheit schon – Er Selber ist 3 in 1!
  2. Geistliche Einheit bedeutet nicht die Aufhebung der verschiedenen Denominationen und Ortsgemeinden. Einheit muss nicht immer räumlich verstanden werden. Natürlich ist auch die denominationelle Vielfalt für uns heute oft ein Problem und nicht selten auch aufgrund von Versagen, mangelnder Weisheit, Arroganz und Spaltungen von allen Beteiligten entstanden. Aber wir können Kirchengeschichte nicht rückgängig und unwirksam machen. 

Als Jesus für die Einheit seiner Jünger und für uns in Joh. 17 betete, bat er: „Vater, mach, dass sie eins seien, wie Du und ich eins sind.“ Zu dem Zeitpunkt war Jesus auf der Erde und nicht im Himmel bei seinem Vater und trotzdem waren sie eins. Einheit ist auch über die Grenzen einer Lokalität und, ich möchte es hier noch erweitern, auch über die Grenzen von Denominationen möglich und notwendig. Es gibt eine Lehre in bestimmten Bewegungen, die wirkliche Einheit nur in der Abschaffung sämtlicher geistlicher Ämter und Ortsgemeinden fordert. Das, meine ich, ist weder weise noch zweckdienlich. Auch hier sollte die Vielfalt kein Hindernis zur Einheit sein.
  3. Geistliche Einheit ist nicht um jeden Preis und auch nicht auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner möglich. Wahre geistliche Einheit muss ein solides Fundament haben, wenn sie Bestand in der Praxis haben soll. Ich möchte keiner Initiative oder Bewegung zu nahe treten, aber mal einmal im Jahr oder einmal in 4 Jahren eine Veranstaltung zusammen machen, wäre kein solides Fundament für eine Einheit. Wenn uns nicht mehr verbindet als ein paar Veranstaltungen, dann verbindet uns nicht genug! 

Der Apostel Paulus nennt in Epheser 4 einige Dinge, die der Einheit unter Gläubigen eine feste Grundlage geben: 

“… und seid darauf bedacht, zu wahren die Einigkeit im Geist durch das Band des Friedens: „ein“ Leib und „ein“ Geist, wie ihr auch berufen seid zu „einer“ Hoffnung eurer Berufung; „ein“ Herr, „ein“ Glaube, „eine“ Taufe; „ein“ Gott und Vater aller, der da ist über allen und durch alle und in allen.“
  • EIN Leib                  = Gemeinde Jesu
  • EIN Geist                = Heiliger Geist
  • EINE Hoffnung     = Gottes vollkommene Herrschaft
  • EIN Herr                = Jesus Christus
  • EIN Glaube            = An das vollkommene Werk Jesu
  • EINE Taufe           = Bekenntnis zu Jesus
  • EIN Gott                = Unser aller Vater

Die ersten Christen demonstrierten diese Einheit, indem sie gemeinsam und bei jeder Zusammenkunft die zentralen Glaubensinhalte laut bekannten. Eines der ältesten Bekenntnisse ist das Apostolische Glaubensbekenntnis:

“Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde,

 und an Jesus Christus,
 seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
 empfangen durch den Heiligen Geist,
 geboren von der Jungfrau Maria,
 gelitten unter Pontius Pilatus, 
gekreuzigt, gestorben und begraben, 
hinab gestiegen in das Reich des Todes, 
am dritten Tage auferstanden von den Toten, 
aufgefahren in den Himmel; 
er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; 
von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. 

Ich glaube an den Heiligen Geist, 
die heilige christliche Kirche,
 Gemeinschaft der Heiligen,
 Vergebung der Sünden,
 Auferstehung des Leibes
 und das ewige Leben. Amen.“

Zu diesem Bekenntnis stehen wir als mosaikchurch, verbunden mit allen Kindern Gottes seit der Geburt der Kirche, verbunden mit den Märtyrern der Vergangenheit und Gegenwart, die mit diesem Bekenntnis, erhobenen Hauptes in den Tod gingen und immer noch gehen und verbunden mit der Familie Gottes in der Gegenwart: global und lokal!

In der Alten Kirche gab es ein wichtiges Prinzip für diese geistliche Einheit. Da hieß es (laut einem Wort von Augustinus):

„In necessariis unitas, in dubiis libertas, in omnibus caritas“,
(zu deutsch 

„im Wichtigen Einmütigkeit, 
im Zweifelhaften Freiheit, 
über allem aber die Liebe“)

Liebe mosaikchurch, liebe Geschwister und Gemeinden in Detmold und Lippe, lasst uns nach dieser Einheit trachten!

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3 Antworten zu “Wie ich die Einheit des Leibes sehe.

  1. Hallo Jacob,
    ein wichtiges Thema, das Du hier ansprichst und alles, was Du geschrieben hast, ist richtig. Aber ich hätte mir doch – und vielleicht ging es dem Fragenden ebenso – eine klarere, konkretere Antwort gewünscht.

    In Detmold und im Kreis Lippe gibt es sehr viele Gemeinden, einige sind sich sehr ähnlich, bei anderen sind die Unterschiede aber auch sehr groß, ob es nun in der Theologie oder in der Kultur begründet liegt. Gerade die großen russlanddeutschen Gemeinden waren sich da in der Vergangenheit zu oft selbst genug und haben den Kontakt zu anderen nicht gesucht bzw. nicht zugelassen. Dass es jetzt, wie ich hörte, wenigstens mal einen gemeinsamen Gottesdienst mehrerer „Aussiedler“- und „Deutschen“-Freikirchen gab, kann da nur ein Anfang sein. Was die Zusammenarbeit allein in diesem Bereich angeht, gibt es also noch sehr viel Nachholbedarf. Von den nicht vorhandenen Verbindungen zur Ev. Landeskirche, die für die meisten Aussiedler entweder unbekannt, „bäh“ oder beides ist, will ich gar nicht anfangen 😉

    Einheitsgrüße
    der Huge

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