Kritik-Kultur statt Kritik-Kult. Wie wir in der Kirche mit Kritik umgehen sollten.

Ein Kritiker ist eine Henne, die gackert, wenn andere Eier legen. Giovanni
Guareschi, ital. Schriftsteller, 1908-1968

Wir Deutsche sind Meister in Kritik – das sagen mir immer wieder gute Freunde, die im In- oder Ausland in Führungspositionen stehen. Und wir sind nicht die Art von Meister, die Kritik besonders gut meistern, sondern eher die Art, die die Kritik zu einem Kult erhoben haben. Egal ob in Wirtschaft, Politik oder Kirche – überall hagelt es Kritik. Kann es sein, dass Deutschland, obwohl eines der reichsten Länder der Welt, deswegen nicht zu den glücklichsten Ländern zählt?

Eine Organisation, die einem Kritik-Kult verfallen ist, hat nicht nur unglückliche und unproduktive Mitarbeiter und Vorgesetzte, sondern auch bald keine Zukunft. Mir scheint allerdings auch, dass in Kirchen und daher von Menschen, die sich christlichen Werten verschrieben haben, genauso erbarmungslos und zerstörerisch kritisiert wird, wie in der Welt, da draußen…

Was sagt die Bibel zum Thema Kritik und welche Kultur sollte eine Kirche diesbezüglich entwickeln? Hier die Top 5:

