Der opponierbare Leiter

Mit einem großartigen Team von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der mosaikchurch war ich auf dem Willow Leitungskongress 2012. Es hat sich wieder gelohnt – mit Referenten wie Pete & Geri Scazzero, Andy Stanley, Gordon McDonald, Christine Caine und Bill Hybels auch kein Wunder… Neben vielen neuen Erkenntnissen habe ich auch eine wichtige „Offenbarung“ bekommen, die (hoffentlich) vieles in meinem Leben und Arbeiten revolutionieren wird. Es war der Vortrag von Andy Stanley mit dem eigentümlichen Titel „The Opposable Leader“. Hier einige Notizen dazu.

Jede Organisation hat Probleme, die gelöst werden sollten und Spannungen, die nicht aufgelöst werden sollten.

Wie wäre es z. B., wenn man die Spannung

  • zwischen dem Streben nach Exzellenz und verantwortlichem Finanzhaushalt
  • zwischen der Predigtlänge und dem parallel laufenden Kinderprogramm
  • zwischen lokaler und globaler Mission
  • zwischen Wachstum nach innen und nach aussen

… auflösen würde?

Spannung ist wichtig für jede Organisation, die wachsen und vorankommen will!

Die große Versuchung von Leitern ist es, (weil sich jeder Leiter auch als Problemlöser versteht) Spannungen zu lösen oder zu „klären“. Aber was geschieht, wenn die Spannung zwischen Theologie und Praxis, zwischen „hören auf den Geist“ und strategischer Planung, zwischen innerer Einkehr und äusserer Aktion, zwischen Gnade und Gericht aufgelöst wird? Wenn du überall „Frieden stiften“ und harmonisieren willst, dann schaffst du neue, evtl. noch größere Probleme und Spannungen.

Wie unterscheidet man also einerseits Probleme, die gelöst werden können (und müssen) von den Spannungen, die nicht einfach so aufgelöst werden sollten?

  1. Kommt das Problem/die Spannung immer und immer wieder auf?
  2. Gibt es für beide Seiten reife und erfahrene Fürsprecher?
  3. Stehen die beiden Seiten einer Spannung wirklich in gegenseitiger Abhängigkeit?

Deine Rolle als Leiter ist es, die Hebelwirkung solch einer Dynamik zu Gunsten deiner Organisation zu nutzen. Wie?

  1. Identifiziere solche Spannungen in deiner Organisation
  2. Schaffe eine geeignete Terminologie. „This is the tension we have to manage“ (das ist eine Spannung, die wir managen müssen) – so hat es Stanley für seine Kirche gelöst. Oder „hier geht es nicht um Gewinnen oder Verlieren – mit der Spannung müssen wir umgehen lernen“.
  3. Informiere und unterrichte darüber dein Kernteam.
  4. Gib immer wieder eine Wertschätzung für beide Seiten. Deine Meinung und deine Worte als Leiter wiegen mehr als andere… Gewöhne es dir methodisch an, unabhängig von deiner eigenen Präferenz, für beide Seiten einzustehen.
  5. Lege Dein Gewicht nicht auf deine Vorlieben. Wenn du z. B. im Bereich Lehre, Musik, Organisation begabt bist, wirst Du naturgemäß hier deine Schwerpunkte setzen – das ist auch gut so, weil Gott dich hier begabt hat. Du musst dir dessen bewusst sein, dass du hier (fast) immer gewinnen wirst und dadurch einem wirklichen Progress, der deine Organisation nach vorne bringt, im Weg stehen wirst. Und du wirst den Kampf zwar gewinnen und gleichzeitig die große Schlacht verlieren. Mit den Worten von Stanley: „you´ll cut off your thumb!“ (du hackst dir den Daumen ab).
  6. Lerne daher die positive Seite deiner Gegenseite und die negative Seite deiner eigenen Position zu verstehen. Werde ein Champion der „anderen Seite“!
  7. Lass nicht zu, dass „starke Persönlichkeiten“ grundsätzlich auch die Gewinner sind. Das Ziel ist es, eine progressive Spannung zu erhalten und nicht zu gewinnen. Dazu bedarf es leidenschaftlicher Menschen, die ihre Sache vertreten UND gleichzeitig reife Menschen, die diese Dynamik verstehen und respektieren.
  8. Denke nicht in der Kategorie BALANCE, sondern eher in der Kategorie RHYTHMUS. Ein sehr weiser Mann hat mal gesagt: „alles hat seine Zeit…“. Es gibt Zeiten, in denen man mehr predigen und weniger singen sollte, wo man mehr ausgeben und weniger sparen sollte, in denen man weinen und nicht lachen sollte… – und umgekehrt.  Für alles gibt es seine Zeit!

Du und dein Team müssen ein neues Verständnis und eine neue Sprache für progressive Spannungen entwickeln: „Das hier ist nicht ein Problem, das wir lösen, sondern eine Spannung, die wir gemeinsam aushalten und weise managen müssen“. Präge dieses Mindset und du schaffst eine neue Kultur, die deine Organisation nach vorne katapultieren wird.

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