Poetry Slam: Gott versteckt sich

Das größte Problem für uns Menschen ist nicht der Gott, der sich offenbart (deus revelatus), sondern der Gott, der sich versteckt (deus abscontitus). Daher rufen wir in unserer Not aus: „Wo ist Gott?“ oder „Warum?“

Die Seite Gottes, die uns verborgen bleibt scheint viel größer zu sein als die Seite, die wir sehen und erkennen können. Daher lesen wir in der Bibel immer wieder davon, dass wir Gott suchen sollen.

Sogar der Sohn Gottes – DIE Offenbarung Gottes für uns Menschen – umgibt sich mit Mysterien, verschleiert oft seine Identität, verschlüsselt seine Botschaft in Gleichnissen, rennt ständig der Masse davon, versteckt sich in Stille und Einsamkeit, lässt sich suchen und finden.

Können wir vielleicht Gott sogar besser an den Orten erkennen, wo wir Ihn gar nicht vermuten?

Wer zu Gott kommen will, muss glauben, dass es Ihn gibt und dass Er die belohnt, die Ihn aufrichtig suchen. Hebr. 11,6

Gott versteckt sich in Feuer und Flut
Gott versteckt sich im Glanz und in Glut

Gott versteckt sich in hölzernen, schwimmenden Archen
Gott versteckt sich bei hoffnungslos schummelnden Patriarchen

Gott versteckt sich im Zepter des Königs und Stab eines Hirten
Gott versteckt sich in Fremdlingen, die wir zufälig bewirten

Gott versteckt sich hinter stummen Schafen und sprechendem Esel
Gott versteckt sich in sagenumwobenen Engelwesen

Gott versteckt sich in Rachen von Seeungeheuern
Gott versteckt sich in alten Tempelgemäuern

Gott versteckt sich im wilden, tosenden Meer
Gott versteckt sich im lichtjahrefernen Sternenheer

Gott versteckt sich in Bergen, in Tälern und Wüsten
Gott versteckt sich in fremden, zerklüfteten Küsten

Gott versteckt sich auf langen unendlichen Reisen
Gott versteckt sich in weisen, zerbrechlichen Greisen

Gott versteckt sich auf fremden Altären der heidnischen Götter
Gott versteckt sich in philosophischen Anklagen Seiner Spötter

Gott versteckt sich im Stall und im Stroh
Gott versteckt sich da draußen im Leid irgendwo

Gott versteckt sich im Sturm und im Wind
Gott versteckt sich schließlich im Kind

Gott versteckt sich im Stroh in der Krippe
Gott versteckt sich als Ausgestoßener seiner Sippe

Gott versteckt sich in Flehen und Angst eines Beters
Gott versteckt sich selbst im Kuss des Verräters

Gott versteckt sich in Häusern mit brüchigen Dächern
Gott versteckt sich am Kreuz zwischen zwei Schächern

Gott versteckt sich im Grab, im Dunkeln verborgen
Gott versteckt sich als Gärtner am frühen Ostermorgen

Gott versteckt sich im Wein und in Brot
Gott versteckt sich in Taufe und Wort

Gott versteckt sich auf vielerlei Arten und Weisen
Wer immer Ihn sucht, –
… wird sich selber einen Reim draus machen müssen

 

© 2014 by Jacob Wiebe

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