Warum nach 100 Jahre Titanic auch weiterhin Schiffe sinken …

und Menschen dabei umkommen werden.

Es ist schon eine Ironie des Schicksals, was ich heute in einer Zeitung zum Schiffsunglück der Costa Concordia las:

Man hat den Film «Titanic» vor Augen, wenn man sich auszumalen versucht, wie die Tragödie der Costa Concordia wohl verlief.
Yannick Sgaga: Die Filmbilder sind realistischer als man denkt. Ich hatte sie immer wieder im Kopf. Als der Kreuzer den Felsen rammte, lief übrigens in einem Restaurant gerade Céline Dions «My heart will go on», der «Titanic»-Filmsong.

Es gibt noch mehr Parallelen zur Titanic:

  1. Verharmlosung. In Augenblicken wie diesen ist es anscheinend sehr schwer, sich der Realität zu stellen. Bei der Titanic wurde auch erst nach einer Stunde mit der Evakuierung begonnen… Die Rettungsaktion wurde dann auch nur als „Übung“ angesagt, an der viele sich weigerten teilzunehmen.
  2. Verdrängung. Die Musikkapelle der Titanic bekam die Anweisung, an Deck des Schiffes Ragtime-Musik und andere „heitere Stücke“ zu spielen, um Panik zu vermeiden. Das Ergebnis allerdings war, das der Ernst der Lage von vielen nicht wahrgenommen wurde, da auch das Schiff zunächst lange Zeit keine Anzeichen einer schweren Havarie von sich gab.
  3. Kein (Rettungs)Plan. Die zu wenigen Rettungsbote (sie reichten bei der Titanic nur für ca. 50% der Passagiere) wurden z.T. fast gar nicht oder nur mit der Hälfte der möglichen Passagiere auf´s Wasser gelassen. Die Crew hatte diesen „Fall“ nie geübt, da die Titanic aufgrund ihrer Konstruktion praktisch als unsinkbar galt. Dazu hielten sich die Offiziere natürlich strikt an die Regel „Kinder und Frauen zuerst“ und da sich einige Frauen samt Kindern (aufgrund von Punk 1 & 2) weigerten, an der „Übung“ teilzunehmen, wurden die Rettungsboote dann halbleer gefiert.
  4. Mangelnde Sicherheitsvorkehrungen. Es ist bekannt geworden, dass die Titanic noch nicht einmal ein Fernglas an Bord hatte. Hier war sie nun, die Bezwingerin der Meere und Ozeane, wie aus Titan gepanzert: „Volle Kraft voraus“ – so lautete der Befehl des Kapitäns. Mit den vollautomatischen Türen zwischen den 16 wasserdicht abschottbaren Abteilungen konnte man es sich leisten, ohne Sicht im bekannten Eisberggebiet vor Neufundland mit Vollgas zu fahren.
  5. Fehlbare Menschen. Augenzeugen haben berichtet, dass einige Arbeiter die Worte „NO GOD“ in großen Lettern auf das Kiel der Titanic gepinselt hatten, bevor das Schiff die Werft verließ. Aber ganz gleich, ob das stimmt oder nicht, erhebt sich seit dem Turmbau zu Babel bei jedem „Megabau“ des Menschen auch immer seine Hybris. Ein kleiner Eisberg oder Felsbrocken genügen, um uns wieder neu unsere Verletzlichkeit und Fehlbarkeit zu zeigen. Diese Lektion erfordert immer zu viele Opfer, und die Hoffnung bleibt, dass wir sie verstehen und daraus lernen werden.
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