Erst Traxel, jetzt Neufeld – neuer Betrugsskandal unter Russlanddeutschen

Kalletal (idea) – Zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres verlieren russlanddeutsche Christen voraussichtlich viel Geld bei einer vermeintlich sicheren Kapitalanlage: Die Neufeld GmbH (Kalletal bei Lemgo) bot Grundstücke in einer „Kolonie Neufeld“ in Paraguay zum Kauf an.

Ihren vermeintlichen Landbesitz sollten die Käufer an eine Genossenschaft abtreten, die dort mit dem Anbau von Macadamia-Nüssen Geschäfte machen wollte. Geschäftsführer Nikolai Neufeld versprach eine jährliche Rendite von 12 Prozent und mehr. Etwa 1.600 private Anleger – darunter viele russlanddeutsche Christen – gingen auf sein Angebot ein und zahlten rund 45 Millionen Euro. Über die Neufeld GmbH wurde Anfang November das Insolvenzverfahren eröffnet. Der Geschäftsführer befindet sich in Untersuchungshaft. Er wird verdächtigt, erwerbsmäßig betrogen zu haben, sagte der Bielefelder Oberstaatsanwalt Klaus Pollmann gegenüber idea. Nach Auskunft des Insolvenzverwalters der Neufeld GmbH, Rechtsanwalt Raimund Schafmeister (Detmold), gehörten die Grundstücke in Paraguay nicht dem Unternehmen, sondern Neufeld persönlich. „Die Urkunden, die Käufer unterschrieben, waren das Papier nicht wert, auf dem sie stehen“, so Schafmeister gegenüber idea. Die deutschen Käufer seien in Paraguay nicht als Grundstückseigentümer ins Grundbuch eingetragen worden.

Bereits vor einem Jahr hatten in Deutschland russlanddeutsche Christen voraussichtlich über 10 Millionen Euro verloren, als die von dem Missionar und Geschäftsmann Paul Traxel (Bornheim bei Bonn) gegründete TXL Business Academy Insolvenz anmelden musste. Traxel wollte mit Währungsgeschäften hohe Renditen erzielen und Geld für die Missionsarbeit erwirtschaften. Auch gegen ihn läuft ein Ermittlungsverfahren, über eine Anklageerhebung ist nach Auskunft der Staatsanwaltschaft Bonn aber noch nicht entschieden.

Quelle & ganzer Artikel: idea.de

Und hier der Artikel in der LZ

Neufeld-Brüder sollen 20.000 Landsleute geprellt haben.

Staatsanwaltschaft ermittelt in riesigem Betrugsfall – 60 Millionen Euro Schaden. Die Behörde ermittelt in einem gigantischen Fall von Betrug und Untreue, wie Oberstaatsanwalt Klaus Pollmann dieser Zeitung sagte. Der Gesamtschaden beläuft sich Schätzungen zufolge auf rund 60 Millionen Euro. Bis zu 20.000 Gläubiger sollen betroffen sein.

Die Geschädigten – überwiegend Russlanddeutsche mennonitischen Glaubens – hatten Geld in Ackerland in Paraguay investiert um dorthin auszuwandern. Eingefädelt hatten das Geschäft die Brüder Nikolai (50) und Johannes N. (48) aus Kalletal. Sie boten die Grundstücke in der „Kolonie Neufeld“ in der russischsprachigen Monatszeitung Semljaki an. … Bemerkenswert besonders die folgende Analyse des Journalisten:

Die Geschädigten seien im doppelten Sinne auch deshalb besonders betroffen, weil der Verdacht bestehe, dass sie „von Glaubensbrüdern über den Tisch gezogen worden sind“, wie Zacharias sagt.

Ich würde sagen:

Das Bedauerliche ist, dass diese Glaubensbrüder immer wieder auf solche Betrüger hereinfallen. Sie öffnen scheinbar jedem ihre Gemeindehäuser und Kanzeln, der einen russlanddeutschen Namen hat, einigermaßen Prozentrechnung beherrscht, hohe Renditen verspricht und ein frommes Gebet (vorher und) hinterher sprechen kann. Das „Gute“ an diesen Gemeinden ist, das sie ein „geschlossenes System“ – eine Art „Ökotop“ sind – ist der Schädling erst einmal drin, kann er sich fast ohne jegliche Hindernisse ausbreiten.

Die Homepage der Betrüger ist zum Glück schon gesperrt…

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Eine Antwort zu “Erst Traxel, jetzt Neufeld – neuer Betrugsskandal unter Russlanddeutschen

  1. Soweit ich weiß, haben die beiden Herren Neufeld nie von einer Kanzel für ihr Projekt werben dürfen. Die beiden haben – wiederum soweit ich weiß -auch überhaupt keinen religiösen Hintergrund oder irgendeine Gemeindezugehörigkeit. Und die meisten, die mitgemacht haben, sind überhaupt nicht religiös.
    Diejenigen, die als Siedler in diese Kolonie gezogen sind, sind sicherlich von der in Aussiedlerkreisen sehr weit verbreiteten nostalgischen Sehnsucht nach einem landwirtschaftlichen Leben mit möglichst großer Selbstbestimmung geleitet worden. Denjenigen, die Geld investiert haben, hat die Tatsache, dass die Projektbegründer „die unsrigen sind“ und dass alle Informationen auf Russisch verfügbar waren als Vertrauensbasis gereicht.
    Ich betrachte diesen Fall weniger als spezifisch christliches Problem, sondern halte ihn für symptomatisch für einen Teil der Russlanddeutschen.

    just my two cents

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