Mehr als oberflächlich! Wie wir Menschen durch Veränderungsprozesse führen. 05

Wir als mosaikchurch beginnen dieses Jahr mit einer Kampagne unter dem Arbeitstitel: „Mehr als oberflächlich! Den Glauben tiefer verwurzeln.“ Ich beginne heute mit einer neuen Post-Serie zum Thema: „Wie wir Menschen durch Veränderungsprozesse führen.“ Wie schon auf unserer Homepage gesagt, geht es im Kern der Kampagne um tiefgehende emotionale und spirituelle Wachstumsprozesse. Veränderung „passiert nicht einfach“, Veränderung muss bewusst gewollt und angegangen werden. Außerdem brauchen wir für Veränderung viel Mut, immer wieder der Wahrheit in´s Auge zu schauen und Durchhaltevermögen, da die „eingeübten Verhaltensweisen“, die uns in die gegenwärtige Misere gebracht haben, sehr tief sitzen und meistens schon zu unserer „zweiten Natur“ geworden sind. Ich will hier in den folgenden Tagen & Wochen zunächst 8 Schritte aufzeigen, wie wir uns selber und andere Menschen durch Veränderung führen können.

SCHRITT 1: Wecke ein Gefühl der Dringlichkeit!
SCHRITT 2: Werde Teil einer heilenden Gemeinschaft
SCHRITT 3: Entwickle eine Zielvorstellung und eine Strategie für Veränderung
SCHRITT 4: Bekomme mehr Verständnis und Akzeptanz

SCHRITT 5: Übe neue Denk- und Verhaltensweisen ein

Veränderungsprozesse sind u. U. deswegen so schwierig, weil wir oft mit Denk- und Verhaltensmustern, die wir verändern wollen, gleichzeitig so sehr verwachsen sind, dass sie zu unserer „zweiten Natur“ (die Engländer sagen das etwas abgeschwächter – second skin) geworden sind. Menschen verändern sich aber auch nicht nur deswegen, weil sie nun zu „glauben“ beginnen. Der Glaube berührt und transformiert sehr oft nicht die tieferen Schichten unseres Wesens, unserer Weltanschauung und unserer Werte. Nicht selten haben wir daher die Konstellation: frommes Herz – heidnischer Kopf oder umgekehrt.

Die Bibel ist an der Stelle unmissverständlich, dass Gottes Rettung durch Jesus umfassend ist – dazu gehören Versöhnung und Vergebung durch das Kreuz, als auch die Neuordnung der Schöpfung durch die Auferstehung. Auf das Leben als Christ angewendet heißt das: neue Identität in Jesus führt zum veränderten Leben, das sich aus Gottes Kraft nährt und nach Gottes Willen ausrichtet. In welchem Spannungsbogen dieses Leben verläuft erklärt am besten die folgende Geschichte.

Der bettelnde Königssohn

Es sind uns nicht alle Einzelheiten dieser Begebenheit bekannt, sicher ist jedoch, dass ein großer König eines Tages einen lang ersehnten Sohn bekam – den Thronerben – und dass dieses Baby ein auffälliges Feuermahl am Arm trug. Sicher ist auch, dass es kurz darauf bei einem Unfall verloren ging. Wir wissen nicht genau, wie sich das zutrug. Vielleicht kippte der königliche Schlitten bei der Reise im nächtlichen Wald aufgrund einer verborgenen Wurzel in eine große Schneewehe, und wahrscheinlich wurden der ohnmächtige König und seine Gemahlin in dem folgenden Durcheinander geborgen und schnellstens in das nächste Dorf transportiert. Verbürgt ist aber, dass das Baby nicht mehr aufzufinden war, als die Diener des Königs schnellstmöglich zur Unfallstelle zurückkehrten.

Eine Horde Bettler hatte es beim vorbeigehen schreien gehört und aus der Schneewehe gezogen. Sie sahen die prächtigen Kleider und die kostbaren Stoffe mit den Insignien eines hohen Herren, die das Baby trug, aber da sie nicht lesen konnten, sondern hungrig waren und froren, nahmen sie das Kind und verkauften seine Kleidung.

