Bilder im Kopf

Neulich musste ich bei einer Predigtvorbereitung zu Ps 23 feststellen, dass meine eigenen „Bilder im Kopf“ jede Interpretation bestimmen und auch die vom Autor beabsichtigte Bedeutung total „erschlagen“. „Bilder im Kopf“, andere nennen es „Brillen“, durch die wir sehen, lesen und Deutungen machen, oder „inner maps“ – sog. innere Landkarten, oder auch „Weltanschauungen“ – all das sind unsere mentalen Trumpfkarten, die alles „schlagen“, im Sinne von übertrumpfen.

Weide Neuseeland

Weide Neuseeland. Wenn z. B. meine „inneren Bilder“ zu Ps. 23 eine grüne Auenlandschaft Neuseelands sind, dann geht die Deutung dieses weltbekannten Liedes in eine bestimmte Richtung…

Weide Palästina.

Weide Palästina. Wenn meine „inneren Bilder“ zu Ps. 23 eher der Topographie und Klimazone Palästinas entsprechen, dann geht auch meine Deutung in eine komplett andere Richtung.

 

 

 

 

 

 

 

Das betrifft nicht nur meine Exegese oder Hermeneutik, sondern auch das alltägliche Leben. Neulich hatte ich einen Termin mit einem Kunden in meinem Office. Mein Office ist mitten im Industriepark und Teil eines Industriegebäudes. Kurz vor dem Termin rief mich der Kunde an und fragte nach dem Weg. Nun, zunächst nichts Ungewöhnliches. Aber er hatte die Adresse, sein Navi führte ihr direkt zum Gebäude und während des Anrufs fuhr er gerade daran vorbei. Aber er konnte es nicht „sehen“. Warum nicht? Und hier kommen die „Bilder im Kopf“ ins Spiel, die alles schlagen, sogar die Realität. Er sagte mir dann am Telefon, dass er (m)ein Wohnhaus suchte und in der Straße nichts dergleichen finden kann.

Habe ich ihm gesagt, dass wir uns bei mir zu Hause treffen? Nein! Habe ich ihm gesagt, dass wir uns in einem „Wohnhaus“ treffen? Nein! Aber was ist hier passiert? Irgendwann einmal „zeichnete“ sich mein Kunde „seine eigenen Bilder (oder seine eigene Realität)“ in sein Bewusstsein, die nun zu seiner „inner map“ (inneren Landkarte) geworden sind. Zum Glück war mein Kunde ein schlauer Kerl und ein hervorragender Kommunikator. Mit dem Telefonat mit mir machte er einen „Realitätsabgleich“, revidierte sein „inneres Bild“, machte bei der nächsten Gelegenheit kehrt und stand dann schon 3 min. später in meinem Office.

 

 

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