40 TAGE REFLEKTIONEN & INSPIRATIONEN ZUM THEMA LEITERSCHAFT / TAG 9 – VERTRAUEN

Inspiriert durch viele Bücher, Vorträge und Kongresse zum Thema Leiterschaft, die ich in den letzten Jahren gelesen, gehalten und besucht habe, will ich hier 40 Tage lang (aber wahrscheinlich nicht sequentiell jeden Tag) einige Gedanken und Anregungen weitergeben, die, ich hoffe, Dich inspirieren werden.

Tag 9: Vertrauen

Vertrauen – das ist so eine Fähigkeit, die jeder von uns braucht. Ohne Vertrauen können wir nicht leben. In vielen Fällen vertrauen wir fast schon instinktiv – wir gehen über den Zebrastreifen und vertrauen, dass das Auto uns nicht überfährt, wir steigen ins Flugzeug und vertrauen, dass der Pilot ausgebildet und erfahren genug ist, wir setzen uns mit Wucht auf das Sofa und bezweifeln nicht zunächst die Kompetenz des Tischlers und Polsterers… Manchmal fällt es uns aber auch sehr schwer, zu vertrauen. Aber was ist Vertrauen und was bildet, was zerstört Vertrauen? Können und müssen wir jedem Vertrauen? Vieles über das Thema „Vertrauen“ verdanke ich Henry Cloud.

In Sprüche 25, 19 heißt es:

In der Not auf einen Treulosen zu vertrauen – das ist so, als wollte man mit einem kranken Zahn kauen oder mit einem verkrüppelten Fuß gehen!

Es ist also nicht klug, jedem zu vertrauen. Was ist Vertrauen überhaupt?

DEFINITION

Vertrauen ist eine Investition, von der ich mir ein positives Ergebnis/Leben erhoffe.

  • Ich investiere mein Geld in einen Flug – und er bringt mich sicher von A nach B
  • Ich investiere meine Zeit und Liebe in meine Schüler – sie lernen etwas wichtiges und kommen im Leben weiter
  • Ich investiere mein offenes, zerbrochenes Herz in meinen Therapeuten/Freund(in) – und mein Leben wir leichter, heiler, aufblühender…
  • Ich investiere meine Zeit, meinen Schmerz, mein Leben (mein Geld …) in die Hand eines Arztes – er setzt all sein Können ein, um mir zu helfen
  • Ich investiere in meinen Bergführer… – er…
  • Ich glaube, das Prinzip ist klar, oder?

Eine andere Sichtweise auf Vertrauen ist: Vertrauen ist die Fähigkeit sorglos/angstfrei zu sein! Es bedeutet: Wenn ich jemandem etwas anvertraut habe, dann muss ich mir nicht ständig darüber Gedanken machen oder danach schauen, ob es richtig „läuft“ oder „funktioniert“.

  • Ich bringe z. B. mein Geld zur Bank und bin „sorglos“ darüber, dass ich es auch noch morgen und übermorgen noch habe. Ich bin nicht von Sorge und Angst besessen, um hier ständig Kontrolle auszuüben.
  • Ich weiß, was mein Partner (Kinder, etc.) tut, wo er ist und ich vertrauen ihm. Ich bin nicht von Sorge und Angst besessen, um hier ständig Kontrolle auszuüben.
  • Ich als Chef kann meinen Angestellten vertrauen in Bezug auf Arbeitszeit, -leistung und -ressourcen. Ich bin nicht von Sorge und Angst besessen, um hier ständig Kontrolle auszuüben.
  • usw. …

Nun wissen wir aber auch, dass wir nicht jedem vertrauen sollten. Nicht jeder beliebige sollte ein Flugzeug fliegen dürfen. Keiner von uns sollte sich seine nächste OP von einem Arzt vornehmen lassen, der bekanntermaßen ein Alkoholproblem hat und seine Approbation verloren hat. Keiner sollte unbedacht in die Arme dessen laufen, der ein permanenter „Fremdgänger“ ist. Und man sollte auch keinen in der Firma einstellen, der seiner vorigen massiv geschadet hat.

Was hilft uns, Vertrauen aufzubauen und zu lernen?