Der König war außer sich vor Sorge und Schmerz um seinen Verlust, und er schickte von diesem Tag an seine Boten durch das ganze Land und über die Grenzen hinaus, um einen Jungen mit einem Feuermahl am Arm zu suchen – seinen Sohn. Wir kennen nicht die genaue Zahl der Tage, Monate oder Jahre die das Kind unter den Bettlern lebte, aber es wuchs im Schmutz von Lumpen und mit Ratten und Flöhen auf, und es lernte zu betteln, zu lügen und zu betrügen, es lernte zu fluchen und auch zu stehlen. So lebte es – ein Bettler unter Bettlern – bis zu jenem denkwürdigen Tag, als die Boten des Königs es fanden.

Auch hier sind uns die genauen Umstände unbekannt – Gerüchten zufolge war der Junge zum zweiten mal beim Stehlen erwischt worden und hatte bereits den Strick um den Hals, um auf dem Marktplatz gehängt zu werden, als die königlichen Boten eintrafen, und das Feuermahl auf dem entblößten Arm des Bettlers entdeckten. Jedenfalls schritten sie sofort ein, befreiten den Jungen und nahmen ihn mit zum König. Der Bettlerjunge seinerseits hatte Angst, dass noch schlimmeres auf ihn zukommen würde – etwa Tod durch Folter – und als die Boten ihm die frohe Botschaft überbrachten, dass er der verlorene und lange gesuchte Sohn des Königs sei, hielt er es für einen grausamen Scherz. Tatsächlich versuchte er mehrmals vergeblich aus der Kutsche zu springen, um zu entkommen. Seine Verwirrung wuchs, als er, im Schloss angekommen, vom König und seiner Gemahlin überglücklich in die Arme geschlossen wurde und der Verdacht keimte in ihm auf, dass es sich um eine entsetzliche Verwechslung handeln müsse.

Als er dann an einem Spiegel vorbeikam schien alles mehr denn je ein Hohn zu sein. Sah denn so etwa ein Königssohn aus? In Lumpen gekleidet, unangenehm riechend, verlaust und in gebückter und unterwürfiger Haltung? Wir können uns vorstellen, dass er in der ersten Nacht versucht haben wird, das Schloss durch ein Fenster zu verlassen und zu fliehen, dass er einige Dinge gewohnheitsmäßig „mitgehen“ ließ und sich dabei komischerweise selbst bestahl. Es wäre auch kein Wunder, wenn er noch einige Zeit unter heimlicher Todesfurcht zu leiden hätte, wenn er sich in seinen neuen Kleidern absolut lächerlich fühlen würde und immer wieder eine große Abneigung gegen die Badewanne überwinden müsste.

Ohne die Herausforderungen und Umstände im einzelnen näher auszumahlen, wird vielleicht dennoch annähernd deutlich, was auf den jungen Bettler in den nächsten Wochen, Monaten und Jahren zukommen wird. Er muss der werden, der er wirklich ist: der Sohn des Königs und der zukünftige Regent des Landes! Und man kann sich vorstellen, welcher herausfordernden Aufgabe die Diener des Königs dabei gegenüberstanden, den Königssohn in die verschiedensten Bereichen dieses Erbes hineinzuführen. Es wird Geduld brauchen, bis sich der ehemalige Bettler seiner königlichen Natur entsprechend benehmen wird und es wird noch länger dauern, bis er tatsächlich wie der Erbe des Reiches denkt und sich auch so fühlt. Wahrscheinlich erlebt er auch ab und zu einen „Rückfall“ in das alte Bettlerleben und muss sich neu besinnen.

