Wie ich die Einheit des Leibes sehe. 02

Heute geht es um eine wahre Begebenheit, die sich vor 2000 Jahren irgendwo hier bei uns in Lippe (oder bei Kalkriese – die Historiker sich sich über den Ort nicht ganz einig!) so zugetragen hat. Diese Geschichte lehrt uns etwas wesentliches über Einheit, Kampf, Zersplitterung und Niederlage. Jeder kann selber für sich Schlussfolgerungen in Bezug auf „die Einheit des Leibes“ anstellen.

Es war ein nasskalter September morgen und es regnete in Strömen. Die 17, 18 und 19 römische Legion, drei Reitereinheiten und sechs Kohorten verließen in aller Frühe ihr Sommerquartier an der Weser. Die Aufgabe der über 20000 Mann starken und bestgerüsteten Armee jener Zeit war es, den Norden Germaniens bis zur Elbe „einzufrieden“ – d.h. in´s Römische Reich einzugliedern.

Wir schreiben das Jahr 9 n. Chr. (und Jesus Christus ist in Judäa gerade mal 14-15 Jahre alt geworden, macht wohl bei seinem Vater eine Ausbildung zum Zimmermann und ist vor Kurzem ein Rabbinerschüler geworden). Es sollte der letzte Feldzug des legendären römischen Generals Publius Quinctilius Varus sein. Varus war ein enger Vertrauter des Kaisers Augustus. Danach wollte sich Varus nach Rom zurückziehen und seinen Lebensabend genießen. Aber zunächst sollte das Heer zum befestigten Winterquartier jenseits des Rhein überführt werden.

Arminius war der Sohn des germanischen Cheruskerfürsten. Schon als Kind wurde er als Geisel nach Rom gebracht und dort zum Offizier ausgebildet. Das war die „feine römische Diplomatie“ jener Tage, um sich neue Stämme und Länder zu unterwerfen. Bei diesem besagten Feldzug diente Arminius dem Varus als eng vertrauter Offizier und Fährtensucher. Heimlich jedoch vereinte Arminius die germanischen Stämme zu einem Widerstand gegen Rom. Die Route, der Varus an diesem Tag folgte, war also von Arminius sorgfältig und penibel geplant. Das gesamte römische Heer musste dabei irgendwo in Lippe durch eine enge Schlucht im Teutoburger Wald geführt werden.

Diese Wegenge bekam ihre Begrenzungen zu einer Seite durch das verschlungene Dickicht des Teutoburger Waldes, zur anderen Seite durch ein lang ausgedehntes Sumpfgebiet. Die üblichen römischen Marsch- und Kampfformationen mussten hier aufgegeben und aufgelöst werden. Ein Historiker schreibt, dass der gesamte Zug der Römer ca. 20 km betragen habe.

Und in dieser Enge überfiel Arminius, mit seinem zahlenmäßig weit unterlegenem Heer, die Römer. Außerdem waren die Germanen z. T. mit sehr primitiven Waffen wie Äxten und Speeren ausgerüstet. Aber bei dieser Schlacht, die nur 4 Tage und 3 Nächte dauerte, besiegte Herrmann der Cherusker die zahlenmäßig und waffentechnisch weit überlegene Armee der Römer.

Was war seine Taktik? Ein römischer Historiker schreibt dazu:

Als Sumpf, Wälder und Regen die materiell überlegenen Römer behinderten und sich die Legionäre in einer lang gezogenen Marschkolonne durch das unwegsame Gelände bewegten, griffen Arminius und seine Verbündeten an. Arminius war sich bewusst, dass er die römischen Legionen in einem offenen Kampf nicht besiegen konnte. Für seine Angriffe wartete er jeweils die Zeitpunkte ab, an denen die Römer sich in lang auseinander gezogener Marschordnung befanden und die engen Täler und der Morast die übliche römische Kampftechnik gravierend einschränkten. Die Germanen attackierten in dichten Haufen die Flanken der Kolonne und versuchten, die einzelnen Truppenteile voneinander zu trennen.

Arminius hat gesiegt, weil es ihm in einem einmaligen und listigen Akt gelang, die Einheit der römischen Legionen aufzubrechen. Er wusste selber aufgrund seiner Ausbildung und Erfahrung, dass die Grundpfeiler römischer Kampftechnik deren beinahe undurchdringlichen Formationen waren. Und es gab für einen zahlen- und bewaffnungsmäßig unterlegenen Gegner nur eine Chance: die Einheit der Formationen musste um jeden Preis aufgebrochen werden.

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2 Antworten zu “Wie ich die Einheit des Leibes sehe. 02

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