  1. Vertrauen basiert auf Beziehung und Verständnis. Wenn du Vertrauen investieren willst ist das der erste wichtige Schritt. Du musst eine Beziehung und ein Verständnis für eine Person (oder die Sache) entwickeln. Wenn du zu jemandem kommt und ein Problem schilderst und derjenige dafür kein Verständnis zeigt oder entwickelt… – das ist keine Grundlage für Vertrauen. Wenn aber jemand zuhört, versteht, Nähe und Verletzlichkeit zulässt – hier können wir etwas aus unserem Leben, Denken, Herzen investieren. Frag dich also zunächst: versteht mich diese Person wirklich, will sie eine Beziehung zu mir, ist dieser Mensch auf meiner Seite?
  2. Hat die Person die Kapazität oder Fähigkeit mit dem Vertrauen (dem Anvertrauten) richtig umzugehen. Jemand kann z. B. sehr viel Verständnis und eine positive Beziehung zu dir haben, aber nicht die Fähigkeit und Ausbildung, um deinen Knochenbruch zu heilen. Wir müssen nicht nur verstehen, wem wir vertrauen können, sondern auch: ist der- oder diejenige überhaupt fähig, mir bei dieser Angelegenheit zu helfen. Ich kann nicht jedem alles anvertrauen. Ich kann dir z. B. helfen, die Bibel besser zu verstehen und anzuwenden, aber ich kann dir nicht helfen den Mt. Everest zu besteigen.
  3. Die Intention oder die Motive sind wichtiger als Worte. Es kann sein, das jemand Verständnis und auch die Kompetenz hat, um dir zu helfen, aber seine Motive und seine Intention sind selbstgefällig oder eigensüchtig. Wenn dein Buchhalter ein toller Mensch und großartiger Mathematiker ist, aber Geld veruntreut, dann liegt das an seinen versteckten Motiven, die nicht vertrauenswürdig sind. Will der Arzt die OP nur deswegen, weil er damit viele Geld verdienen kann, oder will er das zu meinem Besten? Will ein Leiter Menschen hinter sich ziehen und nur für sich gewinnen, oder Menschen für die große Mission/Vision einer Organisation gewinnen? Hier wird es kritisch mit dem Vertrauen, weil wir hier im Bereich des „unsichtbaren“ und „unempirischen“ sind. Welchen Einfluss üben bestimmte Menschen aus? Einfluss ist wichtiger als Worte. Sind die Menschen im Einflussreich deines „Vertrauten“ für dich, oder distanzieren sie sich von dir, deiner Mission, deiner Organisation, deinem Team, etc. Erlebst du bei diesen Menschen echte Leidenschaft, oder eher eine „innere Kündigung“, ein „Dienst nach Vorschrift“ und einen Rückzug? Wenn das so ist, dann stimmen die unsichtbaren Motive und die anvertrauten Aufgaben einer Person (und dessen mündliche Beteuerungen) nicht überein.
  4. Kann ich dem Charakter eines Menschen vertrauen? Sind die Menschen, denen du vertraust integer? Sagen sie die Wahrheit? Haben sie Mut? Haben sie Durchhaltevermögen? Können sie Konflikte lösen? Können sie schwere Entscheidungen mittragen, oder „kippen“ sie um, sobald es für sie schwierig wird? Haben sie Geduld? Sind sie imstande Liebe zu geben? Können sie Hoffnung geben auch in hoffnungslosen Situationen? Charakter ist entscheidend und „schlägt“ die ersten 3 Kategorien. D. h., wenn eine Person das richtige Verständnis, die richtigen Fähigkeiten und Motive hat, ihr aber Charakter fehlt – ist diese Person nicht vertrauenswürdig. Die mächtige Chinesische Mauer wurde 5 mal von ihren Feinden überwunden, jedes mal ohne auch nur einen Stein zu zerstören. Wie? Durch Bestechung der Torwächter!
  5. Welche Spur hinterlässt jemand? Die Bibel nennt das Frucht. Und Jesus sagt am Ende der Bergrede: An ihrer Frucht werdet ihr sie (die echten oder falschen Propheten, Lehrer, Christen, Leier, Menschen, etc.) erkennen. Jeder von uns kann einen 100 m Lauf hinlegen. Aber was ist mit einem Marathon? Jeder von uns kann mal einen „schlechten Tag“ haben – das sollte uns nicht beunruhigen. Jeder von uns kann mal eine falsche oder schlechte Entscheidung treffen. Aber was ist auf laaaaaaaaange Sicht die „Spur“ die jemand hinterlässt. Ist hier Aufbau oder Abbau, Angst oder Mut, Entschlossenheit oder Feigheit, Glaube oder Zweifel, Frucht oder Leere, Wachstum oder Rückzug zu beobachten? Machst du immer und immer wieder denselben Fehler? Bist du lernfähig? Kannst du aus Niederlagen lernen? All das wird in unserer „Spur“ die wir hinterlassen, sichtbar.

Wenn du ein vertrauensvoller Mensch werden willst, beachte und wachse in diesen 5 Bereichen. Wenn du dein Leben in andere investieren (vertrauen) willst, dann suche nach solchen Menschen und fördere sie, indem du dich in sie investierst.

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