Der breite und der schmale Weg

Kennt jemand dieses Bild?

Als ich ein Kind war, hing dieses Bild mit dem Titel „der breite und der schmale Weg“ in unserer Kirche und im Haus meiner Großeltern. Die Botschaft der Darstellung ist einfach: wenn du ins Theater oder Kino gehst, Wein trinkst, Karten spielst, zum Tanzen gehst, etc., dann warst du auf dem breiten Weg, der zum Verderben führte. In allen Fällen bin ich nun schuldig und verloren …

Ich hatte das vor Kurzem in FB gepostet. Die Reaktionen waren sehr interessant und auch gegensätzlich. Hier einige davon (anonym):

„…hier werden die kultur einer gesellschaft und ihre moral mit der biblischen botschaft in unzulässiger weise miteinander vermischt… das bild beschreibt ein prä-modernes denken; der moderne mensch schon mag es hinterfragen – der postmoderne hingegen versteht es nicht mehr… es mag seine zeit gehabt haben, aber heute müssen wir die dinge anders zur sprache bringen…“

„Ich kenne das Bild genau – es hing 30 Jahre in dem Wohnzimmer meiner Eltern. Es geht in diesem Bild hauptsächlich um Verbote… meine Meinung… was ist gut – was ist Sünde – ich habe zu diesem Bild keine positiven Erinnerungen… mag sein das es jemand der kein Gemeindehintergrund hat, es anders sieht – mag sein…“

„Wie koennen “ Autoritaeten “ die Massen am besten kontrollorieren….mit Angst, Halbwahrheit und Luege…dieses Bild vereinigt all dieses… Ich kenne dieses Bild seit fruehster Kindheit… mein Opa und meine Oma haben mir damit versucht zu erklaeren was wirklich gelebter Glaube heisst…heute finde ich es nur laecherlich…“

„Das Bild ist zwar schön, doch es gibt nicht gleich zwei Wege für den man sich vom Anfang an wählen kann, denn niemand kann automatisch auf dem Rechten Weg kommen, ohne zuerst den Falschen gegangen zu sein. Genau wie es bei mir war und ich Danke Gott dafür das es diesen Möglichkeit gab durch seine Liebe und Gnade für mich und andere. Für mich war ja Jesus auf diesem Breiten Weg, sonnst hätte er mich niemals gefunden am Ende von meinem Weg. Jesus ist ja auch damals zu die Frau am Brunnen gegangen, also warum nicht auf diesem Weg um mich zu finden?“

„…kenne ich sehr gut und ich bekenne mich auch schuldig in allen Punkten 😉 „

„Tja, so platt und vereinfacht wie die Botschaft des Bildes auch sein mag, heute haben wir das komplette Gegenteil und es gibt nur einen Weg. Einmal „Ja“ gesagt und alles ist für immer in Ordnung, alle Bibelstellen, die das in Frage stellen oder anhand derer du dich überprüfen kannst werden systematisch übergangen, damit ja nicht jemand Anstoß nimmt und das ist genauso vom Zeitgeist beeinflusst. Wenn heute eine Gemeinde verfolgt wird, fragen dich die anderen Pastoren und Christen, was du denn falsch gemacht hast oder ob du irgendwelche Sünden vergessen hast zu bekennen. Der Gedanke, dass der Grund für die Verfolgung ist, dass du etwas richtig gemacht hast, habe ich schon Jahre nicht mehr gehört. Wir reden nicht mehr gegen Abtreibung oder irgendein gesellschaftlich relevantes Thema und haben unsere Stimme in der Gesellschaft verloren. Die meisten Gemeinden kämpfen nur noch gegen sich selbst oder andere christliche Gemeinden oder Dienste. Ravenhill predigte in den 80ern, dass er denkt, weniger als 10 Prozent der Christen in den Freikirchen seien wirklich von neuem Geboren. Er gilt als Experte für Erweckung. Selbst wenn wir das nicht so kritisch sehen wollen, wer die Bibel kennt und die Aussagen was Christen kennzeichnet, muss zugeben, dass es nicht mehr als 50 Prozent sein können. Ich bin bei der freiwilligen Feuerwehr und dort muss ich zugeben ist mehr Einheit und Liebe als in den meinsten Gemeinden, die ich kennengelernt habe. Ok, genug … ich fang sonst noch an zu predigen …“

Was denkst Du über das Bild?