  1. Fang bei dir persönlich an. »Verurteilt niemand, damit auch ihr nicht verurteilt werdet. Denn so, wie ihr über andere urteilt, werdet ihr selbst beurteilt werden, und mit dem Maß, das ihr bei anderen anlegt, werdet ihr selbst gemessen werden. Wie kommt es, dass du den Splitter im Auge deines Bruders siehst, aber den Balken in deinem eigenen Auge nicht bemerkst? Wie kannst du zu deinem Bruder sagen: ›Halt still! Ich will dir den Splitter aus dem Auge ziehen‹ – und dabei sitzt ein Balken in deinem eigenen Auge? Du Heuchler! Zieh zuerst den Balken aus deinem eigenen Auge; dann wirst du klar sehen und kannst den Splitter aus dem Auge deines Bruders ziehen.« Mat 7,1-5. Jesus will damit nicht Kritik, Beurteilung und Meinungsbildung als solches verbieten, sondern er will zunächst einmal, dass wir eine wahrhaftige, gesunde und kritische Selbstwahrnehmung entwickeln. Er will damit sagen, dass der Splitter im Auge deines Nächsten aus demselben Holz ist, wie der Balken in deinem eigenen. Die Fehler und das Versagen der anderen zeigen uns oft in hässlicher Weise unsere eigenen Defizite auf. Aber anstatt an uns zu arbeiten, uns vor Gott zu demütigen, unsere Schuld zu bereinigen, gehen wir viel lieber zum kritischen, hartherzigen, verurteilenden, blinden Gegenangriff über, selbst Gott gegenüber: „Die Frau, die Du mir gegeben hast…“
  2. Übernimm Verantwortung für deine eigenen Aufgaben. „Geschwister, wenn sich jemand zu einem Fehltritt verleiten lässt, sollt ihr, die ihr euch von Gottes Geist führen lasst, ihm voll Nachsicht wieder zurechthelfen. Dabei muss aber jeder von euch auf sich selbst achtgeben, damit er nicht auch in Versuchung gerät. Helft einander, eure Lasten zu tragen! Auf diese Weise werdet ihr das Gesetz erfüllen, das Christus uns gegeben hat. Wer sich jedoch einbildet, er sei etwas Besonderes – obwohl er in Wirklichkeit nichts ist –, der belügt sich selbst. Vielmehr soll jeder sein eigenes Tun überprüfen! Dann kann er sich mit dem rühmen, was er selbst tut, und muss sich nicht mit anderen vergleichen. Jeder hat nämlich seine ganz persönliche Last zu tragen.“ Gal 6,1-5. Paulus sagt hier etwas sehr wertvolles und weises, was zu oft unter Christen überhört wird. Neben all der Nächstenliebe und Verantwortung für das schwächere Glied der Gemeinde, sollen wir zunächst und primär eigenverantwortlich denken und handeln. Überprüfe dein eigenes Werk, schau nicht auf den Nächsten, um dich mit ihm zu messen und zu vergleichen, denn das führt immer nur in zwei verkehrte Richtungen – Stolz oder Minderwertigkeit. Sind wir von einem der beiden erst gepackt, dann führt der Pfad weiter in Richtung Zynismus, Kritik, Sarkasmus und Streit. Im Gleichnis von Jesus von den „anvertrauten Talenten“ muss sich jeder persönlich und individuell für sein Werk verantworten. Die meisten Kritiker würden verstummen, wenn sie ihr Werk und nur ihr Werk allein begutachten sollten.
  3. Kritisiere nicht zu schnell. „Nun wisst ihr auch, wie ihr von uns denken müsst: Diener Christi sind wir, denen die Verkündigung der Geheimnisse anvertraut ist, die Gott uns enthüllt hat. Und was erwartet man von jemand, dem eine Aufgabe anvertraut ist? Man erwartet, dass er sie zuverlässig ausführt. Allerdings hat es für mich keinerlei Bedeutung, welches Urteil ihr über mich fällt oder ob sonst irgendeine menschliche Instanz über mich zu Gericht sitzt. Nicht einmal ich selbst maße mir ein Urteil über mich an. Ich wüsste zwar nicht, dass ich mir etwas hätte zuschulden kommen lassen, aber damit bin ich noch nicht gerechtfertigt. Entscheidend ist das Urteil, das der Herr über mich spricht. Urteilt also nicht vorschnell, ´sondern wartet,` bis der Herr kommt. Er wird alles Verborgene ans Licht bringen, alles, was jetzt noch im Dunkeln liegt, und wird die geheimsten Gedanken der Menschen aufdecken. Dann wird jeder von Gott die Anerkennung bekommen, die er verdient. 1 Kor 4,1-5. Kaum ist ein Korn gesät, eine Buchseite gelesen, ein Verhalten beobachtet, eine Reaktion geschehen… und schon melden sich die ersten Kritiker. „Das ist nicht richtig und das ist zu schnell, dass eine total verkehrt und das andere daneben…“ In der Kirche scheint mir das ein großes Problem zu sein. Obwohl wir ständig über Gnade, Wachstum und Nachfolge reden – also über langwierige Prozesse – meint jeder andere ständig kritisieren zu müssen. Betrifft es allerdings uns selber, dann schreien wir „UNGERECHT!“, „WO IST HIER DIE GNADE?“, … etc.
  4. Sei ermutigend und aufbauend. „Was ergibt sich aus dem allem für eure Zusammenkünfte, Geschwister? Es steht jedem frei, etwas beizutragen – ein Lied oder eine Lehre oder eine Botschaft, die Gott ihm offenbart hat, oder ein Gebet in einer von Gott eingegebenen Sprache oder dessen Wiedergabe in verständlichen Worten. Aber jedem soll es darum gehen, dass alle einen Gewinn für ihren Glauben haben.“ 1 Kor 14.26. Die gesamte Gabenlehre des NT hat eine Zielsetzung: ERMUTIGUNG und ERBAUUNG. Setze deine Gabe so ein, dass sie aufbaut und nicht zerstört. Das bedeutet nicht, dass manchmal auch unangenehme Dinge zur Sprache kommen können und manchmal auch sogar müssen. Aber auch in diesem Fall müssen die Motive und auch die Worte stimmen: ich will dich ermutigen, fördern, beflügeln, freisetzen. Salomo drück das dann so aus: „Besser Zurechtweisung, die aufdeckt, als Liebe, die verheimlicht.“ Spr. 27,5
  5. Sei ein Problemlöser. „Ich ermahne Evodia, und ich ermahne Syntyche, ihre Unstimmigkeiten beizulegen und sich ganz auf das gemeinsame Ziel auszurichten; sie gehören ja beide dem Herrn. Und dich, meinen treuen Weggefährten, bitte ich, ihnen dabei zu helfen. Schließlich haben diese beiden Frauen Seite an Seite mit mir für die Sache des Evangeliums gekämpft – sie und Klemens und meine übrigen Mitarbeiter, deren Namen im Buch des Lebens stehen.“ Phil 4,2-3. Paulus schrieb seine Briefe nicht in erster Linie, weil er auf die verschiedenen Probleme der Gemeinden aufmerksam machen wollte (und es gab tatsächlich einige davon!), sondern um fundierte Lösungen aufzuzeigen. Wir haben nicht eine „Schlechte Nachricht“ zu verkündigen, sondern die GUTE NACHRICHT – d.h. Gott hat LÖSUNGEN für jeden von uns. Ich kann jedem einen wichtigen Rat geben: Hör nicht auf die Kritiker, die keine Problemlöser sind. Diese Art von Kritiker haben alle ein großes Problem mit den ersten 4 Punkten und deren Absicht ist es, dich deiner Bestimmung zu berauben. Denk daran: Es ist noch keinem Kritiker ein Denkmal gebaut worden, aber schon vielen Problemlösern!
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Eine Antwort zu “Kritik-Kultur statt Kritik-Kult. Wie wir in der Kirche mit Kritik umgehen sollten.

  1. Danke Jackob für die Wertvolle Aussage:
    „Die meisten Kritiker würden verstummen, wenn sie ihr Werk und nur ihr Werk allein begutachten sollten.“
    Auf mich traf dies leider auch zu oft zu! Und wie Gut dass Gott uns den Mund stopft und den Kopf wäscht.
    Wir sind dazu berufen Hirten zu werden, dessen Stecken und Stäbe für andere im Tal des Todesschatten ein Trost sind und dessen Worte und Taten andere im Angesicht Ihrer Feinde zum Wein der Güte und Barmherzigkeit werden. Praktisch können wir unsere Kritik überwinden wenn wir uns selbst öffentlich kritisieren, indem wir unsere Sünden bekennen und diejenigen, die wir kritisieren und von denen wir kritisiert werden, die Füße waschen.

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