Kultur des Reiches Gottes 05

LIEBE

Wie wäre es, wenn Liebe zur Kultur einer Gemeinde gehören würde? Liebe? – das ist doch das „Kerngeschäft“ der Kirche, oder? Es wäre schön, wenn es so wäre! Aber was ist Liebe?

Begriffe sind wie Gefäße, man kann sie unterschiedlich füllen. Im besonderen trifft das auf den Begriff Liebe zu. Liebe kann stehen für: Annahme, Erotik, Verständnis, Toleranz, Freundschaft, Hingabe, Sex, Geschmacksvorzüge, Verliebtheit, Emotionen, Konfliktscheue, usw. Und es ist nicht immer klar, wie wir diesen Begriff im täglichen Gebrauch und in dessen unterschiedlichsten Facetten dechiffrieren sollen.

In einigen Sprachen ist es wesentlich einfacher, weil es verschiedene Worte für Liebe gibt – so z. B. im Griechischen: philia (jemanden oder etwas mögen, gern haben, z. B. Liebe unter Freunden), eros (ist sehr einfach abzuleiten und steht für die erotische & sexuelle Beziehung) und dann gibt es den Begriff agape (die selbstlose, beschenkende, der Wahrheit verpflichtete Liebe).

Diesen letzten Begriff der agape-Liebe finden wir auf den Seiten des Neuen Testaments, um die Beziehung sowohl zwischen Gott und Mensch als auch zwischen Mensch und Gott, als auch zwischen Mensch zu Mensch zu qualifizieren. Es geht hier gewiss nicht um eine erotische Beziehung und es ist auch viel mehr als nur eine freundschaftliche Beziehung, die auf Sympathie beruht. agape ist zunächst einmal eine Eigenschaft Gottes, sein ureigenster Attribut: „Gott ist Liebe“ heißt es in der Schrift (1 Joh 4,8). Diese Liebe ist eine Materie und Kraft, die aus Gott kommt und alles erfüllt und überflutet, was sich dieser Liebe freiwillig öffnet. Aber es ist auch eine Liebe, obwohl sie immer zieht und überführt und um einen wirbt, die jede Zurückweisung, Ablehnung und Rebellion geduldig und demütig hinnimmt und akzeptiert.

  1. Gott ist die Liebe. Er ist die Quelle dieser unerschöpflicher, nie versiegender und immer hingebender Macht. Wer bedingungslose Liebe von einem Geschöpf erwartet und fordert, dessen Erwartungen können immer nur enttäuscht werden und dessen Beziehungen werden immer überstrapaziert und überfordert. Es gibt jede Menge Gemeinden, die an diesem Punkt gescheitert sind – weil sie als Gemeinschaft einander ständig aussaugen und überfordern… Wir sind doch eine „liebevolle Familie“, wir sollen doch „einander Lieben“, oder? Das ist richtig, doch zunächst muss jedem klar sein, aus welcher „Quelle“ wir dabei alle schöpfen müssen. Fokussiert sich (und das kommt schneller als man denkt!) unser Liebesdurst auf die „kleinen Bächlein“ einer Gemeinschaft und nicht auf den „großen Ozean“ Gottes, so sind diese „Bächlein“ schon bald versiegt. Und so werden schnell aus „Bächlein“ vor denen wir uns vor Durst verneigt haben, Geröllhalden, die uns nun genug Steine als Munition liefern.
  2. Liebe ist zugänglich. „Die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben worden ist.“ Röm 5,5. In dem Maße, in dem der Heilige Geist in unserem Leben zunehmend mehr Raum und Freiheit gewinnt, wird diese Liebe Gottes uns erfüllen, heilen und bestimmen. Darüber sollte, auch und besonders, in christlichen Kreisen kein Zweifel bestehen: Aus unseren eigenen Liebes-Ressourcen kriegen wir gerade noch so philia und eros zustande (was in dem dafür gesehen Rahmen durchaus wichtig und wertvoll ist). Aber das wichtigste, wo wir alle versagen und daher Gnade brauen, entgeht uns…
  3. „… liebe Gott von ganzem Herzen, …“ Der Sündenfall des Menschen besteht nicht in erster Linie darin, dass wir nun permanent gegen Ihn sündigen und gegen Seinen guten Willen verstoßen. Was zwischen Mensch und Gott wirklich steht ist: Misstrauen, Unglaube, Ablehnung, Unwahrheit… Seit uns die „Schlange“ den Virus in´s Herz injiziert hat: „… sollte Gott wirklich gesagt haben? …“ – ist in uns die Fähigkeit und Kraft, „Gott von ganzem Herzen zu lieben“, völlig abhanden gekommen. Und diese Liebe zu Gott ist die ordnende und heilende Kraft, die das ganze Universum zusammenhält. Diese Liebe ist in Jesus, durch Kreuz uns Auferstehung wieder neu frei gesetzt worden.
  4. „und deinen Nächsten, wie dich selbst.“ Die agape-Liebe kennt die Quelle und daher auch die sukzessive Ordnungen oder Prioritäten dieser lebenswichtigen Kraft. Gott – mein Nächster – ich selbst! Diesen Pfad wird die Kultur des Reiches Gottes immer wieder  pflegen und begehen: wir gehen gemeinsam zur Quelle, wir trinken uns selber satt und tanken auf (1. Gott lieben), wir geben diese Erfrischung gerne und fröhlich an unseren Nächsten, der gerade am verdursten ist, weiter (2. den Nächsten lieben) und so kommen wir in unserem innersten Wesen in unsere geschöpfliche Harmonie mit uns selbst (3. sich selbst lieben).
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