Ein jüdisches Märchen

Das Gold wollte die Welt kennen lernen. Es ging und ging, bis es lautes Jammern und Wehklagen hörte. Da blieb das Gold stehen und erblickte eine Schmiede, in der ein Schmied mit seinem schweren Hammer auf das glühende Eisen einschlug. Bei jedem Schlag stöhnte das Eisen auf.

„Was soll dieses Gejammer?“ fragte das Gold das Eisen. „Alle Metalle werden gehämmert und getrieben. Auch ich, das edle Gold, bin getrieben. Unser Schicksal ist das gleiche. Die Menschen schätzen mich und streben nach mir, aber ich werde genauso gehämmert wie du.“

„Wie kannst du nur unsere Schicksale vergleichen?“ rief das Eisen bitter aus. „Der Hammer ist doch aus Eisen und nicht aus Gold! Das Leid, das uns Fremde zufügen, lässt sich ertragen. Mich aber schlägt der eigene Bruder – und kein Schmerz lässt sich mit diesem vergleichen!“

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s