Umgang mit Kritik: 5 Tipps für Leiter

Ich erlebe es immer und immer wieder: Leiter reagieren schockiert, ängstlich, verunsichert, verärgert, enttäuscht, entmutigt und schlimmstenfalls geben sie auf, wenn sie kritisiert werden. Schon an anderer Stelle haben ich über den Wert und allgemeinen Umgang mit Kritik geschrieben. Heute will ich einige praktische Tipps geben, wie Leiter mit Kritik umgehen können.

  1. Rechne mit Kritik, denn die Kritiker rechnen mit dir. Ein türkisches Sprichwort sagt: „Nur ein voller Apfelbaum wird mit Steinen beworfen.“ So lange Du nichts wichtiges tust und bewegst, gehörst du der „grauen Masse“ an – kritisiert werden aber nur Individuen! Applaus, du gehörst dazu! Wen interessiert es, was du auf deiner Couch tust, oder versteckt in deiner Garage, was du heimlich denkst oder jemandem ins Ohr flüsterst? Gestalte einen Garten, backe eine Hochzeitstorte, singe öffentlich ein Lied, erzähle deinen Traum – und sofort bist du im Fokus der Kritik. Halte es mit Oskar Wilde, der gesagt hat: „Die Anzahl unserer Neider bestätigen unsere Fähigkeiten.“
  2. Erweitere deinen Horizont – deine Kritiker könnten dir dabei helfen. Leiter sind Leiter, weil sie vorangehen, weil sie innovativ, weil sie in vielerlei Hinsicht Pioniere und weil sie durchsetzungsstark sind. Aber Leiter sind nicht perfekt, sie machen auch Fehler. Auch du machst Fehler, lege daher alle Arroganz und (manchmal hilfreiche) Dickhäutigkeit ab und höre zunächst der Kritik zu, sie könnte ein Körnchen Wahrheit beinhalten. Deine Feinde werden jede Gelegenheit suchen, um über dich herzufallen. Denke daran – sie erweisen dir einen Dienst: du kannst dadurch stärker werden, klarer denken, schärfer sehen und besser werden. Kritik ist eine Chance, seinen Standpunkt neu zu überprüfen und zu verbessern. Albert Einstein hat zurecht auf diese Gefahr hingewiesen: „Der Horizont vieler Menschen ist ein Kreis mit dem Radius Null – und das nennen sie ihren Standpunkt.“
  3. Lass nicht zu, dass jeder in dein Leben hineinredet. Das scheint ein Widerspruch zu Punkt 2 zu sein, ist es aber nicht. Jeder Leiter muss wissen WER er ist, WAS er tut, WARUM er es tut, WOZU er etwas tut… Leiter müssen einige gute und ehrliche Freunde (nicht Schmeichler!) um sich haben, die sie lieben, respektieren und die integer sind. Diesen Menschen solltest du nicht nur erlauben, dich zu kritisieren, sondern von ihnen regelmäßig und proaktiv Feedback einholen. Sei sicher, dass diese Freunde keine kleinkarierten Kleingeister sind, von Neid und Eifersucht getrieben und zerfressen. Sei sicher, dass es Menschen sind, die dich beflügeln und nicht Deine Flügel stutzen wollen. Menschen, die das beste aus dir herausholen wollen und die keine Angst haben, selber von dir überholt zu werden. Die meisten Kritiker, denen Du begegnen wirst, wollen dich vernichten, kleinkriegen, demütigen (im schlimmsten Sinne), in ihre Box (Welt) verpacken, kontrollieren. Wenn du diesen Menschen erlaubst in dein Leben hinein zu sprechen, werden sie bald durch dein Leben sprechen. „Halte Dich fern von denjenigen, die versuchen, Deinen Ehrgeiz herabzusetzen. Kleingeister tun das immer, aber die wirklich Großen geben Dir das Gefühl, dass auch Du selbst groß werden kannst.“ Mark Twain
  4. Mache es recht, aber versuche nie, es allen recht zu machen. Wenn du Leiter bist, weil du geliebt, bejubelt, geehrt, respektiert, angesehen werden willst, dann kann ich dir nur eines raten: werde Schlagerstar in einem versoffenen Wiesn-Zelt auf dem Oktoberfest. Leiter, die das suchen, haben ein stark ausgeprägtes Ego, sind oft selbstverliebt, ausgestattet mit wenig Selbstwertgefühl und richten ihre Fähnchen immer nach dem Wind. Menschenfurcht ist eines der stärksten Disqualifikationsmerkmale in geistlicher Leiterschaft. Menschenfurcht ist der Untergang vieler Organisationen, Unternehmen und Kirchen. Menschenfurcht heißt, alle Werte dem eigenen Popularitätswert unterzuordnen. „Saul aber sprach: Ich habe gesündigt; aber ehre mich doch jetzt vor den Ältesten meines Volks und vor Israel.“ 1 Sam 15,30. „Eine Erfolgsformel kann ich dir nicht geben; aber ich kann dir sagen, was zum Misserfolg führt: Der Versuch, jedem gerecht zu werden.“ Herbert Swope
  5. Lass dich nicht auf Nebenkriegsschauplätze ein. „Kritiker sind Leute, die ursprünglich Henker werden wollten, diesen Beruf aber knapp verfehlt haben.“ Harald Pinter. Viel schlimmer noch – eine ständige Auseinandersetzung mit deinen Kritikern kann dir bei Lebzeiten dein Leben kosten. Der überwiegende Teil der Kritik deines Lebens gehört nicht in deinen Kopf und schon gar nicht in dein Herz, sondern in den Mülleimer. Lass es nicht zu, das deine Kritiker dir zu viel Zeit und Energie kosten. Bedenke: Es ist noch keinem Kritiker ein Denkmal errichtet worden! Verteidige dich nicht (es ist nur ab und an und viel seltener erforderlich als wir glauben!), hege keinen Groll und ärgere Dich nicht zu tief und zu lange („Wer sich ärgert, büßt die Sünden Anderer.“ Konrad Adenauer), nimm dich nicht zu ernst (wer nicht über sich selbst und seine Schwächen lachen kann, hat keinen Humor), bleibe fokussiert und lebe in deiner Berufung (die meisten Kritiker leben an ihrer Berufung vorbei und wollen, dass wir es ihnen nachmachen!).
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3 Antworten zu “Umgang mit Kritik: 5 Tipps für Leiter

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