40 TAGE REFLEKTIONEN UND INSPIRATIONEN ZUM THEMA LEITERSCHAFT / TAG 10 – SPANNUNGEN

Inspiriert durch viele Bücher, Vorträge und Kongresse zum Thema Leiterschaft, die ich in den letzten Jahren gelesen, gehalten und besucht habe, will ich hier 40 Tage lang (aber wahrscheinlich nicht sequentiell jeden Tag) einige Gedanken und Anregungen weitergeben, die, ich hoffe, Dich inspirieren werden.

Tag 10: SPANNUNGEN

Leiter sind Problemlöser! Leiter sind daher auch immer wieder ungeheuren Spannungen ausgesetzt. Viele dieser Spannungen müssen nicht gelöst, sondern ausgehalten und weise gemanaged werden. Manchmal begegnen wir im Leben zwei Polen, scheinbaren Gegensätzen, die nicht einfach so nach der Macher-Art eines Leiters aufgelöst oder gelöst werden dürfen. Eines der größten Herausforderungen der Leiterschaft ist daher nicht das Leiten, das Vorangehen, eine Vision haben, Probleme lösen, mit Menschen arbeiten, sondern die Spannung von vielen lebenswichtigen Polaritäten zu managen. Ein Leiter muss in seinem leben die Sensibilität und Kunst entwickeln, zwischen Problemen, die gelöst werden sollen und Polaritäten, die gemanaged werden sollten zu unterscheiden.

Was ist eine Polarität? Es ist das Zusammenspiel von zwei Gegensätzen, die in einem Spannungsverhältnis zueinander stehen, die aber auch erst gemeinsam Leben und Wachstum ermöglichen.

Hier einige lebenswichtige Polaritäten:

  • Arktis <-> Antarktis
  • Einatmen <-> Ausatmen
  • Umarmen <-> Freilassen
  • + und –
  • und in der Informatik: 0 und 1

Ähnliche Spannungspaare gibt es auch im Herzen eines Leiters:

  • Verantwortung <-> Gelassenheit
  • Vertrauen <-> Kontrolle
  • Entscheiden <-> Abwarten
  • Liebe <-> Strenge
  • Vorangehen <-> Ruhen
  • Selbstbewusstsein <-> Demut
  • Wahrheit <-> Gnade
  • Stärke <-> Schwäche

Ich will am Beispiel von Timotheus (ein Mentee des Apostels Paulus) einige Wege aufzeichnen, wie Leiter es lernen können, in einem gesunden Spannungsverhältnis ihre Polaritäten zu managen.

  1. Polarität: Ein Leiter hat ein lernwilliges Herz und belehrt andereTimotheus hatte in Paulus immer auch einen guten Mentor. „Ein guter Leiter ist zunächst immer ein guter Lerner!“ Bill HybelsWie kann ein Leiter gleichzeitig immer ein Lernender und ein Lehrer bleiben? Z. B. durch:
    – Mentoring
    – Bücher lesen
    – Seminare besuchen

    1. Tim 1, 1 Paulus, Apostel Jesu Christi, an ´seinen Mitarbeiter` Timotheus. ´Ich schreibe dir` als Apostel, der seinen Dienst im Auftrag von Gott, unserem Retter, und von Jesus Christus, unserer Hoffnung, ausübt. 2 Du, lieber Timotheus, stehst mir durch den Glauben so nahe, als wärst du mein eigener Sohn. ´Ich wünsche` dir Gnade, Barmherzigkeit und Frieden von Gott, unserem Vater, und von Jesus Christus, unserem Herrn.

    2. Tim 3, 10 Du aber bist meiner Lehre gefolgt, hast dich an die Grundsätze gehalten, nach denen ich lebe, und hast dich auf dasselbe Ziel ausgerichtet wie ich. Du hast dir meinen Glauben (Treue), meine Geduld, meine Liebe und meine Standhaftigkeit zum Vorbild genommen 11 und hast dich auch nicht dadurch abhalten lassen, dass ich Verfolgungen und Leiden zu ertragen hatte. ´Du weißt ja,` was ich in Antiochien, Ikonion und Lystra alles durchgemacht habe und wie sehr ich dort verfolgt wurde! Aber aus jeder ´Gefahr, in die ich geriet,` hat der Herr mich gerettet. 12 Im Übrigen sind Verfolgungen etwas, womit alle rechnen müssen, die zu Jesus Christus gehören und entschlossen sind, so zu leben, dass Gott geehrt wird.