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4 Antworten zu “Der breite und der schmale Weg

  1. Für mich bedeutet dieses Bild der Schrecken meiner Vergangenheit. Ich selber gehörte zu einerevangelikalen Gruppe innerhalb der Landeskirche, in der sehr viel Gesetzlichkeit und auch Reliösen Missbrauch erlebte. Erst heute verarbeite die Dinge und stelle fest, dass diese Manipulationen vieles an meinem Leben zerstörten und beschränkten. Inzwischen Lebe ich unter Menschen die dieses grade durch Missionare negativ erleben mussten. Ich selber fing auch als Missionar an und musste mit schrecken dann feststellen wie sehr grade bei Menschen mit diesen einfach n Dingen gearbeitet wurde. Heute machen wir „Weideraufbauarbeit“ anstatt Aufbauarbeit. Das heisst, dass wir die Trümmer einer „Mission“ reaprieren und die Menschen von ihren „Angstzuständen“ befreien. Die Erklärung der „einfachen“ Gnade Christi ist nur schwer möglich.

  2. Hallo Jakob,
    Zufall oder nicht?
    Vor 32 Jahren hab ich dieses Bild bei den Eltern von H.S. im Wohnzimmer hängen sehen und nachgefragt.
    Sie waren traditionelle Mennoniten aus der Menn.Kirche. in den 60zigern aus Duschanbe/Tadschiskistan. ich ein 23 jähr.aus Hessen.
    Damals wurde mir erklärt was das bedeutete ähnlich dem, was Du schreibst.
    Nach 25 Jahren christl-menn.(div.Menn.Brüdergem in BI)Ehe(6 Kinder), Scheidung und 5 Jahre Single Leben, nach all den Begegnungen mit sogen.Christen und ihrem Doppelleben zwischen Schein und Sein inspiriert mich dieses sehr schöne naiv gemalte Bild meine Erinnerung und diesen Kommentar zu schreiben.
    Gott schreibt : Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken…
    Logisch wenn ich an diese Welt und ihre Details denke wer will das schon im Gesamtzusammenhang von Zeit und Raum erfassen?
    Es sind immer wieder diese einzelnen Erlebnisse und Erinnerungen, die mich beeindrucken. Die Aussage des Bildes ist auf den ersten Blick klar,
    schon allein vom Titel: Der breite und der schmale Weg.
    Die Wirklichkeit zeigt wie merkwürdig das Ganze heute ist:
    Weder war die Eisenbahn satanisch noch Theater oder Wirtshäuser.
    Damals 1979 lebte ich kurze Zeit mit der verheirateten Tochter dieser Mennoniten zusammen. War das Gottes Plan? Natürlich nicht nach diesem Bild.
    Ehebruch war fast eine Todsünde. Aber genau dieses Bild hat mich bewegt,.
    Die näheren Umstände waren damals sehr komplex und vielseitig. heute erkenne ich anhand dieser Erinnerungen das dieser Gottesgeist weht wohin er will ohne dass ich weiß woher er kommt und wohin er geht.
    Ich sehe mit diesem Bild die Unberechenbarkeit dieses Geistes mit religiösen,
    biblisch-rationalen Gedanken und Regeln. Und meinen Weg sehr klar rückblickend und nachdenklich, schließlich schreibend und staunend.
    Wenn ich nicht hier am Laptop heute am 5.8.12 in Dt schreiben würde, müsste ich sagen : Das kann doch gar nicht sein.
    Ist es aber und es ist gut so. Geplant hatte ich damals alles andere als christlich verheiratet, 6 kinder groß zuziehen und dann gegen meinen Willen geschieden zu werden. Aber ähnlich dem Schicksal Josefs oder des verlorenen Sohnes lerne ich immer wieder durch die schlechten Erfahrungen als durch die „ordentlichen“.
    Nein ich will nicht der Bruder des verlorenen Sohnes sein , korrekt und treu , scheinbar am Ende uneinsichtig und verbittert.
    Auch die Brüder von Josef, Mörder in ihrer Gesinnung, scheinbar fleissig arbeitend , sind keine Alternative.
    Dann lieber der Sohn das alles falsch macht, ohne Sinn und Verstand oder wie Josef mit diesen Träumen Leben durch leben.
    So weit erst Mal.
    Andreas

    • „Nein ich will nicht der Bruder des verlorenen Sohnes sein, korrekt und treu , scheinbar am Ende uneinsichtig und verbittert.“ … „Dann lieber der Sohn das alles falsch macht …“

      Ich find‘ es äußerst bemerkenswert, mit welcher selbstgefälligen Arroganz man als „verlorener Sohn Andreas“, seine eigene Verlorenheit als die Bessere der beiden darstellen kann. Ein echtes Meisterstück in Sachen Selbstgerechtigkeit.

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