Umzug mosaikchurch

Nachdem wir als Kirche nun seit einigen Jahren auf Wanderschaft sind, ziehen wir zum 1. August in eine neue Location in der Niemeierstr. 9. Hier einige wichtige wichtige Erfahrungen und Lektionen einer Kirche ohne eigenes Gebäude:

  1. Kirche ist kein Gebäude, Kirche sind Menschen. Für viele, die das traditionelle Christentum lieben (Kirche = eine bestimmte Zeit, ein bestimmter Ort, eine bestimmte Liturgie…), ist das eine sehr harte Erfahrung. Obwohl viele Christen dieses Dogma (Kirche ist kein Gebäude, Kirche sind Menschen) problemlos herunterbeten würden, lassen sich in der Praxis nur sehr Wenige in der westlichen Welt darauf ein. Warum? Bequemlichkeit? Die meisten von uns sind in der Regel traditioneller als uns selber lieb ist…
  2. Kirche ist nur eine Kirche, wenn sie unterwegs ist. Kirche ist keine Immobilie, sie ist mobil – immer unterwegs mit Menschen zu Menschen. Das hat mir in den letzten Jahren so sehr gefallen – wenn jemand zu unseren Veranstaltungen kommen wollte, musste er sich immer aktuell informieren. Ich meine, dass es bei Jesus auch immer so der Fall war. Das Reich Gottes muss aktiv gesucht werden, es muss begehrt und danach muss aktiv getrachtet werden. Ansonsten ist es nicht Gottes Reich sondern das Konsumreich. Veränderung ist die einzige Konstante des Lebens – das sollte auch für eine Kirche gelten.
  3. Offene Türen an den ungewöhnlichsten Orten. Wir waren in der Stadthalle, im Hangar 21, im Sommertheater, auf Grillplätzen, Freibädern, Hallenbädern… Wir haben Gastfreundschaft, Herzlichkeit und offene Türen an Orten gefunden, wo wir es nicht erwartet hatten. Als Jesus seine Jünger zum ersten mal aussendet (Mat 10), sagt er ihnen, sie sollten zu den „Menschen des Friedens“ gehen und dort bleiben. Das ist eine sehr effektive Missionsstrategie. Gott bereitet diese Orte und Menschen des Friedens für seine Kirche heute vor und wir tun gut daran, uns dort „niederzulassen“ und nicht mit anderen „missionarischen Bollwerken“ Türen und Mauern einzureißen.
  4. Eigene Häuser sind der wichtigste Ort für die Kirche. Es können auch Wohnungen sein, Cafés, Restaurants, … Aber es geht darum – Gott will bei Dir und mir zu Hause sein – da, wo Du gerade bist! Daher haben wir von Anfang an mit Hauskirchen begonnen. Hauskirchen sind nicht ein Synonym für einen neuen ekklesiogenen Individualismus – den Eindruck vermitteln einige sog. Hauskirchenbewegungen. Eine Hauskirche (oder wie man auch immer eine Kleingruppe, in der sich Jüngerinnen und Jünger Jesu treffen, nennen mag) ist die ursprünglichste und beste Form, Gemeinde zu erleben: hier kennen wir uns und werden erkannt, hier lieben wir und werden geliebt, hier dienen wir und werden bedient, hier feiern wir und werden gefeiert. Das Wachstum einer Kirche vollzieht sich immer in dieser Spannung: wir müssen kleiner werden (verbindliches Leben in Mentoring und Jüngerschaft erleben) und wir müssen größer zu werden (die Dynamik der Ganzheit einer lokalen Kirche erleben).
  5. Freiraum für echtes Leben mit Jesus mitten in dieser Welt. Vielleicht ist missionales Leben der bessere Begriff dafür – aber für viele ist er ebenfalls (wie der erstere) in der Praxis unbekannt. Aber das ist, was Kirche doch sein sollte – echtes Leben mit Jesus mitten in dieser Welt! Ich liebe Kirche, aber ich bin seit einigen Jahren kein Kirchenjunkie mehr. Mein Leben ist gefesselt von Jesus und ich will mit all meiner Kraft, an Seiner Kirche mitbauen. Aber das geht nicht, wenn die Kirche mein ganzes Leben ausmacht. Ich begegne Menschen, die aufrichtig nach Gott suchen – sie sind weit außerhalb der Kirche. Und zu ihnen will ich mich immer wieder senden lassen, um dann mit diesen Menschen Kirche im Sinne Jesu zu bauen. Auch hier ist eine unauflösliche missionale Spannung, die von so manchen „missionalen Theoretikern“ aufgelöst wird. Die Bibel kennt im missionalen Programm Jesus beides: ein „gehet hin“ und ein „kommt und seht“. Wenn eine Kirche kein realer Ort und keine erfahrbare Gemeinschaft der Gnade, Liebe und Erlösung ist, dann will ich auch nicht irgendwo um Jesu willen „hingehen“. Hingehen und Kirche bauen – das ist der Auftrag; und nicht hingehen, um der Mission willen und Kirche bauen ohne Mission.
  6. Orte und Räume sind wichtig. Die lokale Ausformung einer Kirche wird immer auch ein Ort und ein Raum sein – schließlich sind die biblischen Metaphern für die lokale Kirche: Leib, Tempel und Haus und nicht Wind, Idee und Abstraktion. An der Kirche soll Gottes Weisheit, Liebe, Gnade, Rettung für diese Welt sichtbar werden! Was die Welt um uns herum oft an Kirche wahrnimmt ist nicht mehr als eine armselige Karikatur. Wir sollten es besser wissen und tun. Nicht die Finsternis ist dunkler geworden (das möchten viele Geistliche ihrer Kirche weiß machen!), sondern das Licht hat seine Power eingebüßt. In Demut und Stärke, auf Knien und aufrecht stehend, im Kampf und Gelassenheit, im Lieben und Leiden werden wir etwas daran ändern – das ist unsere Berufung und göttliche Pflicht.
  7. Menschen sind wichtig. „So sehr hat Gott die Welt geliebt…“ Gott ist ein hoffnungsloser Philanthrop. Und egal was wir tun, was uns bewegt, welche Programme wir aufsetzen, welche Wege wir beschreiten, welche Orte und Räume wir beanspruchen, welche Kräfte wir mobilisieren – die Kirche ist um des Menschen willen da. Die Kirche ist das Epizentrum, wo Gottes Aura, Gegenwart, Liebe, Erlösung, Neuschöpfung, Kraft, Trost, Heilung am heftigsten ausschlägt und daher erkennbar und erfahrbar wird.
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