  2. Polarität: Ein Leiter achtet auf seinen eigenen Charakter und den Charakter anderer um ihn herum.Die wichtigste Kunst eines Leiters ist die Selbstleitung. Gordon McDonald

    1. Tim 4, 16 Gib Acht auf dich selbst und auf das, was du lehrst! Halte dich treu an alle diese Anweisungen. Wenn du das tust, wirst du sowohl dich selbst retten als auch die, die auf dich hören.

    a.   Er achtet auf seinen Selbstwert
    1. Tim 4, 12 Niemand hat ein Recht, auf dich herabzusehen (lass nicht zu, dass jemand auf dich herabsieht), nur weil du noch jung bist.

    b.   Er achtet auf seinen eigenen Lebensstil und den Lebensstil anderer
    1. Tim 4, 12b Sei den Gläubigen ein Vorbild in allem, was du sagst und tust, ein Vorbild an Liebe, Glauben und Reinheit.

    c.    Er achtet auf seine eigenen Gaben und Aufgaben und auf die Gaben und Aufgaben anderer
    1. Tim 4, 13 Widme dich bis zu meinem Kommen mit ganzer Kraft dem Vorlesen ´der Heiligen Schrift`, dem Ermahnen und Ermutigen der Gläubigen und dem Lehren. 14 Lass die Gabe nicht ungenutzt, die dir durch Gottes Gnade geschenkt worden ist. Du hast sie ja aufgrund eines prophetischen Wortes und unter Handauflegung der Ältestenschaft bekommen. 15 Konzentriere dich also ganz auf diese Aufgaben; lass dich durch nichts beirren.

    2. Tim 4, 1 Ich bitte dich eindringlich vor Gott und vor Jesus Christus, der über die Lebenden und die Toten Gericht halten wird; ich bitte dich im Hinblick auf seine Wiederkunft und die Aufrichtung seiner Herrschaft: 2 Verkünde die Botschaft ´Gottes`! Tritt für sie ein, ob sie erwünscht ist oder nicht. Decke Schuld auf, weise zurecht, ermahne und ermutige, und lass es dabei nicht an der nötigen Geduld und an gründlicher Unterweisung fehlen. 3 Denn es kommt eine Zeit, da werden die Menschen der gesunden Lehre ´des Evangeliums` kein Gehör mehr schenken. Stattdessen werden sie sich Lehrer aussuchen, die ihren eigenen Vorstellungen entsprechen und die ihnen das sagen, was sie hören möchten. 4 Sie werden die Ohren vor der Wahrheit verschließen und sich Legenden und Spekulationen zuwenden. 5 Du aber sollst besonnen bleiben, was auch immer geschieht! Sei bereit zu leiden; erfülle unbeirrt deinen Auftrag als Verkündiger des Evangeliums; übe deinen Dienst mit ganzer Treue aus.

  3. Polarität: Ein Leiter ist selbst auf ein klares Ziel ausrichtet und richtet andere auf das Ziel aus.
    Leiterschaft hat ein ultimatives Ziel – es geht darum eine Vision in die Realität umzusetzen. Es geht darum reale Ergebnisse in einer realen Welt zu erzielen. Als Leiter wirst du immer zwei Dinge voll und ganz verantworten müssen: das, was du tust (create) und das, was du erlaubst. Dr. Henry Cloud

    a. Daher kann ein Leiter sich gegenüber Schwätzern abgrenzen und mit Menschen arbeiten, die er ehrlich meinen
    1. Tim 1, 3 Als ich nach Mazedonien abreiste, bat ich dich, in Ephesus zu bleiben, weil es dort Leute gibt, die falsche Lehren verbreiten, und gab dir den Auftrag, ihnen das zu verbieten. Halte dich auch weiterhin an diese Anweisung! 4 Denn die Legenden und endlosen Geschlechtsregister, mit denen sie sich befassen, führen nur zu Spekulationen, statt dass sie den Glauben fördern und damit der Verwirklichung von Gottes Plan dienen. 5 ´Sie bringen auch keine Liebe hervor,` und gerade das muss doch das Ziel aller Verkündigung sein – Liebe aus einem reinen Herzen, einem guten Gewissen und einem Glauben, der frei ist von jeder Heuchelei. 6 Dieses Ziel haben jene Leute aus den Augen verloren, und daher ist alles, was sie von sich geben, leeres Gerede.1. Tim 4, 7 Mit den unheiligen und kindischen Spekulationen hingegen, ´mit denen sich jene Leute befassen,` sollst du dich nicht abgeben (das sollst du abweisen). Übe dich vielmehr darin, so zu leben, dass Gott geehrt wird! 8 Nicht umsonst ´heißt es`: »Asketische Übungen bringen nur wenig Nutzen, aber sich in der Ehrfurcht vor Gott zu üben ist in jeder Hinsicht nützlich, weil dem, der Gott ehrt, wahres Leben versprochen ist – sowohl in dieser Welt als auch in der zukünftigen.« 9 Das ist ein wahres Wort, das vollste Zustimmung verdient! 10 Es weist auf das Ziel hin, für das wir uns abmühen und für das wir kämpfen; denn wir haben unsere Hoffnung auf den lebendigen Gott gesetzt, und er ist der Helfer und Retter aller Menschen – in besonderer Weise derer, die an ihn glauben.