Dieser Wachstumsprozess in die Wahrheit hinein wird von verschiedenen Faktoren begünstigt oder erschwert sein. Zum einen spielt die Zeit eine Rolle, die der Königssohn als Bettler und Dieb gelebt hat. Je mehr Zeit vergangen ist, desto tiefer sitzt diese falsche Identität. Etwas anderes spielt in diesem Prozess allerdings eine noch größere Rolle: die Frage, welche Bedeutung der Sohn seinen eigenen Erinnerungen, Gedanken und Gefühlen beimisst und welche Bedeutung dementsprechend die Aussagen des Königs und der Dienerschaft für ihn haben. Der Prozess wird sehr begünstigt, wenn er sich entschließt, den Worten des Königs absolute Priorität und Glaubwürdigkeit einzuräumen und davon auszugehen, dass die eigenen Informationen über sich zunächst keinen großen Wahrheitsgehalt aufweisen. In jedem Fall erwartet den bettelnden Königssohn nach seiner Rückkehr an den Hof ein Kampf – ein Kampf zwischen verschiedenen und widersprüchlichen Informationen. Und vom Verlauf dieses Kampfes wird abhängen, inwieweit er in der Lage sein wird, das Reich später zu regieren; denn als Bettler wird er es nicht können.

Die Geschichte entspricht der Natur des Kampfes, den jeder antritt, der sich bekehrt. Eines Tages findes uns Gottes Liebe und wir werden Seine Kinder. Und dennoch braucht es Zeit, zu verstehen, wer wir in Christus sind. Die Herausforderungen, denen sich der junge Thronfolger gegenüber sieht, entsprechen denen, die auf einen Menschen zukommen, der von Gott erlöst wurde. Und so wie der Bettlerjunge, wird jeder Sohn, den der Vater aufnimmt, die Werke Gottes nur in dem Maße antreten können, wenn er weiß, wer er wirklich ist. Der König des Himmels sagt seinen Kindern, dass sie geliebt, geheiligt und befreit sind, aber die wenigsten Kinder fühlen und erleben sich so. Sie schauen dann häufig in den Spiegel, um die neue Kreatur zu entdecken, aber sie finden sie dort häufig nicht. Sie ziehen ihr Verhalten und ihre Gefühle und alles mögliche andere herzu, um davon abzuleiten, wie wenig königlich sie sind. Dabei vergessen sie, dass man im Himmel und auf der Erde und auf der ganzen Welt nur durch eine einzige fundamentale und unabänderliche Tatsache königlich wird, und zwar durch die Geburt!

Und so müssen viele Christen wieder lernen, sich selbst von ihrer Geburt in Jesus und den fundamentalen biblischen Aussagen über sie abzuleiten. Die meisten Christen haben damit ein Problem. Sie machen es falsch herum; sie schauen in verschiedene Arten von Spiegeln, betrachten sich selbst, die Erfahrungen, die sie in der Vergangenheit gemacht haben, und ihre Eigenschaften und leiten davon ihre Identität ab, statt umgekehrt von ihrer wahren Identität auf die Aufgaben und Eigenschaften zu schließen, die damit einher gehen. Sie haben vergessen, dass es nur einen einzigen Spiegel gibt, in dem man wirklich sehen kann, wer man ist: die Augen Gottes!

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Eine Antwort zu “Mehr als oberflächlich! Wie wir Menschen durch Veränderungsprozesse führen. 05

  1. Wenn du mich fragst, dann liegt das größte Problem in folgendem Zitat dieser wunderschönen Geschicht verborgen:
    “ inwieweit er in der Lage sein wird, das Reich später zu regieren; denn als Bettler wird er es nicht können“.
    SPÄTER is nich! SPÄTER ist zu spät.
    Das ist wie Trockenübungen zum Schwimmen lernen. Ein Paar davon sind sicher hilfreich. Aber die meisten Christen praktizieren ihr Leben lang „Trockenübungen“. Davon haben wir sicher genug. Aber wirklich gelernt haben wir noch lange nicht genug. Die gesamte Schöpfung wartet auf das Offenbarwerden der Kinder Gottes.
    … Aber das weißt du ja schon.

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