Kultur des Reiches Gottes 03

GNADE

Wie wäre es, wenn Gnade zur Kultur einer Gemeinde gehören würde? Gnade? – das ist doch das „Kerngeschäft“ der Kirche, oder? Es wäre schön, wenn es so wäre! Aber was ist Gnade?

Gnade ist unverdiente Gunst – darüber sind wir uns alle einig. Die Gnade Gottes zu uns sendet Seinen Sohn…, und die Bibel macht keinen Hehl daraus, in welchem Zustand uns diese Gnade Gottes erreicht: „als wir noch Sünder waren…“ Röm 5,8. Sämtliche metaphorische Terminologie der Errettung dokumentiert diese „freie Gnade Gottes“: wir sind Freigekaufte (dahinter steht das Bild des röm. Sklavenmarktes. Gottes Währung: das Blut Jesu), wir sind Adoptierte Kinder (dahinter steht das Bild des röm. Adoptionsrechts, Gott ist derjenige, der uns adoptiert), wir sind eingesetzt Erben (das ist wohl ein Überfluss und die Krönung der Gnade), wir sind Wiedergeborene (Geschenk des neuen Lebens…, keiner kann „sich selbst gebären“), wir sind Auserwählte … Doch Gnade ist noch mehr. Wir verdanken der Reformation diesen Aspekt der Gnade, andere Aspekte sind allerdings im Scheinwerferlicht dieser Entdeckung mehr und mehr in den Hintergrund oder gar in Vergesslichkeit geraten. Die Kultur des Reiches Gottes beginnt damit, dass Gott, der Schöpfer, in dieses Weltgeschehen durch Seinen Sohn Jesus Christus eingegriffen hat.

Gnade ist Kraft! Paulus fordert seinen Jünger Timotheus dazu auf: „Du nun, mein Kind, werde stark in der Gnade…“ 2 Tim 2,1.  Gnade macht stark, weil Gnade die rettende, erneuernde und schaffende Energie Gottes ist. Ein Sünder benötigt Gnade nur für die Vergebung, ein Heiliger braucht Gnade für sein ganzes Leben. Ein Heiliger verbrennt Gnade wie ein Airbus 380 beim Takeoff. Und es ist genug Gnade da: „Denn aus Seiner Fülle (nicht Messbecher! jaasch) haben wir alle empfangen, und zwar Gnade um Gnade“ Joh 1,16. Arm ist in der Tat derjenige, der Gottes Gnade (= die rettende, erneuernde und schaffende Energie Gottes) nur für seine Vergebung gebraucht und sie nicht auf andere Lebensbereiche (Erziehung, Arbeit, Freizeit, Veränderung, Finanzen, Gesundheit, Ehe, Krisen, Planungen, etc.) anwendet. Diese Art des Gnadenverständnisses nennt Dietrich Bonhoeffer „billige Gnade“. Die Gnade Gottes gibt Energie, macht verantwortlich, packt an, verändert und ist das genaue Gegenteil einer apathischen, fatalistischen Haltung – „Gott wird es schon irgendwie machen…“. Die Kultur des Reiches Gottes wird aufrecht erhalten von dieser göttlichen, schöpferischen und erneuernden Energie.

Gnade ist Dienst! Das gr. Wort für Gnade ist charis. Ein weiteres Wort, was in christlichen kreisen sehr oft verwendet wird heißt charisma (oft fälschlicherweise als Geistesgaben übersetzt). charis-ma ist ein zusammengesetztes Wort: der erste Teil ist charis (Gnade) und der zweite Teil ist ma (am besten Übersetzt mit Wirkungen (Energie)). Also ist charismata am besten zu übersetzen mit Gnadenwirkungen. Gnade als Energie Gottes trifft auf einen Energieumwandler – das sind Du und ich und wir alle, die Gottes Gnade in Jesus annehmen. Es ist wie mit dem Strom in unserem Haushalt – Energie trifft auf ganz unterschiedliche Haushaltsgeräte, mit ganz unterschiedlichen Wattstärken. Was machen diese Haushaltsgeräte? Sie wandeln Energie in Leistung (Arbeit) um. Daher hat Gnade im Reich Gottes, richtig verstanden und angewandt, verschiedene Kraftwirkungen (üblicherweise als Geistesgaben verstanden): Helfen, Apostel, Evangelist, Heilungen, Prophetie, Weisheit, Lehre, Leiten, usw. Diesen Aspekt der Gnade meint Paulus, wenn er zu den Ephesern (2,8-10) schreibt: „Durch Gottes Gnade seid ihr gerettet, und zwar aufgrund des Glaubens. Ihr verdankt eure Rettung also nicht euch selbst; nein, sie ist Gottes Geschenk. Sie gründet sich nicht auf menschliche Leistungen, sodass niemand vor Gott mit irgendetwas groß tun kann. Denn was wir sind, ist Gottes Werk; er hat uns durch Jesus Christus dazu geschaffen, das zu tun, was gut und richtig ist. Gott hat alles, was wir tun sollen, vorbereitet; an uns ist es nun, das Vorbereitete auszuführen.“

Gnade ist Heiligung! Gottes Gnade nimmt uns an wie wir sind, aber sie lässt uns nicht so wie wir sind. Wenn diese lebenspendende Energie Gottes uns erreicht, dann verändert sie uns. Es ist heute wenig zu hören von Heiligung. Vielleicht hat der Begriff und mancherlei Praxis zu Missmut und Missverständnissen geführt. Doch ist Heiligung als Prozess der Erneuerung und der christlichen Charakterbildung wesentlicher Bestandteil des Reiches Gottes und seiner Kultur. Kulturrelevant zu sein bedeutet: von Gott erneuert werden mitten in dieser Welt und diese Erneuerung in die Welt hinein tragen. „Salz und Licht“ in dieser Welt zu sein heißt: durch göttliche Andersartigkeit die Welt verändern. Dieses Ausleben der Werte des Reiches Gottes (s. Bergpredigt) war der Motor der urchristlichen Mission und ist sie auch heute noch.  Diesen Aspekt der Gnade gilt es heute neu zu entdecken, wenn wir eine Kultur des Reiches Gottes leben und mitten in dieser Welt ausbreiten wollen. Das ist es, woran Paulus seinen Mitarbeiter Titus (2,11-12) erinnert: „Denn in Christus ist Gottes Gnade sichtbar geworden – die Gnade, die allen Menschen Rettung bringt. Sie erzieht uns dazu, uns von aller Gottlosigkeit und von den Begierden dieser Welt abzuwenden und, solange wir noch hier auf der Erde sind, verantwortungsbewusst zu handeln, uns nach Gottes Willen zu richten und so zu leben, dass Gott geehrt wird.“

Der wesentliche Aspekt der Kultur des Reiches Gottes ist empfangene, erlebte, gelebte und verändernde Gnade!

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