    b.   Daher kann ein Leiter sich von negativen Menschen abwenden und sich Positivem zuwenden
    2. Tim 2, 14 Erinnere ´die Verantwortlichen der Gemeinde` immer wieder an diese Dinge! Schärfe ihnen vor Gott ein, sich nicht in Diskussionen einzulassen, bei denen nur um Worte gestritten wird, denn das hat keinerlei positive Auswirkungen und lässt nur verwirrte Zuhörer zurück. 15 Setze alles daran, dich vor Gott als ein bewährter Mitarbeiter zu erweisen, der sich für sein Tun nicht zu schämen braucht und der die Botschaft von der Wahrheit unverfälscht weitergibt. 16 Geh dem ehrfurchtslosen Geschwätz jener Leute aus dem Weg, die alles Heilige in den Schmutz ziehen. Solche Menschen werden immer tiefer in der Gottlosigkeit versinken, 17 und was sie lehren, wird wie ein Krebsgeschwür um sich fressen. Zu ihnen gehören Hymenäus und Philetus, 18 die sich so weit von der Wahrheit entfernt haben, dass sie behaupten, die Auferstehung sei schon geschehen, und die damit den Glauben mancher Menschen zerstören. 19 Doch Gott hat ein sicheres Fundament gelegt, das durch nichts erschüttert werden kann. Es trägt folgende Inschrift: »Der Herr kennt die, die zu ihm gehören« und: »Wer sich zum Herrn bekennt, trenne sich von allem, was unrecht ist.«16 20 In einem großen Haushalt gibt es nicht nur goldene und silberne Gefäße, sondern auch solche aus Holz oder Ton. Die einen sind für ehrenvolle Anlässe bestimmt, die anderen dienen weniger ehrenvollen Zwecken. 21 Wenn sich jemand von Menschen fern hält, die einem Gefäß mit unreinem Inhalt gleichen, wird er ein Gefäß sein, das ehrenvollen Zwecken dient. Er steht Gott zur Verfügung und ist ihm, dem Hausherrn, nützlich, bereit, all das Gute zu tun, ´das dieser ihm aufträgt`. 22 Lass dich nicht von den Leidenschaften fortreißen, die besonders junge Menschen in Gefahr bringen! Dein Ziel soll ´ein Leben sein, das von` Gerechtigkeit, Glauben, Liebe und Frieden ´erfüllt ist`. Verfolge dieses Ziel zusammen mit allen, die den Herrn aufrichtig und mit reinem Gewissen anbeten. 23 Mit törichten Spekulationen hingegen, die nur von Unverstand zeugen, gib dich nicht ab.

    2. Tim 4, 14 Alexander, der Schmied, hat mir viel Böses zugefügt. Der Herr wird so an ihm handeln, wie er es verdient hat. 15 Nimm auch du dich vor ihm in Acht, denn er hat sich unserer Verkündigung aufs heftigste widersetzt.

    c.    Daher kann ein Leiter sich gegenüber einer falschen Frömmigkeit abgrenzen und eine echte Frömmigkeit fördern
    2. Tim 3, 1 Sei dir jedoch darüber im Klaren, dass die Zeit vor dem Ende eine schlimme Zeit sein wird. 2 Die Menschen werden selbstsüchtig sein, geldgierig, großtuerisch und arrogant. Sie werden ihre Mitmenschen beleidigen, ihren Eltern nicht gehorchen, undankbar sein und weder Ehrfurcht 3 noch Mitgefühl kennen. Sie werden unversöhnlich sein, verleumderisch, unbeherrscht, gewalttätig, voll Hass auf alles Gute 4 und zu jedem Verrat bereit. Sie werden vor nichts zurückschrecken, um ihre Ziele zu erreichen, und werden von Hochmut verblendet sein. Ihr ganzes Interesse gilt dem Vergnügen, während Gott ihnen gleichgültig ist. 5 Sie geben sich zwar einen frommen Anschein, aber von der Kraft Gottes, die sie so verändern könnte, dass sie wirklich ein frommes Leben führen würden, wollen sie nichts wissen. Von solchen Menschen halte dich fern! 6 Zu ihnen gehören auch die, die sich in ´fremde` Häuser einschleichen und leichtgläubige Frauen in ihren Bann schlagen – Frauen, in deren Leben sich die Sünden angehäuft haben und die ein Spielball aller möglichen Leidenschaften sind, 7 die immerzu etwas Neues hören wollen und doch unfähig sind, jemals die Wahrheit zu erkennen. 8 So wie einst ´die ägyptischen Zauberer` Jannes und Jambres sich Mose widersetzten, so widersetzen sich auch diese ´Irrlehrer` der Wahrheit. Es sind Menschen, deren Denken durch und durch verdorben ist und deren Glaube keiner Prüfung standhält. 9 Doch sie werden nicht weit kommen, denn ihr Unverstand wird ebenso offen zutage treten, wie es bei jenen ´Zauberern` der Fall war.

Das waren nur einige Polaritäten, mit denen der junge Timotheus lernen musste als Leiter in der Kirche in Ephesus zu leben und zu arbeiten. Wir wissen, dass es im schwer gefallen sein muss – er litt wahrscheinlich bereits unter einem ulkus ventriculi. Denn der Apostel gibt seinen geistlichen Zögling einen Rat: Trinke nicht mehr nur Wasser, sondern nimm ein wenig Wein dazu um des Magens willen und weil du oft krank bist (1Tim 5,23).

Welchen Polaritäten siehst du dich als Leiter ausgesetzt?

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