Was ist die Gute Nachricht an der Guten Nachricht? 01

Ich lese derzeit ein sehr spannendes und wichtiges Buch von Scot McKnight „The King Jesus Gospel“, das sich mit der Frage beschäftigt: Was ist das Evangelium (das Jesus und die Apostel gepredigt haben)? Ich will in den nächsten Tagen etwas über die Inhalte und Diskussionen aus diesem Buch posten, weil ich diese Frage für eine der wichtigsten Fragen halte, die sich jeder Lehrer, Verkündiger, Pastor heute stellen sollte. Es ist heute im westlichen Christentum offensichtlich, dass die Evangeliumsverkündigung nicht dieselben Früchte, in Qualität und Quantität, hervorbringt, wie zur Zeit der Urkirche. Das kann gewiss an verschiedenen Faktoren liegen und ich meine auch nicht, das sich die Geschichte 1 zu 1 wiederholen muss. Auch ein Farmer kann trotz seiner fleißigen, gewissenhaften Arbeit, keine Ernte garantieren. Aber wenn er bei vergleichbaren Bedingungen, keine Frucht erntet, sollte er mal das Saatgut untersuchen. Unser „Saatgut“ ist das Evangelium, aber was ist das Evangelium? Diesem Thema wollen wir uns nun Schritt für Schritt mit Scot annähern.

1971 – so heißt das erste Kapitel.

Scot McKnight (ferner nur Scot) erzählt darin seine eigene Geschichte, wie er in das „Evangelistische Programm“ seiner Gemeinde hinein genommen wurde. Er besuchte eines Abends mit einem Diakon eine Familie, die bei einer Gelegenheit ein Besucherkärtchen nach dem Gottesdienst ausgefüllt hatte. Die Familie saß gerade beim Abendbrot, der Termin kam nicht nur unerwartet, sondern auch ungelegen. Aber die „Ewigkeit“ des Familienvaters stand auf dem Spiel – da sollte man nicht so zimperlich sein… Scot erlebte einen Abend (er sollte nur als Lehrling dabei sein und den Mund halten = still vor sich her beten!), an dem der besagte Diakon alle Register zog, um eine „Entscheidung“ herbeizuführen. Schließlich kam es dann doch, spät am Abend, zum „Übergabegebet“. Die Kirche bejubelte das Zeugnis des Diakons, Scot war zynisch und verwirrt, und der besagte Mann, ward nie wieder in der Kirche gesehen.

Dann Scots Frage und Schlussfolgerung: Warum ist die Evangelisation heute so besessen von ENTSCHEIDUNGEN? Die Apostel waren nicht davon besessen ENTSCHEIDUNGEN herbeizuführen, sondern Menschen zu JÜNGERN zu machen! Und dann kommt seine Hauptaussage in diesem Kapitel:

Those two words – decision and disciples – are behind this entire book. Evangelism that focuses on decisions short circuits and – yes, the word is appropriate – aborts the design of the gospel, while evangelism that aims at disciples slows down to offer the full gospel of Jesus and the Apostels. Page 18

ÜS: Diese beiden Worte – Entscheidung und Jüngerschaft – stehen hinter der Idee des ganzen Buches. Evangelisation, die auf Entscheidungen ausgerichtet ist, verkürzt und – ja es ist angemessen es so auszudrücken – kastriert die Absicht des Evangeliums, während die Evangelisation, die Jüngerschaft zum Ziel hat, dazu führt, dass das volle Evangelium von Jesus und den Aposteln angeboten wird. Seite 18

Zum Schluss belegt der Autor das ganze Drama der (amerikanischen) Kirche (das aus einem falsch verstanden, weil verkürzt und falsch gepredigten Evangelium entstanden ist) mit einigen Statistiken des Barna-Instituts:

  • 75% aller Amerikaner haben demnach eine „Entscheidung“ für Jesus getroffen
  • nur 25% von ihnen besuchen regelmäßig eine Kirche
  • von 60% aller Teens (13-17 Jahre), die eine „Entscheidung“ treffen, leben nur noch 6% in Jüngerschaft (Schwer zu messen, aber Barna hat einige sehr plausible Messeinheiten definiert)
  • speziell bei Protestanten (die Evangelikalen, die „das Evangelium“ verkündigen fallen auch in diese Kategorie!) liegen die Teenie-Entscheidungen bei 80%, in der Jüngerschaft leben später aber nur noch 20%

(Übrigens: in unserem Land sähen die Statistiken nicht anders aus.)

Die Frage, die im Raum stehen bleibt ist die: Was ist das Evangelium unserer Evangelisationsbemühungen, das solche Ergebnisse (bereits über Jahrzehnte) hervorbringt? Und viel wichtiger: Welches Evangelium führt, jenseits von Entscheidungen, zu Jüngerschaft?

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5 Antworten zu “Was ist die Gute Nachricht an der Guten Nachricht? 01

  1. sehr wichtiges thema. dabei wissen die christen doch leider zu oft und zu genau, was das evangelium ist. wir sollten uns neue fragen stellen!!#

  2. Was ist die Gute Nachricht? Sehr gute Frage, besonders, wenn ich mir Textstellen wie Mk. 10, 17-30 ansehe. Da ich (global gesehen) zu der angesprochenen Gruppe zähle, sind das keine Nachrichten, die mir Freude bereiten.
    Aber die Aussicht auf eine neue, heile Welt, dass weckt Hoffnung und Mut.

  3. Jacob, soll ich auf Deutsch schreiben? Ich versuche … Vielen Dank für diese Zusammenfassung. Die Fragen sind meine wichtstige Fragen, and hoffentlich werde ich von deinen Deutschen Christen etwas lernen.

    Am Anfang war das Evangelium!

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