Was ist die Gute Nachricht an der Guten Nachricht? 05

Ich lese derzeit ein sehr spannendes und wichtiges Buch von Scot McKnight „The King Jesus Gospel“, das sich mit der Frage beschäftigt: Was ist das Evangelium (das Jesus und die Apostel gepredigt haben)? Ich will in den nächsten Tagen etwas über die Inhalte und Diskussionen aus diesem Buch posten, weil ich diese Frage für eine der wichtigsten Fragen halte, die sich jeder Lehrer, Verkündiger, Pastor heute stellen sollte.

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The Apostolic Gospel of Paul

Warum beginnt Scot bei Paulus und nicht bei Jesus, wenn es um die Definition des Evangeliums geht? Dazu später in meiner Serie…

Wenn wir weit, sehr weit zurückgehen wollen, um die Apostolische Tradition des Evangeliums kennenzulernen, dann, so Scot, müssen wir mit 1 Korinther 15,1-28 beginnen. Warum? Er nennt 8 Gründe, die zu beachten sind:

  1. DAS EVANGELIUM. Paulus sagt hier selber, dass das, was nun kommt DAS Evangelium ist.
  2. TRADITION. Es handelt sich hierbei um DAS Evangelium, was Paulus selber empfangen (gr. parelabete) hat. Das gr. Wort deutet auf eine „autoritative Tradierung“ hin. Was Paulus hier offensichtlich sagen will ist, dass DIESES Evangelium alleine authentisch, zuverlässig von ALLEN Aposteln so empfangen wurde (von Jesus!) und so nun auch in einer ununterbrochenen Sukzession sorgfältig und treu weitergegeben wird.
  3. DEFINITION. Was Evangelium ist und was nicht, ist klar definiert, darin besteht keine Unklarheit.
    … Christus ist gestorben,
    Er wurde begraben,
    Er stand von den Toten auf,
    Er erschien den Aposteln …
  4. AUFLÖSUNG DER GESCHICHTE ISRAELS. Dass alles „… nach den Schriften“ geschehen ist, ist dem Apostel besonders wichtig. Das Evangelium hängt nicht im luftleeren Raum, es ist fest verankert in der großen Story der Bibel und damit in der Story Israels. Jesus, als Knecht Gottes, vollendet die Geschichte und die Berufung des Volkes Gottes in vielfacher Weise und wird nun dadurch der König aller Könige und das Haupt eines neuen, weltumspannenden Volkes.
  5. RETTUNG FLIESST AUS DEM EVANGELIUM HERAUS. Rettung ist das beabsichtigte Resultat der Evangeliums-Story über Jesus, der die Geschichte Israels zum Ziel führt. Aber das Evangelium ist größer als der Plan der Errettung (wie wir das bereits vorher definiert haben). „… für unsere Sünden“, verbindet Paulus direkt mit dem „… Christus starb“ und zeigt damit, dass das Kreuz und die Vergebung (Versöhnung) entscheidend sind beim Evangelium.
  6. EINE KOMPLETTE STORY. Die Geschichte Jesu (und des Evangeliums!) ist eine komplette Geschichte und nicht nur Karfreitag. Es handelt sich um Events in der realen Geschichte: Tot, Beerdigung, Auferstehung, Erscheinungen… Aber die Geschichte von Jesus geht noch weiter…: „Nun aber ist Christus aus den Toten auferweckt; er ist der Erstling der Entschlafenen geworden. Denn weil der Tod durch einen Menschen kam, so kommt auch die Auferstehung der Toten durch einen Menschen; denn gleichwie in Adam alle sterben, so werden auch in Christus alle lebendig gemacht werden. Ein jeder aber in seiner Ordnung: Als Erstling Christus; danach die, welche Christus angehören, bei seiner Wiederkunft; danach das Ende, wenn er das Reich Gott, dem Vater, übergeben wird, wenn er jede Herrschaft, Gewalt und Macht beseitigt hat. Denn er muß herrschen, bis er alle Feinde unter seine Füße gelegt hat. Als letzter Feind wird der Tod beseitigt. Denn »alles hat er seinen Füßen unterworfen«. Wenn es aber heißt, daß ihm alles unterworfen ist, so ist offenbar, daß derjenige ausgenommen ist, der ihm alles unterworfen hat. Wenn ihm aber alles unterworfen sein wird, dann wird auch der Sohn selbst sich dem unterwerfen, der ihm alles unterworfen hat, damit Gott alles in allen sei.“ 1Kor 15,20-28
  7. JESUS IST DAS EVANGELIUM. Die zentrale Person des Evangeliums ist Jesus. Es ist eine Geschichte über Jesus als Messias, Jesus als Herr, Jesus als Retter und Jesus als Sohn. Und auch alle diese Titel sind tief verankert in der Story Israels. Wer z. B. den Titel „Sohn“ und „Herr“ verstehen will, muss Psalm 2 lesen und verstehen… Immer und immer wieder betont Paulus diese Zentralität von Jesus in seiner Verkündigung: „Was immer Gott an Zusagen gemacht hat – in seiner Person finden sie alle ihre Erfüllung. Er ist das Ja, und deshalb sprechen wir auch unter Berufung auf ihn zur Ehre Gottes das Amen. Gott selbst ist es, der uns zusammen mit euch ´im Glauben` an Christus, ´seinen Gesalbten,` festigt. Er hat uns alle gesalbt ´und damit in seinen Dienst gestellt´; er hat uns auch sein Siegel aufgedrückt ´als Bestätigung dafür, dass wir jetzt sein Eigentum sind`, und hat uns seinen Geist ins Herz gegeben als Unterpfand und Anzahlung ´für das, was er uns noch schenken will`. 2Kor 1,18-22
  8. DAS ENDE. Das Evangelium hat ein sehr klares Ende im Sinne einer Vollendung: „Wenn ihm aber alles unterworfen sein wird, dann wird auch der Sohn selbst sich dem unterwerfen, der ihm alles unterworfen hat, damit Gott alles in allen sei.“ 1Kor 15,28. Die Story des Evangeliums wird damit enden, dass Gott der Vater Gott sein wird für alles, in allem und durch alles; und Jesus, der Sohn, wird dadurch verherrlicht werden, dass Er alle Herrlichkeit, Ehre und Macht dem Vater übergibt.

Was ist an dieser Story anders als beim (persönlichen) Plan der Errettung? Scot bringt es am Ende des Kapitels auf den Punkt:

We are tempted to turn the story of what Gos is doing in this world through Israel and Jesus Christ into a story about me and my own personal salvation. In other words, the plan has a way of cutting the story about God and God´s Messiah and God´s People into a story about God and one person – me – and in this story the story shifts from Christ and community to individualism. We need the latter without cutting of the former.

ÜS: Wir sind versucht die Geschichte dessen, das was Gott in dieser Welt durch Israel und Jesus Christus tut, in eine Geschichte über mich und meine persönliche Errettung zu verdrehen. In anderen Worten: der Plan der Errettung hat dazu geführt, dass die Story über Gott, Seinen Messias und Seinem Volk zu einer Story über Gott und einer einzigen Person wurde – mich – und in dieser Story verschiebt sich alles von Christus und (Seiner) Gemeinde hin zum Individualismus. Wir brauchen das letztere ohne das erstere abzuschneiden.

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